stern-Kolumnistin Meike Winnemuth: „Ich möchte eine möglichst glückliche Leiche werden“

Meike Winnemuth, stern-Kolumnistin und Autorin des Bestsellers „Das große Los“
Meike Winnemuth, stern-Kolumnistin und Autorin des Bestsellers "Das große Los"

Publishing Sie lernte auf der Henri-Nannen-Schule bei Wolf Schneider und gewann bei Günther Jauch 500.000 Euro: Meike Winnemuth, 55, erfolgreiche Buch-Autorin und Kolumnistin, erzählt im MEEDIA-Gespräch mit Christopher Lesko von ihrem Lebensweg zwischen Neumünster und New York, zwischen Hamburg, Berlin und Mumbai. Dem Weg einer Schreiberin zwischen Freiheit, Bindung und dem, was sie Glück nennt.

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Meike Winnemuth, wer sind Sie?
Keine Ahnung. Aber das Leben ist ja die Einladung, es herauszufinden: Knapp, bevor der Sargdeckel zuklappt, weiß ich es hoffentlich. Bis dahin könnte ich höchstens unvollkommene Zwischenantworten oder Arbeitshypothesen liefern. Ich täte ich mich schwer, auf Ihre Frage eine Ein- bis Drei-Satz-Antwort zu geben.

Von mir haben Sie diese Begrenzung nicht.
Also eine 1000- bis 3000-Satz-Antwort? Wir könnten es bei einer einzigen Frage belassen. Ein Interview, das aus einer Frage und einer unendlichen Antwort besteht, das wär doch mal super. Aber das würde sicher weder Ihnen noch Ihren Lesern Spaß machen.

Sargdeckel, Antworten von einem bis zu 3000 Sätzen? Mich beschäftigt die Frage, was ich glauben kann von Ihren bunten Schleifen. Oder, ob sie dazu dienen, einer Antwort auf meine Frage auszuweichen. Haben Sie eine Empfehlung für mich?
Am Anfang eines Gespräches sollten Sie Ihrem Gesprächspartner zumindest so lange glauben, bis das Gegenteil bewiesen ist. Das mit dem Ausweichen stimmt natürlich: Weil ich keine Antwort auf diese Frage habe, die mir übrigens selten gestellt wird.

Ich bin interessiert an dem, was Sie „Zwischenantworten“ oder „Arbeitshypothesen“ nennen.
Okay: Ich bin ein glücklicher Mensch. Ich glaube, ich war es immer, weil ich stets einverstanden war mit dem, was mir jeweils widerfuhr. Zur Zeit bin ich es eine entscheidende Nuance mehr, weil ich mit meinem Leben in allen Facetten einverstandener bin als je zuvor. Auch, wenn das vielleicht egoman klingt: Es ist ein großartiger Luxus, sich aussuchen zu können, wie viel, wann und mit wem ich arbeite. Daraus folgt ganz viel, etwa Zeit geschenkt zu bekommen für Themen, die nicht der Erwerbstätigkeit dienen.

Über Glück hinaus: Wer sind Sie denn noch, wenn Sie die Person Meike Winnemuth betrachten?
Von außen nach innen: 1,83 Meter. Naturblond. 10 Kilo übergewichtig, aber glücklich übergewichtig. Mit 55 in einem Alter, wo ich andere oder mich selbst nicht mehr beeindrucken muss. Angesichts dessen, was gerade in der Welt passiert, eine sehr glückliche Mitteleuropäerin. Bin ich eine Journalistin? Diesen Begriff habe ich immer mit der Aufklärung wichtiger Themen verbunden, damit tue ich mich schwer. Ich bin eine Schreiberin, die sich und den Rest der Welt unterhält.

Sehe ich zufrieden aus, gerade?
Sie sehen aus wie jemand, der über die nächste Frage nachdenkt.

Ich müsste zunächst die aktuelle Frage für beantwortet halten. Wenn wir hinter beruflichen Rollen, hinter dem, was Sie Glück nennen, auf Sie als Person schauen, auf Ihre Idee eines inneren Kerns: Sie sind Sie sensibel, aggressiv, ungerecht, ein Funktionsroboter, eine gute Zuhörerin, was auch immer?
Also nicht „Wer sind Sie?“, sondern „Was oder wie sind Sie?“

Sie möchten an meiner Frage rumschrauben?
Natürlich.

Für mich ist es eine künstliche Trennung: wer, was und wie Sie sind.
Die Frage ist halt ebenso interessant wie schwer zu beantworten. Es wäre sogar eine Lüge, sie beantworten zu wollen. Ich bin manchmal Funktionsroboter, manchmal funktioniere ich gar nicht, ich bin mal sensibel, mal unsensibel, und ich bin in manchen Situationen abwartend. Das ist alles situationsabhängig. Aggressiv bin ich selten, dazu bin ich zu alt.

Sie halten die Fähigkeit zur Aggressivität für eine Frage des Alters?
Ja. Der Lebenserfahrung. Es geht doch darum wie viele Situationen man erlebt hat, in denen Aggressivität sich tatsächlich ausgezahlt hat. Menschen lernen, indem sie Erfahrungen machen und ihr Verhalten korrigieren.

Es gäbe bei negativen Erfahrungen mit eigener Aggression immerhin die Option, aggressive Fähigkeiten zu optimieren, anstatt auf sie zu verzichten. Vielleicht streiten wir beide im Dickicht der Begriffe zu Beginn unseres Gespräches nur darum, welches Niveau hier möglich werden darf.
(lachend): Das wäre doch auch schon was.

Wenn es zur Frage, wer Sie sind, schon Sidesteps braucht, können wir ja mit einer belanglosen Frage weitermachen: Wozu sind Sie?
Wozu ich bin? Für mich bin ich. Ich möchte eine möglichst glückliche Leiche werden. Und bis dahin möglichst viel verstehen. Es gibt keinen anderen Zweck als diesen. Ich habe keine Mission in meinem Leben. Es gibt für keinen Menschen einen Sinn, glaube ich: Es gibt nur die Möglichkeit und das Geschenk, einen Sinn zu suchen. Auch diese Frage hätte ich übrigens zu unterschiedlichen Zeitpunkten ganz unterschiedlich beantwortet. Zur Zeit besteht mein Sinn darin, meinen Hund davor zu bewahren, auf eine sechsspurige Straße zu laufen.

Hamburg hat doch keine sechsspurigen Straßen, oder?
Halllooo…? An der Alster!

Erzählen Sie mir von Ihrer Entwicklung: Wie, mit wem und unter welchen Umständen ging das Leben für Sie los?
Ich bin Einzelkind und bilde mir ein, dennoch -oder gerade deshalb?- mit gewissen Sozialkompetenzen versehen zu sein. Ich weiß es nicht. Was ist Ihre Theorie zu Einzelkindern?

Erst meine Frage, dann Ihre.
Okay. Einzelkind also. In Neumünster, Schleswig-Holstein. Mein Vater war Edeka-Händler. Meine Mutter war Hausfrau und machte im Geschäft die Buchhaltung. Ich werde meinen Eltern ewig dafür dankbar sein, frei aufwachsen zu dürfen. Beide hatten im Geschäft zu tun, und ich bin meiner Wege gegangen. Schon als kleines Kind verschwand ich stundenweise, und niemand wusste genau, wo ich war. Meine Eltern hatte die schöne Theorie: Wenn sie Hunger hat, wird sie schon wieder kommen.

So eine Kleinstadt wie Neumünster hat Vorteile: einerseits sicherer als in der Großstadt, andererseits eine Umgebung, die auf Dauer nicht trägt. Und dadurch entwickelt sie eine Zentrifugalkraft, die einen hinaus in die Welt schleudert.

Was trennt denn für Kinder das, was Sie Freiheit nennen, vom Sich-Selbst-Überlassen- oder gar Alleine-Gelassen-Sein?
Ich glaube, das ist eine Wahrnehmungsfrage, eine Frage von Mentalität und wie man mit diesem Gefühl umgeht. Alles tun zu dürfen kann Menschen verunsichern, die ein Geländer brauchen, an dem sie sich entlang hangeln können. Es stimmt: Ein anderer in meiner damaligen Situation hätte darunter auch leiden können.

Bevor es Sie aus der Zentrifuge trug: Haben Ihre Eltern Werte oder Haltungen ausgestrahlt, die Ihnen Orientierung boten?
Mein Vater war ein klassischer Kaufmann: Merkantil, vernünftig, Geben und Nehmen, Haben und Sein. Er ist ein Kommunikations-Talent, das hat mich stets beeindruckt. Einerseits vorsichtig und andererseits als Rampensau zu jedem freundlich: Der Mensch vor seiner Nase könnte ja ein Kunde sein. Ich glaube, viele Kaufmannskinder werden zu präventiver Nettigkeit erzogen. So war es jedenfalls bei uns.

Und Ihre Mutter?
Meine Mutter habe ich erst spät entdeckt, als ich fast erwachsen und auf dem Weg aus dem Haus war. Vorher habe ich, was sie mir zu geben hatte, gar nicht richtig wahrgenommen. Wie viele Mädchen war ich ein Papa-Kind.

Sie haben sich als Kind an dem orientiert, der aus beruflichen Gründen am Weitesten entfernt war?
Gar nicht, ich war als Kind viel im Laden. Ich habe Handzettel verteilt, bei Inventuren geholfen. Ich habe es geliebt, mir abends unter Aufsicht etwas Süßes nehmen zu dürfen oder mich am Donnerstag aus dem Zeitschriften-Regal zu bedienen. Stern, Quick, Micky Maus, Fix & Foxi. Ich habe mir Riesen-Stapel Zeitungen mit nachhause genommen, sie ganz vorsichtig gelesen und am nächsten Tag wieder zurückgebracht. Das war toll.

Der stern ist in Ihrer Aufzählung auf Platz eins gelandet, wegen Ihrer aktuellen Rolle dort?
Der stern existiert noch, im Gegensatz zu vielen anderen Zeitschriften. Ich habe auch mit großer Begeisterung Leutnant Blueberry gelesen. Ein fantastisch gezeichneter Comic.

Aus heutiger Sicht: Was waren Sie für ein Kind?
Ein fröhliches Einzelkind, aufgewachsen wie ein Junge: Wegen meines Nachnamens durfte ich Winnetou spielen. Eine große Ehre in der Nachbarschaft, Indianerhäuptling zu sein. Ich schnitzte mir Pfeil und Bogen selber. Und ich war eine Leseratte. Ich hatte Freiheit als Kind und war unheimlich gut darin, mich selbst zu beschäftigen.

In seinem eigenen Leben sollte man schon auch vorkommen dürfen. Sich mit sich selbst beschäftigen zu können, ist sicher eine Fähigkeit. Die interessante Frage ist die des Ursprungsmotives für diese Fähigkeit. Da sind wir beim Aspekt von vorhin, dem Raum zwischen Sicherheit und Alleine-Gelassen-Sein.
Für mich war es gut. In der heutigen Zeit, mit Helikopter-Eltern, hätte ich rebellieren müssen, um mir meinen Freiraum freizuschießen. Damals hatte ich Luft genug.

Sie haben sich ja als Leseratte bezeichnet. Sind Sie manchmal auch Ratte?
Laut chinesischem Horoskop: ja. Sonst nicht.

Leseratte zu sein, war aus Ihrer Sicht ein erster Schritt für die Entwicklung in die professionelle Rolle einer Schreiberin?
Ich weiß nicht, ob das, was man gerne tut, auch beruflich getan werden muss. Ich wollte zunächst Ornithologin werden. Dann Latein-Lehrerin. Dann Innenarchitektin. Hat ja dann auch super geklappt. Ich habe sinnloses Zeug studiert, Anglistik, Germanistik an verschiedenen Unis, und ich habe mir reichlich Zeit gelassen. Ich verdiente gutes Geld durch Nebenjobs. Ich wollte ursprünglich promovieren, kam aber schnell darauf, dass in mir auch ein eitles Geschöpf wohnte, das nicht nur für sich selbst, den Papierkorb und den Professor arbeiten wollte.

Mehrere Unis?
Mit einem DAAD-Stipendium ging ich für einige Zeit nach Exeter. In Göttingen verknallte ich mich mit 23 in einen Amerikaner, mit dem ich eine merkwürdige globale Langstreckenbeziehung führte. Der hatte sich für ein Stipendium der Sprachen Deutsch und Russisch für 20 Jahre bei der US Army verpflichtet. Beim militärischen Geheimdienst. Ich fand das großartig: Der Spion, der mich liebte. Besser konnte es nicht kommen. Ich habe ihn in Korea besucht, dann wurde er nach Kiew und schließlich Berlin versetzt. Als ich dann auch nach Berlin ging und wir uns in jeder Hinsicht wiedervereinigten, war die Liebesgeschichte nach drei Monaten erledigt.

Manchmal wird es eng, wenn Fantasien und Wünsche mit der harten Realität ihrer Erfüllung kollidieren. Die größte Tragik von Sammlern entsteht dann, wenn sie alles gesammelt haben.
Ja: Langstreckenlieben haben ja mit Beziehung wenig zu tun und leben von Projektion, von Sehnsucht und dem Reiz des Unerreichbaren.

Hat ihnen die Trennung etwas ausgemacht?
Nein, die ging ja von mir aus.

Das eine schließt das andere nicht aus.
Das ist wahr. Aber ich habe in neun von zehn Fällen verlassen. In einem sehr entscheidenden bin ich verlassen worden, das hat mir viel ausgemacht. Die Berliner Trennung 1983 jedoch nicht.

West-Berlin also.
Ja. Ich hatte damals raspelkurze Haare, mal himbeerfarben, mal blau, ich nahm alles mit, was man im Berlin der 80er so machte. Über eine Kollegin, die nebenbei für eine kleine Produktionsfirma arbeitete, kam ich dann an einen Job. Mein erster Kontakt mit dem Medienwesen: Ich schrieb für verschiedene Sender aus dpa-Agenturmeldungen verständliche Beiträge. Man war zufrieden und bot mir ein Volontariat an. Ich nahm an und merkte: Volontariate bedeuten Ausbeutung. Also bewarb ich mich last minute mit 27 an der Henri-Nannen-Schule und wurde genommen: 1988/1989, unter dem großen Wolf Schneider.

Ich bin kein Freund seiner Außenwirkung.
Ich fand ihn als Lehrer aus vielen Gründen grandios. Es ist gut, sich reiben zu können, genötigt zu sein, in Auseinandersetzungen mit Autoritäten eine eigene Meinung zu bilden. Werte zu entwickeln, die das blanke Gegenteil von dem sein können, was gelehrt wird. Was man denkt, findet man nur heraus, wenn man sich auseinandersetzen muss.

Die -in meiner Wahrnehmung von Schneiders Außenbild in Interviews- durchgängige Abwesenheit von Liebevollem haben Sie in direktem Kontakt anders erlebt?
Ich mag ihn wahnsinnig gern. Auch weil er ein ungewöhnlich sperriger, widerborstiger, im Guten wie im Schlechten herausragender Mensch ist. Es gibt wenige Menschen, die sich so offensiv trauen, nicht gemocht zu werden. Ich weiß ja, wie er ist: Er ist ein Kuscheltier. Okay, da würde er jetzt vehement widersprechen.

Wie haben Sie denn, was Sie lernten, mehr und mehr zu Ihrem gemacht?
Das musste ich erst mal finden. Ich habe vier Praktika gemacht: Ich war bei der Frankfurter Rundschau, bei Radio Bremens Vorabendsendung „buten un binnen“, bei Viva, einer Frauenzeitschrift von Gruner + Jahr, und in der Berliner Redaktion des stern. Dann kam das Angebot von RTL, die Redaktion einer wöchentlichen Talkshow zu übernehmen: „Die Woche“ versuchte, vier wochenaktuelle Themen, die von vier Gästen repräsentiert wurden, aufzuarbeiten. Eine Höllenarbeit, weil sich bei Aktuellem noch freitags die gesamte Sendung ändern konnte. Die Redaktion bestand aus mir und einer Assistentin.

Das sind immerhin schon zwei Menschen.
Wenn ich mir anschaue, wie Talkshow-Redaktionen heute besetzt sind… Irgendwie haben wir es hinbekommen. Moderator war der ehemalige Pressesprecher von Gustav Heinemann, Geert Müller-Gerbes. Der Job brachte mir ein prall gefülltes Buch voller Kontakte – Prominente, Politiker, Agenturen, Pressestellen. Ein Pfund, mit dem ich danach weiterarbeiten konnte. Dazu stählerne Nerven und die Haltung: Egal, was kommt – das Ding muss klappen. Eine zusätzliche Turbo-Ausbildung.

Sie gingen warum genau?
So toll es auch war, ich war unzufrieden: Sobald das Rotlicht anging, war mein Job vorbei. Ich saß manchmal schnaubend im Ü-Wagen, weil die Sendung sich in eine ganz andere Richtung entwickelte, als ich sie vorbereitet hatte. Ich wollte das Ergebnis meiner Arbeit bis zuletzt in der Hand haben, und das hatte ich nicht. Nach einem Jahr habe ich gekündigt. Nach dem Mauerfall kam dann das Angebot, in den Osten zu gehen: Gruner + Jahr hatte den Berliner Verlag gekauft, den größten Verlag im Osten. Dort erschienen die Berliner Zeitung und einige Zeitschriften, unter anderem die Neue Berliner Illustrierte, die seit den Zwanzigern existierte und nun zu einer Art stern für den Osten werden sollte. Sie wurde umbenannt in Extra Magazin.

Mit ein paar jungen Wessis zogen wir in eine große Redaktion altgedienter Ost-Journalisten. Ich habe viel gelernt, auch menschlich: Über Unterschiede hinweg gemeinsam an einem guten Produkt zu arbeiten und einander heulend in den Armen zu liegen, als die Hamburger entschieden, das Ding einzustellen, weil es keine Chance gegen den Sex & Crime der SUPERillu hatte. Das waren für lange Zeit die besten anderthalb Jahre meines Lebens.

Und dann?
Dann kamen ein paar Jungs vom stern und pickten sich einige Kollegen aus der Redaktion heraus. Mich stopften sie in die Hamburger Kulturredaktion. Ich kam in das beste Ressort aller Zeiten. So eine Art All-Star-Ressort: Sven Michaelsen, Jochen Siemens, Jörg-Uwe Albig, Christine Kruttschnitt. Stellvertretender Ressortleiter war der heutige Stern-Chef Christian Krug. Nur Top-Leute. Ich glaube, es hat nie wieder ein derartiges Kultur-Ressort gegeben.

In Ihrer gefühlten Berliner Niederlage: Was genau hat Sie denn den Schritt machen lassen, mit den Vernichtern dessen zusammenzuarbeiten, wofür Sie persönlich in Berlin standen?
Es war ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. So häufig wird man ja nicht auf diesem Level gefragt. Und: Es gab keine Alternative damals. Dass das Berliner Projekt scheiterte, lag nicht daran, dass der stern uns keine Artikel abgab. Der Burda-Konkurrenz waren wir mit unserem menschenfreundlich-humanistischen Middle-of-The-Road-Ansatz nie gewachsen. Ich habe damals die Schuld für all dies nur jemandem zuschieben wollen und war Gruner + Jahr eher auf eine naive Art böse.

Aus der Distanz betrachtet, klingt das reflektiert. Damals, im Zentrum Ihrer Emotion, forderte die Entscheidung ja einen inneren Schritt, der heute leichter klingen mag, als er damals gewesen sein mochte.
Einen Schritt auf den zu, der uns umgenietet hatte? Ja. Im übrigen ein Vorgang, der sich in meiner Karriere häufiger wiederholte: Ich war bei unglaublich vielen Blättern, die später ausgepustet wurden.

Die wurden immer ausgepustet, nachdem Sie da waren?
(Lachend): Das einzige Heft, das es trotz meiner Mitarbeit noch gibt, ist der stern. Mal sehen, wie lange es noch dauert. Natürlich hilft, dass ich als Freie für die schreibe und nicht in der Redaktion bin. Ansonsten bin ich selbst schuld an meiner Todesliste: Ich habe immer gerne meine Eier in wacklige Körbe gelegt. Beamtenblätter haben nie zu mir gepasst.

Haben Sie für mich als intellektuell Unauffälligem ein Beispiel für das, was Sie „Beamtenblatt“ nennen?
Blätter, aus denen man mit den Füßen zuerst rausgetragen wird. Die Großen: Zeit, Süddeutsche, Spiegel und stern. Anfang der 90er hatte man noch sichere Arbeitsplätze und ging davon aus, dass die Dickschiffe absolut unsinkbar sind.

Wie war die Zeit im Kulturressort des Hamburger stern mit jenen, die Sie „Top-Leute“ nennen?
Ich lernte viel. Ich fiel auf die Fresse und stand ein wenig schlauer wieder auf. Eine sehr intensive Zeit, in der die Hefte noch fett waren. Kultur kam noch üppig im Blatt vor: 20 Seiten Farbstrecken mit afrikanischer Kunst – heute undenkbar. Man konnte aus dem Vollen schöpfen. Zu einem Interview mit John Grisham, der damals noch ein kleiner Anwalt war und seine ersten Krimis schrieb, flog ich mal eben in die USA. Das alles machte wahnsinnig Spaß.

Um biographisch den Agentenfaden nicht ganz zu verlieren: Männertechnisch – hatte sich der KGB mal bei Ihnen gemeldet? Boten sich Ihnen andere Optionen auf eine Symbiose partnerschaftlichen Elends?
Ja, klar.

Damit es im Schwall Ihrer Worte nicht ganz untergeht: Sie erzählten ja von einer Beziehung, die ihren Reiz aus der Distanz bezog und nicht hielt. Bei allem, was Sie über Entwicklung und Lernen in beruflichen Kontexten sagten: Erfuhr auch das Thema der Beziehungen Entwicklung?
Durchaus. Ich hatte eine sehr lange Beziehung zu Peter Praschl, den Sie, glaube ich, auch kennen. Er hat ja einen bezaubernden Verriss Ihres TV-Projekts geschrieben.

Ich kenne Praschl so, wie er sich mit TV-Kritiken auskennt. Also gar nicht. Er arbeitete mit Ihnen damals?
Er war der Ressortleiter. Ich fand es anfangs problematisch, sich mit einem Kollegen einzulassen, gerade, wenn es der direkte Vorgesetzte ist. Ich machte mir Sorgen, man könnte vermuten, ich hätte mich hochgeschlafen. Es kam aber eher so rüber, als habe er sich runtergeschlafen (lacht). Im Ernst: Es war eine gute Beziehung. Wir sind dann auch gemeinsam 1995 zu Amica gegangen, einer damals frisch gegründeten Michstraßen-Pflanze. Die ehrgeizige Idee von Amica war, auf Monatsbasis eine Art stern für Frauen zu machen. Schwarzweiß-Strecken von Kindern im Kosovo hart mit Pelzmode clashen zu lassen, folgte der Idee, Frauen mehr zuzutrauen und auch zuzumuten, als es traditionelle Frauenzeitschriften taten.

Eine gute Idee.
Ohne Zweifel, deshalb gingen wir dorthin. In dieser Zeit begann das Kolumnieren bei mir: Wir schrieben eine mit neun Jahren sehr langlebige Kolumne namens Doppelpack. „Er sagt, sie sagt…“ als Prinzip der Frauen- und Männersicht wurde später oft und gern von anderen kopiert.

Es soll auch lustig gewesen sein.
Ja, das sagt man.

Mir wurde übrigens empfohlen, vor unserem Gespräch etwas von Ihnen zu lesen.
Das werden Sie doch nicht im Ernst gemacht haben.

Natürlich nicht. Ich musste Kraft sparen, außerdem: Wer könnte mir besser sagen, was Sie geschrieben haben, als Sie selbst? Übrigens: Neun Jahre klingt nach Stabilität.
Es war zum ersten Mal in meinem Leben eine Zeit der Kontinuität. Ich war vorher noch nie so lange bei einem Blatt, und ich war noch nie so lange mit einem Mann zusammen. Das hält bis heute den Rekord in beiderlei Hinsicht.

Die Rekorde sind, in Zahlen?
Beziehung: 13 Jahre. Amica: 10 Jahre.

Bei aller Mischung beruflicher und privater Rollen in Ihnen- wenn wir beide Rekordebenen mal für sich betrachten: Woran lag es denn jeweils, dass die Strecken endeten? Was führte zur Trennung von Amica?
Der Michstraßen-Verlag wurde von Burda übernommen. Die Amica-Redaktion in Hamburg wurde aufgelöst, den Mitarbeitern wurde gekündigt, Praschl und mir auch. Die Redaktion wurde in München neu aufgebaut: mit anderen Leuten und einer anderen Idee. Man wollte unter der Leitung von Patricia Riekel ein Vogue-artiges Modemagazin machen. Okay.

Das Okay möchte ich gerne verstehen.
Kann man so machen.

Es ist nicht wesentlich klarer geworden.
Das Blatt hat ja auch nicht lange überlebt.

Das war das Optimum an Präzision Ihrer Antwort auf die Amica-Strecke, den beruflichen Teil der Frage. Woran scheiterte denn Ihre private Bindung nach 13 Jahren?
Ich wurde für eine jüngere Frau verlassen. Wie sich das gehört im Rahmen einer ordnungsgemäßen Midlife-Crisis.

Ein einfaches Weltbild. Hat es wehgetan?
Total. Das war die größte Krise meines Lebens. Sagen Sie mal: Stellen Sie eigentlich nur Frauen solche privaten Fragen? Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie Kai Diekmann nach seinem Liebesleben befragt hätten. Oder haben er und die anderen Jungs das alles rausredigiert?

Was mich an Gesprächspartnern interessiert, entscheide ich im Gespräch und Kontakt. In der Tat waren es bei Kai Diekmann andere Facetten, und: Sie selbst haben doch die Spur mit Ihrer Antwort auf die Frage nach den Unis gelegt.
Soso.

Wie sind Sie mit der ernsten Zeit umgegangen und haben sich aus dem Tal bewegen können?
Durch Flucht: Ich fand es gut, einen Ozean zwischen mich und die Situation zu bringen und ging ein paar Monate nach New York.

Dort trafen Sie dann den alten Kumpel des amerikanischen Geheimdienstes wieder…
Nein, erst viel später. Plötzlich spürt man ein Riesen-Loch in seinem Leben: Bis eben lag noch ein fetter Mann neben einem, jetzt ist da Leere: Das ist schwer. Ich neige dazu, Löcher schnell wieder füllen zu wollen – mit Dingen, die vorher nie möglich waren wie eben New York. Niemand hielt mich mehr. New York war meine Rettung in jeder Hinsicht, das war wirklich großartig. Den Schwung nahm ich mit zurück: Ich habe ein bisschen Zeitschriftenentwicklung gemacht, dann kam ein Angebot von Gruner + Jahr und Andreas Petzold, damals einer von zwei Chefredakteuren des stern. Neben Michael Stössinger sollte ich als Redaktionsleiterin das sieche Blatt Park Avenue machen. Stössi sollte sich um Politik und Wirtschaft kümmern, ich um das Gedöns.

Politik also war kein Gedöns?
Gedöns hieß in diesem Fall Promis, Frauen-Themen, Mode. Lange, bevor Vanity Fair erschien, wollten wir eine Art deutsches Vanity Fair machen, und wir drei waren eine wilde Mischung, die sehr gut aufging. Petzold hat eine fantastische Eigenschaft: Er ist klar, kann schnell entscheiden und bleibt bei seinen Entscheidungen. Was doppelt gut war, denn er war ja immer nur stundenweise bei uns. Irgendwann ging Stössi zurück zum Stern, Andreas Möller ersetzte Petzold, und ich wurde ‚Stellvertreterin des Chefredakteurs‘. Das ist aus mir bis heute unerfindlichen Gründen was Besseres als ‚stellvertretende Chefredakteurin‘. Irgendwann kam dann das Ende, jeder von uns hatte damit gerechnet: Wir hatten viel Geld ausgegeben und wenig eingenommen.

Nicht jede stellvertretende Chefredakteurin wird zwingend Stellvertreterin des Chefredakteurs.
Na ja, in den letzten Jahren gibt es die Tendenz zur Erfindung von Rollen und Titeln, die ich nicht verstehe. ‚Editor at Large‘ zum Beispiel. Ich glaube, niemand weiß genau, was das ist. Da wird viel Waberndes und Undefiniertes in Hierarchien eingezogen.

Preis einer Branche, in der nach wie vor die Neurose als Kernkompetenz gilt. Wie ging es weiter?
Ich habe als Freie gearbeitet, viel geschrieben, als Textchefin ausgeholfen, Zeitschriften entwickelt: Ich genoss die Narrenfreiheit, projektbezogen als journalistische Handelsreisende zu arbeiten. Der Luxus eines Part Time Lovers, nicht für immer bleiben zu müssen.

Vielen, die aktuell in Zeiten der Digitalisierung um die Sicherheit des Arbeitsplatzes fürchten mögen, haben es schwer, den erotischen Bezug zur Lebenshaltung eines Part Time Lovers herzustellen. Woher nahmen Sie denn so etwas wie innere Sicherheit?
Das Schöne an zu Grabe getragenen Zeitungen ist ja: Es kommt immer die nächste daher.

Was Print angeht, sind Zweifel erlaubt.
Ich halte es mit dem amerikanischen Dichter Robert Frost: „Drei Worte beschreiben alles, was ich über das Leben weiß: Es geht weiter.“ Auch für mich ging es immer irgendwie weiter. 2010 heuerte man mich als stellvertretende Chefredakteurin der Cosmopolitan an: Nach zwei Monaten habe ich gekündigt, es war einfach nicht mein Heft. Ich pendelte zwischen München und Hamburg, arbeitete zwei Wochen im Monat beim SZ-Magazin und betrieb parallel meine merkwürdigen Projekte.

Sie übernahmen den Edeka-Laden Ihres Vaters?
Ich trug zum Beispiel ein Jahr lang das gleiche blaue Kleid und schrieb ein Blog darüber. Das ist doch das Großartige an der Arbeit von Journalisten: sich selbst Themen und Herausforderungen zu suchen. Heute geht das ja wunderbar leicht: Jeder kann für fünf Euro monatlich seine eigene Domain eröffnen, eigener Chefredakteur und Herausgeber sein und beliebig Dinge in den Äther pusten: Das habe ich mit dem kleinen Blauen probiert. Im dem Kleid saß ich dann auch bei „Wer wird Millionär“ vor Günther Jauch. Dann geschah der Glücksfall: Ich gewann nicht die 16.000 oder 32.000 Euro, die ich mir zugetraut hätte, sondern 500.000. Das war trotz der gesunden Viertel-Bildung, die Journalisten haben, keine eigene Leistung, sondern reine Glückssache. Mir darüber klar zu sein, hat mich dankbar und demütig gemacht und dafür gesorgt, dass ich nicht durchdrehe.

Wenn die Jauch-Situation Motor der Entwicklung von Dankbarkeit und Demut war: Hatten Ihnen denn vor Jauch Dankbarkeit und Demut gefehlt?
Ja. Demut fehlt jedem dauernd, glaube ich. Man muss von Zeit zu Zeit dazu genötigt werden.

Eine 500.00-Euro-Nötigung, die Ihr Leben ein wenig veränderte.
Das Geld schien mir wie eine Aufforderung. Die Genehmigung, ein Jahr lang zu reisen. Spätestens, wenn man einen Monat in Mumbai und einen in Addis Abeba gelebt hat, sind einem übrigens die Vokabeln Demut und Dankbarkeit nicht mehr fremd. Ich habe von unterwegs weiter gearbeitet und dadurch genug verdient, dass ich mir die Reise auch ohne Jauch hätte leisten können. Ein ungeheures Aha-Erlebnis für mich, diese Erkenntnis: Das hättest du eigentlich immer schon tun können, den Gewinn hast du gar nicht gebraucht.

Da ist sicher etwas dran. Andererseits kommt die Erkenntnis, wie wenig man Geld letztlich brauche, häufig von jenen, die genug Geld haben.
Stimmt. Aber ebenso stimmt, dass man aus finanziellen Aspekten Ausreden bastelt, um Dinge eben nicht tun zu müssen, die möglich sind.

Ein Jahr durch die Welt zu reisen, bedeutet auch, Sie waren frei von Partnerschaft und Beziehung?
Ja, herrlich: Keine Beziehung, keine Festanstellung. Wann ist man schon mal in einer derart goldenen Konstellation? Die Sterne standen günstig wie nie.

Die Sterne. Aha.
Übrigens eine der Fragen des Telefon-Castings von WWM: Welches Sternbild ist auf der australischen Flagge zu sehen?

Ich wusste gar nicht, dass Australien eine Flagge hat. Was haben Sie denn geantwortet?
Ich habe geraten. Nur das Kreuz des Südens ergab Sinn. Das war es auch. Eine weitere Casting-Frage, bei der man schätzen sollte: Wie alt sind die Kinder von Queen Elisabeth zusammengerechnet?

Ich bin kein Fachmann in Adelsdingen: 267?
Damals 228.

Was haben Sie geantwortet?
220. Man kann es sich ja zusammenrechnen.

Ich nicht. Aber mein Vater war auch kein Edeka-Unternehmer. Sie haben doch sicher während des WWM-Telefon-Castings parallel gegoogelt, oder?
Nein, ich stand an einem Geld-Automaten, der Anruf kam überraschend.

Nach dem Jahr wollten Sie sicher nicht zurück, oder?
Ja und Nein. Es war eine lange Heimreise: Mein Ankommen dauerte noch vier Monate, nachdem ich deutschen Boden betreten hatte. Vielleicht dauert die Heimreise sogar bis heute an. Ich musste mich erst einmal lange eingrooven. In meiner großen Altbau-Wohnung mit Büchern bis zur Decke, mit Klamotten und Schuhen, bei denen ich mich fragte, wer das Zeug je gekauft hatte, fühlte ich mich nicht mehr heimisch. Also kaufte ich eine Ein-Zimmer-Wohnung und zog um.

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Sie haben Bücher geschrieben.
Ja, zunächst „Das große Los“: Ich wollte eigentlich gar kein Buch schreiben, weil ich ja während des Jahres mein Reiseblog hatte. Wozu Totholz bedrucken? Dann dachte ich, ich könnte vielleicht älteren Frauen Mut zum Reisen machen, wenn ich mit Reflexion im Rückblick von meinen Erfahrungen erzähle. Frauen, die denken „Ich kann doch nicht alleine als Frau durch die Welt“ zu sagen: „Doch, kannst du. Die Welt ist zu 99,9% superfreundlich. Trau dich!“ Dass daraus verrückterweise ein Bestseller geworden ist, war ein weiterer Glücksfall. Daraus ergab sich das Angebot des stern für meine Kolumne, aus der Kolumne wurde ein neues Buch-Projekt. Eine seltsame Welle, und ich auf dem Surfbrett obendrauf.

Das Surfen: ein jugendliches Bild. Mit Blick auf bento und andere: Wie gut passen denn aus Ihrer Sicht diese Produkte zu den Bedürfnissen junger Zielgruppen?
Keine Ahnung. Ich gehöre ja nicht zu dieser Zielgruppe. Generell finde ich schwierig, Menschen nur deshalb zu unterschätzen und zu unterfordern, weil sie einer bestimmten Generation angehören.

Wie lange gibt es denn den stern noch?
Das weiß niemand. Er erscheint jeden Donnerstag und wird jede Woche neu gemischt. Gerade solche Hefte haben ja die Chance auf Entwicklung und Veränderung. Das wird eines der wenigen Hefte sein, die ich nicht mit zu Grabe trage.

Weil Sie vor der Zeitschrift sterben werden?
Weil ich aufhöre zu schreiben, bevor die Zeitschrift stirbt.

Ich habe vergessen, wie alt Sie sind.
Ich bin 55.

Wie alt möchten Sie denn noch werden?
95.

Zeitlich läge also mehr hinter Ihnen als vor Ihnen. Was soll denn noch kommen?
Ich weiß es nicht. In den letzten fünf Jahren habe ich so viele unvorhersehbare Lebensentscheidungen getroffen, dass ich mich weigere, nach vorne zu schauen. Ich weigere mich, mich festzulegen und einzuengen. Viele haben komisch geguckt, als ich mir einen Hund zugelegt habe und eine Hütte an der Ostsee mit Garten, obwohl ich doch gefälligst die Rolle der Reisetante zu spielen habe. Um auf Ihre Eingangsfrage zurückzukommen: Wer sind Sie? Ich bin alles zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Ich reise gerne und grabe gerne Krokus-Zwiebeln in den Rasen. ‚Entweder-Oder‘ ist eines der blödesten Prinzipien in der Welt. ‚Sowohl-Als-Auch‘ ist ein Super-Prinzip.

Wenn Sie es selbst entscheiden könnten: Wie möchten Sie denn sterben?
Ganz langweilig: schmerzfrei im Schlaf.

Das passt doch gar nicht zu Ihnen.
Welchen Tod würden Sie mir denn empfehlen?

In der Winnemuth-Logik? Sich innerhalb eines längeren Abschieds-Prozesses auf den Weg zu machen und sich – Sie nennen das Lernen – zu entwickeln. Eine letzte, lange Reise während einer ernsten Krankheit. Mit einem Blog, natürlich.
Ich verstehe die Idee. In der Regel nähert man sich dem Tod an, bewegt sich langsam in seine Richtung. Ich glaube, wenn man nahe genug herangesegelt ist an diesen Leuchtturm, dann wünscht man sich, schnell im Hafen zu sein. Wenn ich mir allerdings meine Projekte anschaue, neige ich in der Tat dazu, jeden Lebensschritt in Blogs oder Kolumnen zu gießen und meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Es könnte also sein, dass Ihr Bild zutrifft. Wer weiß?

 

 

Mehr über den Autor Christopher Lesko: www.leadership-academy.de

 

Meike Winnemuths Bestseller „Das große Los: Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr“ ist u.a. hier bei Amazon erhältlich. Eine Sammlung ihrer Kolumnen gibt es ebenfalls als Buch: „Um es kurz zu machen: Über das unverschämte Glück, auf der Welt zu sein“ kann hier bestellt werden.

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Wenn mich die Interviewte nach dem Lesen mehr interessiert als davor, hat der Autor alles richtig gemacht.

  2. Mich beeindruckt die kluge und hartnäckige Befragung durch C. Lesko weit mehr, als die zum Teil sehr ausweichenden Antworten. Dass er seine Interviewpartnerin letztlich vom Haken gelassen hat bedauere ich zwar, sehe darin aber auch ein Form von Respekt. Letzterer sei Herrn Lesko hiermit klar ausgesprochen. Mehr davon.

  3. Ich habe mich gefreut, Meike Winnemuth im Interview mit Christopher Lesko zu lesen. Erstens weil ich seine Interviews sehr schätze, denn sie sind – wie meine Vorkommentatoren richtig bemerkten – respektvoll und dennoch interessiert – nachbohrend, so dass ich jedes Mal tatsächlich danach Interesse für diese Person hatte. Zweitens aber auch, weil ich für Meike Winnemuth schon immer Interesse hatte, denn sie ist eine Ausnahmeerscheinung in der journalistischen Branche. Ich begegnete ihr zuerst in der Amica, die ich höchstwahrscheinlich nur ihretwegen und der Doppelkolumne mit Praschl abonniert hatte. Total imponiert hatte mir das Ausprobieren der Erotikbranche (mit Körpereinsatz) – ich hatte riesigen Respekt bekommen. Und in der Nach-Amica-Zeit auch das Experiment, ein Jahr lang das gleiche Kleid (in mehreren Exemplaren) zu tragen.

    Das Interview ist sehr lang und das ist gut so, da es einem Schlagabtausch gleicht, es ist ein Ball-zuwerfen, in dem beide Partner dazubeitragen, während Winnemuth der Star bleibt und dennoch nicht nur die polierte Oberfläche zeigt. Man kann aus Winnemuths Biografieabriss nicht „lernen“ wieso sie die Journalistin ist, die sie ist, aber ich vermute jetzt, dass sie so vieles in ihrem Leben gemacht und erlebt hat, dass es gar nicht möglich ist, ein Gesamtbild – auch in dieser Länge nicht – in einem Interview zu haben.

    Vielen Dank an beide
    Chris Kaiser

  4. Ein wunderbares Interview, von dem man sich wünscht, dass es noch seitenweise weiterginge. Ich mag die Kolumnen von Meike Winnemuth sehr, sie sind immer das Erste, das ich im Stern lese. So, wie sie schreibt, antwortet sie hier auch: Witzig, intelligent und sehr unterhaltsam. Intelligent Antworten kann man natürlich kaum auf dumme Fragen geben. Deswegen auch ein großes Lob an Christopher Lesko, dessen kluge Fragen letztlich zu einem sehr unterhaltsamen Gespräch führten.

    Herzliche Grüße
    Kirsten

  5. puh, dieser eitle und laberige Herr Lesko ist mir schön öfter unangenehm aufgefallen. Es ist doch ein Unterschied, ob man mal kurz etwas von sich aufblitzen lässt, das Interesse signalisiert und das Interview vorantreibt oder ob man zehnzeilige verquaste Fragen formuliert. Respekt an Meike Winnemuth, die sicherlich ab und zu irritiert war, aber souverän antwortete

  6. Ein lesenswertes Interview, das ich, die schnell abbricht (verschwendete Zeit und so), bis zum allerletzten Satz gerne gelesen habe.

  7. Hat Spaß gemacht!

    Ein lesenswertes, kurzweiliges und unterhaltsames Interview, das eine Freundin mir wegen Meike Winnemuth hat zukommen lassen.

    Mindest genauso interessant wie die Antworten, waren die Fragen und das Dranbleiben und immer wieder Nachhaken des Herrn Lesko.

    Ab sofort freue ich mich über weitere Interviews von jemandem, der Mut hat und nicht nur an der Oberfläche kratzt, dennoch so viel Respekt vor seinem Gegenüber hat, dass er weiß, wann er aufhört nachzubohren.

    Danke.

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