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„Einsatzlage gestaltete sich entspannt“: Der unglaubliche Pressebericht der Kölner Polizei zur Silvesternacht

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers und der Pressebericht vom Neujahrstag

In der Silvesternacht kam es in Köln massenhaft zu Übergriffen und Diebstählen: Die Rede ist von über 1.000 Männern, die Frauen gezielt sexuell belästigten. Justizminister Heiko Maas spricht von einer „neuen Dimension organisierter Kriminalität.“. Der Bericht der Polizei Köln am Neujahrstag klingt noch anders: Die Beamten sprechen da unbegreiflicherweise von „weitgehend friedlichen“ Feiern.

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Bis zum vergangenen Montag berichteten die überregionalen Medien wie Spiegel Online oder Bild nicht über die Geschehnisse in Köln in der Nacht zum 01.01.2016. Regionale Medien wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichteten – allerdings noch unvollständig – schon am Neujahrstag von den Übergriffen. Die „Tagesschau“ berichtete beispielsweise erst vier Tage später über den Vorfall – nachdem die Gewerkschaft der Polizei eine Pressekonferenz abhielt und von einem „unerträglichen Zustand“ sprach. Die stark alkoholisierten Täter „aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ seien „völlig enthemmt gewaltvoll“ vorgegangen.

In einem ersten Bericht am Freitagmorgen schlug die Polizei Köln allerdings noch vollkommen andere Töne an und erklärte, die meisten Silvesterfeierlichkeiten auf den Rheinbrücken, in der Kölner Innenstadt und in Leverkusen seien „friedlich“ verlaufen. Von sexuellen Übergriffen findet sich in der Pressemitteilung kein Wort. Der Bahnhofsvorplatz habe zwar im „Bereich des Treppenaufgangs zum Dom durch Uniformierte geräumt“ werden müssen. Dies habe jedoch das Ziel gehabt, eine „Massenpanik durch Zünden von pyrotechnischer Munition bei den circa 1.000 Feiernden zu verhindern“.

„Die Einsatzlage gestaltete sich entspannt.“ Der Polizeibericht aus Köln vom Neujahrsmorgen.

Posted by tagesschau on Dienstag, 5. Januar 2016

Update am 5. Januar 2016, 16.55 Uhr
Auf einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag Polizeipräsident Wolfgang Albers den ersten Bericht der Polizei am Freitagmorgen. „Die erste Auskunft war falsch“, so Albers. Außerdem betonte er, dass es keine 1000 Täter gebe: „Es gibt eine Gruppe von etwa tausend Menschen, aus der heraus Straftaten begangen wurden.“ Die Tatsache, dass 90 Strafanzeigen vorlägen, bedeute nicht automatisch, dass es auch 90 Täter gebe.“

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