In 10 Tagen 50 Milliarden Dollar verloren: 5 erstaunliche Fakten zum Apple-Börsencrash

Apple-CEO Tim Cook muss mitansehen, wie sein Konzern von der Börse abgestraft wird
Apple-CEO Tim Cook muss mitansehen, wie sein Konzern von der Börse abgestraft wird

Digital Economy Nicht mal die 100-Dollar-Marke hat gehalten: Der Verfall des Apple-Imperiums beschleunigt sich an der Wall Street immer dramatischer. Fast 50 Milliarden Dollar hat der iKonzern allein seit dem 1. Januar an Börsenwert verloren – seit vergangenem Monat sogar mehr als 100 Milliarden. Seit Mitte 2015 dauert die Talfahrt schon an: 5 Fakten zum Börsenkollaps des (noch) wertvollsten Konzern des Welt.

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Apple will einfach keinen Boden an der Börse finden. Nach dem Kursrückgang 2015 beschleunigt sich der Ausverkauf des Techpioniers an der Wall Street in der vergangenen Woche in noch atemberaubenderem Tempo.

1. In der ersten Börsenwoche 2016 hat Apple mehr verloren als in Gesamtjahr 2015

Es ist die Mutter aller Fehlstarts: Bei nur noch 105,26 Dollar startete die angeschlagene Apple-Aktie am vergangenen Montag in 2016 und beschleunigte mit der ersten Handelsminute sofort ihren Abwärtstrend.

Das Ergebnis nach nur einer Börsenwoche ist alarmierend: In nur fünf Handelstagen hat die Apple-Aktie beim Kurssturz unter die 100 Dollarmarke 8 Prozent an Wert verloren – das ist bereits mehr als im enttäuschenden Vorjahr, als Apple Aktionären ebenfalls Verluste eingebrockt hatte (5 Prozent).

2.  Grenzenlose Wertvernichtung:  100 Milliarden in vier Wochen, 230 Milliarden Dollar Börsenwert seit den Allzeithochs verbrannt

Das Ausmaß der Wertvernichtung ist gigantisch: Weitere 45 Milliarden Dollar an Börsenwert hat der iKonzern allein vergangene Woche an der Wall Street verloren, mehr als 100 Milliarden sind es allein in den vergangenen vier Wochen. Seitdem dem Rekordhoch, als der Börsenwert 770 Milliarden Dollar betragen hatte, hat der Techpionier bereits mehr als 230 Milliarden Dollar an Börsenwert pulverisiert – das ist mehr als die zweite Hälfte des deutschen Elite-Index Dax wert ist.

Der Abwärtstrend ist (je nach Lesart) nunmehr seit neun bzw. sechs Monaten intakt: Im April 2015 stellte Apple bei 134,54 Dollar auf Intradaybasis das bisherige Allzeithoch auf, das im Juli einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen fast noch einmal eingestellt wurde.  Seitdem geht es stetig bergab mit Apple: Seit dem Allzeithoch hat die Aktie 28 Prozent an Wert verloren – in den vergangenen vier Wochen waren es allein 17 Prozent.

3.  Wiederholung des 2013er Crashs: noch deutlich Luft nach unten

28 Prozent vom Allzeithoch hat Apple bereits eingebüßt – das sind dramatische Ausmaße für ein Unternehmen, das so hoch bewertet wird wie kein anderes in der Welt. Zum Vergleich: Der Leitindex Dow Jones, in dem Apple seit vergangenem März geführt wird, hat von seinem Allzeithoch lediglich 11 Prozent an Wert eingebüßt – genauso viel wie der marktbreite S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq.

In anderen Worten: Während sich die amerikanischen Aktienmärkte aktuell wegen der Turbulenzen in China im Korrekturmodus befinden, hat sich der Erfolgskonzern Apple in einen Underperformer verwandelt, der massiv Aktionärswerte vernichtet. Tatsächlich ist die Apple-Aktie längst in den einen Salamicrash scheibchenweise immer wieder fallender Notierungen übergegangen, der an die Blaupause des Crashs von 2013 erinnert.

Seinerzeit geriet Apple nach der verfehlten Modell-Politik im Zuge des iPhone 5-Launchs, als der Techpionier kleinlaut eingestehen musste, nicht das zu haben, was die Kunden (sprich: Phablets), gar um mehr als 45 Prozent unter Druck – die Apple-Aktie taumelte neun lange Monate von September 2012 bis Juni 2013 von splitbereinigten 705 (heute: 101) auf 385 (heute: 55) Dollar.

Wiederholt sich der 2013er Crash in gleichen Dimensionen, hätte die Apple-Aktie allerdings trotzdem des heftigen Kurssturzes der vergangenen Monate immer noch deutlich Luft nach unten: Erst bei Kursen um 73 Dollar hätte sich ein Crash von 45 Prozent eins-zu-eins wiederholt. Nach dem bisherigen Absturz von 28 Prozent würde das einem weiteren Abwärtspotenzial von nochmals 24 Prozent vom gegenwärtigen Kursniveau bei 97 Dollar entsprechen, wenn die angeschlagene Apple-Aktie ihrem Vorbild von vor drei Jahren folgen würde.

4. Kursniveau wie 2012: Aktienrückkäufe bislang nutzlos

Die ernüchterndste Erkenntnis des hemmungslosen Ausverkaufs der vergangenen Wochen und Monate: Das größte Kapitalrückführungsprogramm in der Wirtschaftsgeschichte, das bis Ende März nächsten Jahres 200 Milliarden Dollar an Aktionäre in Form von Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen  zurückführt, hat sich als komplett wirkungslos erwiesen.

Als Tim Cook die ersten Milliardenausschüttungen am 21. März 2012 ankündigte, notierte die Apple-Aktie bei 85 Dollar –  heute sind es 97 Dollar, ein Plus von 14 Prozent. Im Vergleichszeitraum hat die Technologiebörse Nasdaq jedoch fast um den Faktor vier zugelegt – nämlich um 55 Prozent.

Die Erzrivalen aus dem Internetsektor hätten Aktionären dagegen gar dreistellige Gewinne beschert: Alphabet ein Plus von 139 Prozent, Amazon gar von 229 Prozent, wie der kanadische Fondsmanager Eric Jackson vorrechnet.

Apple wurde in den vergangenen vier Jahren also nach jeder Lesart als Underperformer entlarvt, während sich CEO Tim Cook zusätzlich mit dem Vorwurf herumschlagen muss, 200 Milliarden Dollar ohne jegliche Effekte auf den Aktienkurs verpulvert zu haben.

Eric Jackson geht gar so weit, herauszuarbeiten, dass die Apple-Aktie ohne die Kapitalrückführungsmaßnahmen höher notieren würde, weil sich der iKonzern zur Finanzierung der Aktienrückkäufe nicht hätte verschulden müssen und stattdessen ein um bis jetzt 130 Milliarden Dollar höheres Cash-Polster aufweisen würde. Die Diskussion um die Kapitalrückführungsmaßnahmen – sie dürfte weiter an Dynamik gewinnen, je weiter die Aktie fällt…

5. Aber: Immer noch knapp wertvollster Konzern

Der einzige Lichtblick am Ende einer Horrorwoche für Apple: Der Techpionier beendete am Freitag immer noch als wertvollster Konzern der Welt den Börsenhandel. Allerdings ist der Vorsprung vor dem Erzrivalen Alphabet in den vergangenen Monaten dramatisch zusammengeschmolzen.

Mit 538 Milliarden Dollar wurde Apple bei Handelsschluss  an der Wall Street am Freitag noch bewertet (zu Spitzenzeiten 2015 waren es 770 Milliarden Dollar) – auf 503 bringt es der Erzrivale Alphabet bereits. In anderen Worten: Schon bei Verkündung der Quartalsbilanzen in zwei Wochen könnte sich die große Zeitenwende vollziehen – die beiden Titanen des Silicon Valley trennen an der Wall Street gerade noch 7 Prozent.

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Alle Kommentare

  1. Najanaja, Eric Jackson mag’s gern knallig, ein paar nüchterne
    Betrachtungen (obwohl ich grade meinen karibischen Coktail trinke) könnten helfen:
    1. Diese gewaltigen Verluste, die auch Google und Andere beizeiten beglagen mußte, sind sind ja nur für den real, die am Tiefpunkt verkaufen.
    Wenn wirkliche Skandale dahinter stecken, z,B. Betrug wie bei Toshiba oder VW, dann kann das auch dauerhafte sein, doch nur dann.
    2. Große Player in Sachen Fonds, z.B. alles was mit Black oder Gold anfängte spielen bei besonders widerstandsfähigen Werten gerne dass Aktien-Optionen-Spiel, mit hrem gigantischen Volumen ist das häufig Börsenbestimmend.
    Sie verkaufen Solche Aktien, wenn der Wert ohnehn schwächelt und machen mit ihrer Phalanx an Analysten Druck nach unten, je tiefer der Wert fällt desto mehr kaufen sie sich Optionen, mit denen sie sich die Aktien später zurückholen.
    Das ist ein fantastisches Geschäft, das machen sie auch manchmal mit Google, heute Alphabet.
    3. Mit 97 Dollar ist Apple jetzt dort, wo sie bereits Anfang Eseptember 20015 und im Januar des gleichen Jahres wahren, das ist recht volatil, aber nun wirklich nicht bodenlos.
    Allerdings wird es jetzt spannend, denn wenn die Apfeljungs weiter fallen, wirde AAPL erstmal charttechnisch beschädigt.Schauen wir mal!
    4. Auch, ob Aktienrückkäufe sich als Verlust erweisen, zeigt sich ja erst mittel- und langfristig und ob eine Werterholung eintrifft, dass wiederum entscheidet sich erst im März, wenn die neuen Quartalszahlen bekannt gegeben werden, auf ein Neues- schauen wir mal!
    5. Nun lassen wir uns mal locker in den Schaukelstuhl fallen und wich ich hrade die Brille putzen und einen klaren Blick auf diesen Apfelkuchen richten:
    a) Als erstes betrachtet man die komplette Branche, was nicht ganz einfach ist, da Apple, Samusn und Konsorten auf mehreren Gebieten mitspielen, die sich nicht alle ünerdecken, doch nehmen wir die für Apple relevanten Bereiche, denn hier sind sie ja das Thema und der Kuchen ist gefüllte mit Smartphones, Ipads, Desktop-rechnern der Mac-Reihe und Laptops swie Verkäufe von Musik, Videos sowie Streaming von Musik.Hinzu kommt natürlich der Verkauf von Apps.
    Zur Sache Apple, wie läuft’s in diesem Jahr:
    b) Desktop-Rechner werden wohl bestenfalls stagnieren, was schon mal besser ist als im Windwos-Sektor.
    c) Bei Iphones frage ich mich manchmal. können die Analysten nicht mal 2-3 Quartale klar umfassend betrachten, ständig stößt man auf Magermix Analysen.
    Mitte 2015 orderte Apple für das Weihnachtsquartal Teile für 98 Mio. Iphones, die Konkurrenz haute das förmlich um.
    Im Ende August/Anfang September kapierte Apple, sie hatten das China-Syndrom und die hakelige Weltwirtschaft unterschätzt, doch noch immer waren sie zu optimistisch und korrigierten die Iphones nur um -10%.
    das paßte dann immer noch nicht, wie sich im November/Dezember herausstellte, wahrscheinlich waren es im Weihnachtsquartal nur 75-98 Mio., wie im Vorjahr, also bauten sich bei Apple und im Handel Lagerbestände auf, die gemäß der Philosophie von Tim Koch schnell korrigiert werden, sprich von Januar bis Ende März.
    Wenn politisch, kriegerisch, weltwirtschaftlich alles o bleibt, wie es jetzt anzunehmen ist, muß Apple im Gesamtjahr ein Iphone-Minus von 5-8% einkalkulieren.
    Diese Minus ist etwa bei 92-100 Dollar eingepreist.
    d) Apple-Watch:
    Diese Ticktack war für mich der Überraschungserfolg 2015, denn es war ein noch unfertiges Produkt, mit Anfangs minimaler App-Unterstützung, doch rund 14 Mio. davon hat Apple verbimmelt, nicht schlecht.
    Sie haben den schon seit 2,5 Jahren bestehenden Markt deklassiert, wie damals beim Iphone, 80% ist Ihnen im Handstreich, alle Achtung!
    2016 kommt die eine wesentlich bessere Watch-2 mit umfänglicher App-Unterstützung, intelligenten Armbändern und besseren Sensoren.
    Analysten erwarten rund 4( Mio. Verkäufe, was aber dVon abhängig ist, wann die Produktion startet. Doch auch wenn nur 35 Mio. vertickt werden ist das ein passabler Ausgleich für das erwartete Iphone Minus.
    e) Äbbel-Music
    AUCH HIER WAR DER strat nicht perfekt und auch heute bleibt vieles u verbessern, doch der Laden brummt, pro Monat haben sie ein Zugewinn von über 1 Mio. Zahlemännern, nicht schlecht udn aus dem Stand der 2. Platz hinter Spotify, die historisch eigentlich einen monatlichen Zugewinn von 500-700.000 Zahlern generierten.
    In letzter Zeit war es jedoch mehr, doch vielleicht ist das ein Resultat, der 1€ für 3 Monate Mitgliedschaft Aktion.
    Ob bei den 44 Mio. nicht zahlenden, die Werbung genießenden Kunden ein großer Teil Karteileichen sind, lasse ich mal dahingestellt.
    Ok, lassen wir dies, ies Geschäft muß langfristig aufgebaut werden, den Riesenreibach kann Apple daraus 2016 sicher nicht ziehen.
    f) Der Store wird 2016 auch nicht viel nach oben oder nach unten bewegen.
    g) Branchenbetogene Gewichtung
    Im Bereich Handies ist der Vergleich mit der Konkutrenz interessant.
    Die Verkäufe für die ersten drei Quartale 2015 sind bekannt, doch was geschah im schicksalsträchtigem Monat Dezember, dem Indikator. für’s Folgejahr.
    Das es bei Huaweih auch im Dezember rund lief dürfte klar sein, doch was ist mit den Anderen, denn Apples Decices machten 49,1% aller weltweiten Geräteneuaktivierungen im Internet aus udn wenn Huaweih wirklich so lief, wie in den Vormonaten, dann hat’s den Rest kalt erwischt.
    Im Moment ist schon erstaunlich, wie ruhig der Rest ist, ein Drittes mal- schauen wir mal.

    So, das war’s auch schon, vom Äbbelobserver und noch ein kleiner Tipp zu Analysten, viele sind für die Big Player nur ein Knopf, auf den man bei Bedarf drückt.
    Wünsche allseits ein Frohes Neues Jahr!

  2. Hallo Herr Jacobsen,

    bei Ihren „erstaunlichen Fakten“ frage ich mich, wie sie zu der Aussage kommen, dass ein Rückgang der Apple-Marktkapitalisierung um rund 230 Mrd. Dollar mehr als die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung aller Dax-Werte ausmache.
    Diese liegt aktuell bei gut 1 Billion Euro, das entspricht beim aktuellen Dollar-Kurs von 1,09 Dollar/Euro etwa 1,1 Billionen Dollar. Die von Ihnen genannten 230 Milliarden Dollar machen da weniger als ein Viertel aus.

    Beste Grüsse, Andreas64

    1. Addieren Sie die Marktkapitalisierung der Dax-Werte 30 bis 16 – und Sie kommen noch auf weniger als 230 Milliarden Dollar…

      Mit freundlichen Grüßen,
      Nils Jacobsen

      1. Das ist interessant und merkwürdig zugleich;
        warum haben Sie denn diesen Sachverhalt nicht gleich erwähnt, ohnehin scheint es so zu sein, daß Sie recht häufig recht garstig herunterputzen.
        Gegen scharfe Kritik währe ja nichts zu sagen, wenn die journalistische Neutralität gewahrt bleibt.

  3. Hallo Herr Jacobsen,

    danke für die Richtigstellung.
    Dann sollten Sie bei Gelegenheit auch die Kollegen des Handelsblattes auf diese geänderte Kalkulation aufmerksam machen. Denn dort findet sich Ihr Artikel noch mit gleicher Aussage und führt somit die unrichtige Betrachtungsweise in einem anderen Medium fort.

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/50-milliarden-dollar-verloren-fuenf-erstaunliche-fakten-zum-apple-boersencrash/12815830.html

    Mit besten Grüssen, Andreas64

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