„Erpresserische Geschäftemacher“: Scharfe Kritik von Verlegern an Adblocker-Anbietern

VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer
VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat das Geschäftsmodell sogenannter Adblocker für Internetseiten scharf angegriffen. Solche Programme blenden Werbung auf Internetseiten aus. "Adblock-Anbieter sind erpresserische Geschäftemacher, die unter dem Deckmäntelchen des Verbraucherschutzes auf dem Rücken der Inhalteanbieter Profit machen", sagte VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer der Deutschen-Presse-Agentur.

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„Sie liegen damit im Trend. Seit Jahren werden die Urheberrechte geschwächt, Content soll frei und umsonst und in bester Qualität verfügbar sein.“

Das Geschäft der Adblock-Anbieter mache es Verlagen schwer, mit Presse-Angeboten im Netz Geld zu erlösen, kritisierte Scherzer. „Sie nehmen durch Ausfiltern der Werbung den Publikationen jede Chance, die journalistischen Inhalte durch Werbung zu finanzieren.“

Die Verleger wollten sich jedoch nicht darauf beschränken, diese Modelle vor Gericht zu bekämpfen. „Neben juristischen Schritten wird vor allem Zeit und Geld in die Information der User, technische Lösungen und in neue Werbeformate investiert“, erläuterte Scherzer. Der VDZ vertritt 450 Verlage in Deutschland mit 3000 Titeln.

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Alle Kommentare

  1. Da muß man sich doch fragen, wie dreist ist denn dieser Herr Stephan Scherzer.
    Wenn ich eine Seite aufrufe, dann will ich das dortige Angebot, eine Information, einen Text, ein Video oder wie auch immer sehen. Da interessieren mich keine Werbungen irgendwelcher Art für Stellenvermittlungen, Partnervermittlungen, Handtaschen, Videospiele usw. Dieses Zeug ist lästig, zumal es oft so angelegt ist, daß es quasi diese Seite Sperrt und man suchen muß, wo denn nun das Kreuzchen ist, um den Mist los zu werden.
    Was interessieren mich die Dividenden der Aktionäre von irgendwelchen Online-Blättern (Zeitungen möchte ich diese aus sachlichen Gründen nicht nennen). Das Gejammer des Herrn Scherzer hat ja letztendlich damit zu tun, daß der User die Seite eines Anbieters anklickt und der Werbeblocker die Werbung aber nicht zuläßt.
    Da fragt man sich doch, wie merkt der Seitenanbieter das, daß beim Seitenaufbau die Werbung draußen bleibt. Hat der Server des Seitenanbieters Zugriff auf den Computer?
    Die nächste Frage ist doch, was versprechen sich zum Beispiel die Blödzeitung-en davon, daß sie ihre Seite sperren, wenn ein Blocker aktiviert ist?
    Das was da eventuell an Interessantem angeboten wird, bieten auch andere an, die nicht diesen Zirkus veranstalten. Also dieser Schuß geht ins eigene Knie.
    Ich bin heilfroh, daß es diese Blocker gibt.

  2. Entweder ist Herr Scherzer schlecht informiert, oder er verbreitet ganz bewusst Falschinformationen (und dpa & Co übernehmen das offenkundig völlig ahnungslos).

    Ich nutze AdBlockPlus, wohl den am stärksten verbreiteten Ad-Blocker. Da gibt es FÜR JEDEN NUTZER diverse INDIVIDUELLE Einstellmöglichkeiten: vom pauschalen „überall deaktivieren“ (heißt: jede Werbung wird angezeigt) bis zur Möglichkeit, gezielt bestimmte Werbe-Server zuzulassen oder zu sperren. Der Hersteller gibt also dem Nutzer ein Werkzeug in die Hand. Das damit verbundene Geschäftsmodell, sich für die Bewertung von vorausgewählten „acceptable ads“ bezahlen zu lassen, funktioniert nur, weil ein großer Teil der User halt zu bequem oder zu doof ist, sich mit diesen Einstellmöglichkeiten zu befassen.

    Wenn aber Werbung derart unverschämt und aufdringlich gemacht wird wie bei einem Teil der Branche (Pop-up-Gewitter, Blink-Orgien, Flash-Animationen, die Inhalte total blockieren), dürfen sich die Absender nicht wundern, wenn Nutzer sie blocken. Der Umstand, dass Werbeserver auch schon von Dritten gekapert und zum Einschleusen von Schadcode genutzt wurden, sei hier nur nebenbei erwähnt.

    Also: Denkt mal über Eure Werbeformen nach; macht es so, dass man damit leben kann. Lasst Euch zertifizieren nach definierten und öffentlich verständlich kommunizierten Standards. Dann bin ich bereit, das auch zu akzeptieren – und vielleicht sogar draufzuklicken.

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