Konkurrenz von Netflix & Co.: Börsenkurse der US-Fernsehsender 2015 unter Druck

Non-lineare TV-Anbieter heizen den großen Fernsehsendern mächtig ein – die Börse ließ das die US-Riesen 2015 deutlich spüren
Non-lineare TV-Anbieter heizen den großen Fernsehsendern mächtig ein – die Börse ließ das die US-Riesen 2015 deutlich spüren

Fernsehen Selten ging die Schere zwischen alter und neuer Wirtschaft so auseinander wie in der Börsenperformance 2015. Den Paradigmenwechsel bekamen vor allem die etablierten Player der US-Fernsehlandschaft zu spüren: Die Zukunft gehört Streaming-Anbietern wie Netflix und Amazon – den US-Kabelgesellschaften droht das Geschäft wegzubrechen.

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Alles oder nichts: Auf diese Formel lässt sich die Logik der Aktienmärkte am Ende bringen. Entsprechend verlief die Aktienentwicklung: Nur Disney konnte 2015 moderate Kursgewinne verbuchen –  Time Warner, CBS, Viacom und 21st Century Fox verloren zweistellig.  Alles, was zählt, ist Wachstum – erst recht, wenn sich in einer Industrie ein Paradigmenwechsel abzeichnet. Innovatoren werden in der Frühphase des Trendwechsels von Investoren mit großzügigen Kursaufschlägen bedacht, obwohl sie erst einen Bruchteil der Erlöse wie die der etablierten Player erzielen, die jedoch vom Markt schnell fallen gelassen werden wie eine heiße Kartoffel, wenn ihnen die passende Antwort fehlt.

So exemplarisch wie in kaum einer anderen Industrie war der Paradigmenwechsel 2015 in der US-Fernsehlandschaft zu besichtigen: Die neuen Streaming-Giganten Netflix und Amazon, die mit ihrem ständig verfügbaren Film-Archiv und immer mehr Eigenproduktionen den Wettbewerb um die besten Serien kräftig aufmischen und sogar schon Emmy-Auszeichnungen abräumen, legten an der Börse so stark zu wie keine anderen Internetaktien. Die Zeche zahlen die klassischen Kabelgesellschaften, denen die Kunden wegzulaufen drohen:

5. Viacom: – 45 %

Wenn man nach einem Paradebeispiel für den Niedergang der US-Fernsehindustrie an der Börse sucht, dann verkörpert ihn ausgerechnet Branchenpionier Viacom, dessen Aktien in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Minus von 45 Prozent regelrecht pulverisiert wurden. TV-Urgestein Sumner Redstone, mit 92 immer noch Aufsichtsratschef, kann den Absturz fundamental  nicht erklären.

„Viacom produziert immer noch mit die überzeugendsten und unterhaltsamsten Inhalte der Welt“, erklärte Redstome am Rande der jüngsten Quartalsbilanz. Tatsächlich verdient Viacom Summen, von denen Netflix aktuell nur träumen kann: 1,92 Milliarden Dollar blieben unter dem Strich in den ersten neun Monaten des Jahres bei Umsätzen von 13,27 Milliarden hängen. Nur die Entwicklung stimmt eben nicht: Erlöse und Erträge der MTV-Mutter schrumpfen.

4. 21st Century Fox: – 25 % 

Das Problem kennt ein anderer Medientycoon: Auch Rupert Murdochs Filetstück 21st Century Fox, das inzwischen von seinem Sohn James geführt wird, hat ebenfalls ein Jahr im Rückwärtsgang verbucht. Bei der jüngsten  Quartalsbilanz musste die 2013 abgespaltene Film- und Fernsehtochter einen Rückgang der Erlöse von 6 Prozent und ein Nachgeben der Nettogewinne um 2 Prozent ausweisen. Anleger bestraften den Schrumpfkurs mit Abschlägen von 25 Prozent.

3. Time Warner:  – 24 %

Praktisch synchron entwickelte sich die Börsenperformance vom großen Gegenspieler Time Warner, der allerdings zuletzt eine bessere Geschäftsentwicklung präsentieren konnte:  Die Umsätze zogen in den ersten neun Monaten des Jahres um 6 Prozent an, während die operativen Gewinne sogar um 19 Prozent im Plus liegen. Einen zukunftsweisenden Schritt wagte Time Warner bereits im Frühjahr mit HBO: Die Pay TV-Tochter (Game of Thrones) wurde aus dem Kabelverbund herausgelöst und streamt auf Apples Set Top Box Apple TV.

2. CBS: – 15 %

Gemischte Ergebnisse präsentierte zuletzt ein anderer amerikanischer Traditionssender: CBS, 2006 aus Viacom herausgelöst, musste in den ersten neun Monaten wie der Schwesterkonzern marginal sinkende Umsätze und Nettogewinne ausweisen. Die Folge: Die Aktie büßte in diesem Jahr 15 Prozent an Wert ein. Im Weihnachtsquartal kann sich die CBS Corporation allerdings auf den Rückwind zweier bewährter Serien-Hits der Kabel-Fernsehtochter Showtime verlassen: Sowohl die neue Staffel von Homeland, die in Berlin spielt, als auch The Affair überzeugten ebenso bei den Quoten wie auch Kritikern.

1. Disney: + 14 %

Dass im großen Drama-Jahr für Hollywoods Hochglanz-Studios mit Film- und Fernsehaktien dennoch Geld zu verdienen war, bewies unterdessen der Branchenprimus. Dow Jones-Mitglied Walt Disney legte bis Jahresende um immerhin 14 Prozent zu – nicht zuletzt, weil die Geschäfte weiter boomen. In den ersten neun Monaten des Jahres zogen die Erlöse um 7 Prozent und die Nettogewinne um 12 Prozent an. Im Weihnachtsgeschäft könnte es noch besser kommen: dank der wiedererwachten Kraft von Star Wars.

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