Vorschau TV-Neustarts: Serien, die uns 2016 bewegen werden

Auch 2016 wird ein Jahr der Serien: Neue Formate stehen bei Sendern wie bei Netflix & Co. ebenso auf dem Programm wie neue Staffeln
Auch 2016 wird ein Jahr der Serien: Neue Formate stehen bei Sendern wie bei Netflix & Co. ebenso auf dem Programm wie neue Staffeln

2015 wurde die Fernsehlandschaft kräftig umgekrempelt: Im TV erreichten Player wie Netflix und Amazon mit ihren Top-Serien erstmals auch in Deutschland ein breiteres Publikum. Gleichzeitig hatte das ehrgeizige Serien-Projekt "Deutschland 83" von RTL nicht den gewünschten Erfolgt. MEEDIA bringt die Neustarts im Überblick: Was erwartet uns 2016, welche Chancen haben die einzelnen Formate?

Anzeige

Von Thomas Weiß

In den USA sorgt gerade eine Studie für Aufsehen, die unter dem Stichwort „Peak TV“ zunächst festhielt, dass im Jahr 2015 in den USA sagenhafte 409 fiktionale Serien auf den Markt kamen – neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig prognostizierte die Studie einen Rückgang des Trends für 2016. In jedem Fall: Das Serien-Universum ist heute gigantisch und 2016 erwarten uns wieder viele Highlights – produziert von alten (BBC), erwachsenen (FX) und blutjungen (Netflix) Playern im Business. Hier sind acht, die besonders für Diskussionen sorgen werden.

„Akte X“

US-Start 24.1.2016. Dt. Start noch offen

Worum geht’s?

Zwischen 1993 und 2002 entstanden neun Staffeln des TV-Hits, der das Serien-Genre Mystery begründete. Zwei FBI-Agenten kümmern sich um die „X Files“, Geheimakten mysteriöser Vorkommnisse (in der deutschen Übersetzung dampfte man das auf eine „Akte X“ ein). Folge um Folge wird ein Netzwerk von Verschwörungen aufgedeckt. Die sechs brandneuen Episoden lassen nun viele alte Stars wieder auftreten, neben den zwei Hauptfiguren auch CIA-Chef Skinner und den ominösen rauchenden Mann.

Was muss ich wissen?

Hauptdarsteller David Duchovny hatte inzwischen Erfolg in Serien wie „Californication“ und „Aquarius“ und auch Gillian Aderson brilierte durch eine exzellente Rolle in der BBC-Serie „The Fall“. Nur „Akte X“-Erfinder Chris Carter konnte nicht mehr so ganz an den Erfolg der Serie anknüpfen. Jetzt führt er Regie bei den ersten drei Folgen der sechsteiligen TV-Fortsetzung. Die Original-Serie war der Start von vielen TV-Karrieren bei den Drehbuchautoren, etwa von Vince Gilligan („Breaking Bad“) und Alex Gansa („Homeland“).

MEEDIA-Prognose:

Der Trailer ist vielversprechend, US-Kritiker der Serie des US-Senders FOX waren jedoch mäßig begeistert. Aber: Die Wahrheit ist da draußen und vielleicht bringen die neuen Folgen sie doch ans Licht. Wie Mulder im Trailer sagt: „Sie beobachten uns, spionieren uns aus und sagen uns, das würde uns sicherer machen. Wir waren noch niemals in größerer Gefahr.“

„Babylon Berlin“

Dt. Start: noch offen.

Worum geht’s?

Die Verfilmung des Bestsellers von Volker Kutscher zeigt die Ermittlungen von Kommissar Gereon Rath in der Weimarer Republik – „zwischen Drogen und Politik, Mord und Kunst, Emanzipation und Extremismus“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Was muss ich wissen?

Ein Dreh, der Berlin in diesem Jahr beschäftigen wird. Ab Mai 2016 wird – nach langem Hin und Her – endlich losgelegt, im Studio Babelsberg entsteht extra eine „Neue Berliner Straße“ mit vier Straßenzügen für zwölf Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro Förderung gibt’s schon mal vom Medienboard Berlin-Brandenburg, weitere Millionen kommen von der ARD und Sky. Über zwei Millionen dürfte eine Folge kosten. Nach „Homeland“ kann sich Studio Babelsberg jetzt also über ein neues Spektakel freuen – bevor hier auch die US-Thrillerserie „Berlin Station“ gedreht wird. Skurril an „Babylon Berlin“: Die ARD und Sky Deutschland sind Koproduzenten. Beide werden also die Folgen zeigen.

MEEDIA-Prognose:

Entwickler der Serie ist Tom Tykwer. Der liefert meist coolen Stoff ab („Lola rennt“, „The International“, „Das Parfum“), manchmal aber auch verkopften Murks („Cloud Atlas“, „Der Krieger und die Kaiserin“). WDR-Intendant Tom Buhrow mäkelte 2015, die Finanzierung sei wackelig. Trotzdem: Wir tendieren zu großer Vorfreude – auch wenn’s wohl bis 2017 dauert, bis wir die erste Folge sehen können.

„Vinyl“

Dt. Start: 14.2.2016, Sky

Worum geht’s?

Ein Musikproduzent im New York der 70er tut alles dafür, seine Karriere voranzutreiben und setzt dabei auf einige der schrägsten und erfolgreichsten Musiker der Zeit. Sex und Drogen gehören zum Standardrepertoire.

Was muss ich wissen?

Terence Winter ist der Showrunner der HBO-Serie. Er war verantwortlich für den TV-Hit „Boardwalk Empire“ und schrieb das Skript zum Kinoerfolg „The Wolf of Wall Street“ (Oscarnominierung als Autor). Martin Scorsese führt Regie bei der ersten Folge in Spielfilmlänge. 10 Episoden gibt es insgesamt. Mick Jagger ist einer der Produzenten.

MEEDIA-Prognose:

Der Trailer wirkt etwas aufgesetzt, aber der Mix an Kreativen lässt exzellente Unterhaltung mit Anspruch erwarten.

„Game of Thrones – 6. Staffel“

Dt. Start: April 2016, Sky

Worum geht’s?

Für Nicht-Kenner der Serie: Das HBO-Fantasy-Epos wird in der neuen Staffel einen hochwertig inszenierten Mix aus starken Figuren, Gewalt & Sex sowie politischen Intrigenspielen zeigen. Für Fans: In den sieben Königreichen von Westeros wird noch immer um den Königsthron gekämpft. Daenerys Targaryen, die Thronanwärterin aus dem Osten, wurde gefangen genommen und ringt um ihre Macht. Dazu werden dem spektakulären Tod einer Hauptfigur in Staffel 5 die Karten neu verteilt, während die Weißen Wanderer mit ihrer Armee von Wiedergängern vor der Schutzmauer von Westeros stehen. Und der in Staffel 5 schmerzlich vermisste Bran Stark tritt wieder auf – mit neuem Haarschnitt.

Was muss ich wissen?

In den USA ist die Serie aktuell der Hauptgrund, sich ein teures HBO-Abo zu leisten. In Deutschland ist sie wieder zuerst bei Sky zu sehen (zunächst im Original bei Sky on demand, dann auch in deutscher Version linear auf dem Sender Sky Atlantic). Keine Serie pusht lineares Erzählen so weit wie diese: Wer eine Folge „Game of Thrones“ verpasst hat, verliert den roten Faden, zu stringent wird die Geschichte erzählt. Trotzdem, DVD-Boxen und Video-on-Demand-Anbieter haben es geschafft: Die Zuschauerzahlen steigen, Neueinsteiger gucken sich erst per Binge-Watching die alten Folgen bei Sky Online oder Amazon Video an, dann steigen sie bei den aktuellen Episoden ein. Gedreht wurde in Nordirland und Spanien, Kroatien (Drehort für Königsmund) ging diesmal leer aus.

MEEDIA-Prognose:

Der Erfolg geht weiter, das hohe Niveau wird gehalten, die HBO-Maschine läuft. Einziger Wermutstropfen für Fans: George R. R. Martin, der Autor der Buchvorlage, kommt mit dem Schreiben seiner Romane nicht hinterher, und so ist Staffel 6 die erste, für die noch keine Buchvorlage existiert.

„House of Cards – 4. Staffel“

Dt. Start 4.4.2016, Sky

Worum geht’s?

US-Präsident Frank Underwood (Kevin Spacey) ist mit brutalen Mitteln an die Macht gekommen. In zwei Staffeln der Netflix-Erfolgsserie kämpfte er sich hoch, in Staffel drei sah er sich politischen und privaten Krisen gegenüber. Besonders die Beziehung zu seiner ebenso machthungrigen Frau Claire (Robin Wright) ist nun in Staffel 4 in Gefahr.

Was muss ich wissen?

Die erste selbstproduzierte Serie von Netflix war ein sofortiger Erfolg und sorgte für den derzeitigen Run auf Serienstoff in den USA. Anders als bei normalen TV-Produktionen orderte Netflix gleich zwei Staffeln ohne eine Pilotfolge gesehen zu haben. Sowohl Ex-Präsident Clinton („99 Prozent von ‚House of Cards‘ stimmen mit der Realität überein. Aber es ist unmöglich dermaßen schnell ein Bildungsgesetz zu verabschieden.“) als auch Präsident Obama gehören zu Fans der Serien. Bislang konnte Netflix den Erfolg nicht mit einer anderen Serie weltweit in diesem Maße wiederholen.

MEEDIA-Prognose:

Staffel drei gilt als bislang schwächste. Wer jedoch die aktuelle amerikanische Serienproduktion auf dem Höhepunkt ihres Schaffens sehen will, ist bei „House of Cards“ sicher am besten aufgehoben: Top-Kino-Schauspieler, exzellente Ausstattung und Drehbücher, dichter Staffelaufbau. Hier stimmt alles. In den USA startet die 4. Staffel am 4. März, in Deutschland ist sie aufgrund alter Verträge zunächst bei Sky zu sehen.

„Marseille“

Weltweiter Netflix-Start in 2016

Worum geht’s?

Acht Folgen lang dreht sich in der Netflix-Serie alles um Macht, Sex, Gewalt und Intrigen in der französischen Stadt. Im Mittelpunkt stehen der Bürgermeister von Marseille (Gerard Depardieu) und sein Widersacher.

Was muss ich wissen?

800.000 Euro lässt sich Netflix nach Berichten der französischen Presse jede Folge kosten. Den Filmemachern ließ die US-Firma freie Hand, solange nur französischer Flair und Politik im Mittelpunkt stehen würden. „Marseille“ ist die erste Netflix-Originalserie, die vollständig in Frankreich produziert wurde, ein echtes Experiment für die US-Firma mit globalen Ausdehnungsplänen. Aus Ärger über seine Besteuerung in Frankreich hat sich Hauptdarsteller Gérard Depardieu einen russischen Pass zugelegt – und ist übrigens bald auch als Josef Stalin in einem Kinofilm zu sehen.

MEEDIA-Prognose:

Frankreich ist einer von Europas vitalsten TV- und Filmmärkte – mit Produktionen, die auch im Ausland oft Erfolge feiern können. Das passt zur Netflix-Strategie, zwar auch lokal Serien zu produzieren, aber nur, wenn deren Storyline und Stil weltweit vermarktbar sind. Der Erfolg von „House of Cards“ hat sicher geholfen, die letzten Hürden für eine Produktion beiseite zu räumen, die sich um politische Korruption dreht. Könnte klasse werden!

„Sherlock: Die abscheuliche Braut“

Dt. Ausstrahlung: voraussichtlich an Ostern, Das Erste

Worum geht’s?

Die Spezialepisode der erfolgreichen BBC-Reihe spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Statt des modernen Stils der bisherigen Folgen (eingeblendete SMS, Jump Cuts, Makro-Zooms auf Beweisstücke etc.) ist jetzt ein historischer Ansatz gefragt. Watson, gerade als Armeedoktor zurück aus dem zweiten Afghanistan-Krieg, wird Holmes in einem Leichenschauhaus vorgestellt. Auch Sherlocks Bruder Mycroft (gespielt von Mark Gatiss, dem Schöpfer der Reihe) kommt wieder vor, als dicklicher Lebemann. Alles dreht sich um die titelgebende Braut – und am Ende auch mal wieder um Sherlocks Erzfeind.

Was muss ich wissen?

Das Erste zeigte schon die bisherigen drei Staffeln des weltweiten TV-Hits und bot damit eine willkommene Abwechslung im Krimi-Alltagsbrei des deutschen Fernsehens. In den USA war die Sonderfolge an Neujahr zu sehen und sorgte für positive Kritikerstimmen. Zwei Jahre sind seit der letzten Folge vergangen, kein Wunder, sowohl Benedict Cumberbatch als auch Martin Freeman („Hobbit“, Serie „Fargo“) sind inzwischen vielbeschäftigte Stars, Cumberbatch hat eine treue, ihm sklavisch ergebene weibliche Anhängerschaft, die sogenannten „Cumberbitches“.

MEEDIA-Prognose:

Spannend und skurril wie immer, auf die eingespielten Schauspieler und Macher ist Verlass. Leider nur gibt’s weitere neuen Folgen erst 2017!

„The People V. O.J. Simpson“

US-TV-Start: 2.2.2016. Dt. Start: noch offen.

Worum geht’s?

10teilige Serie über den Strafprozess 1994 und 1995 gegen den Ex-Football-Star O.J. Simpson, der beschuldigt wurde, seine frühere Ehefrau und einen Kellner ermordet zu haben. Der achtmonatige Prozess wurde live im US-TV übertragen und sorgte für weltweiter Aufmerksamkeit.

Was muss ich wissen?

TV-Journalisten in den USA bekamen 2015 ein frühes Weihnachtsgeschenk. Am 17. Dezember erhielten sie DVDs oder Streaming-Links für die ersten sechs Folgen der High-End-Serie des US-Pay-TV-Senders FX.

Der ist bekannt für seine höchst unterhaltsamen und oft auch durchaus anspruchsvollen Hochglanz-Serien wie „American Horror Story“ und „Fargo“.

Auch hier hat er sich nicht lumpen lassen: Cuba Gooding Jr. als OJ! John Travolta als Star-Verteidiger Robert Shapiro, David Schwimmer („Friends“) als Verteidiger Robert Kardashian! Spannend wird natürlich auch, wie die Kinder von Simpsons Kumpel Kardashian dargestellt werden – damals alle minderjährig. Heute sind Kim, Khloe und Kardashians Ex Kris gefeierte TV-Stars durch die Reality-Soap „Keeping up with the Kardashians“.

MEEDIA-Prognose:

Das wird ein heißes Ding! Die US-Journalisten waren begeistert. Slogan des Senders zur Serie: „Du weißt nicht mal die Hälfte der Wahrheit!“

Über den Autor:
Thomas Weiß ist Journalist und Consultant für NewTV. Er arbeitete 10 Jahre in der Chefredaktion führender TV-Zeitschriften und ist Experte für Video-on-Demand, SmartTV, Streaming und NewTV-Content. Auf seinem youtube-Kanal tvcheck.info bespricht er neue Serien bei Netflix, Amazon Video & Co. Twitter: https://twitter.com/TVCHECKinfo

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Martin Freeman spielt bei „Sherlock“ mit, nicht Morgan Freeman. Außerdem sollte man wohl darauf hinweisen, dass die Folge an Neujahr neben den USA auch im Ursprungsland (!) Großbritannien lief.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige