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US-Internetaktien 2015: Das Jahr der Superlative von Alphabet, Amazon und Facebook

Höher, wertvoller, reicher:  Das Internet-Trio Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Sergey Brin
Höher, wertvoller, reicher: Das Internet-Trio Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Sergey Brin

Was für eine Demonstration der Stärke: Dass Internet-Unternehmen die Zukunft gehört, ist seit Jahren ein offenes Geheimnis – 2015 übernahmen die großen Drei des Webs die Gegenwart. Google-Mutter Alphabet, Facebook und vor allem E-Commerce-Pionier Amazon verbuchten gigantische Geschäftsjahre und bescherten ihren Anteilseignern üppige Kurszuwächse. Gleichzeitig zählt das Web-Trio nun zu den zehn wertvollsten Konzerne der Welt. Die dicksten Kursgewinne im Internet-Sektor verbuchte indes ein Streaming-Anbieter.

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5. Facebook: + 37 %

Wenn eine satte Kurssteigerung von 37 Prozent nur zum fünften Platz unter den hoch kapitalisierten Internetwerten in den USA reicht, sagt das einiges über das Börsenjahr in der Internet-Branche aus. 2015 war ein Jahr der Superlative für die Stars der Dot.com-Branche, die nun nicht nur auf den Titelseiten der Hochglanzmagazine und in den Nutzungsgewohnheiten der Millennials die Welt beherrschen – sondern ganz real in Dollar und Cent.

So etwa Facebook: Das Social Network zählt im nur elften Jahr seines Bestehens endgültig zu den Pfeilern der Weltwirtschaft. Auf 107 Dollar ist die Aktie inzwischen geschossen – und Facebook damit schon sensationelle 303 Milliarden Dollar wert. Das Social Network ist damit bereits das siebtwertvollste Unternehmen des Planeten.

Befeuert hat den Gipfelsturm eine weiterhin beeindruckende Geschäftsentwicklung: Im jüngsten Geschäftsquartal verdiente Facebook bei Umsätzen von 4,5 Milliarden Dollar immerhin schon 896 Millionen Dollar. Das entspricht einem Umsatzanstieg von immerhin 41 Prozent.

Auch im elften Jahr boomt das mit Abstand weltgrößte soziale Netzwerk weiter: Konzernchef Mark Zuckerberg konnte sich per Ende September weltweit bereits über 1,55 Milliarden Nutzer freuen, die wenigstens einmal im Monat aktiv waren. Einen anderen Meilenstein knackte Facebook auf Basis der täglichen Nutzung: Im dritten Quartal loggten sich erstmals über eine Milliarde Nutzer täglich ein.

Große Hoffnungen hegen Anleger in den kommenden Jahren von den zugekauften Töchtern: dem Messenger-Dienst WhatsApp, der jeden Moment die erste Milliarde Nutzer vermeldeten könnte, und vor allem dem boomenden Foto-Netzwerk Instagram, das kurz vor dem Durchbruch durch die 500-Millionen-Mitglieder-Schwelle steht.

Deutschen Instagram-Nutzern dürfte seit Herbst aufgefallen sein, dass Facebook den Schalter umgelegt hat: Immer mehr Werbebilder sind im Feed zu finden. Für Konzernchef Mark Zuckerberg bedeutet das: Die nächste Milliarden-Erlösquelle scheint erschlossen.

4. Expedia: + 49 %

Es blieb auch in diesem Jahr dabei: Die Reisebuchung im Internet boomt ohne Ende. Davon profitierte nicht nur Branchenprimus Priceline, der mit einem Börsenwert von über 64 Milliarden Dollar weitgehend unbeachtet noch vor Yahoo, eBay und Paypal  zu den zehn wertvollsten Internetkonzernen der Welt zählt, sondern auch der kleinere Herausforderer Expedia.

Die frühere Microsoft-Tochter, die schon in den Jahren 2009, 2010, 2012 und 2014 mit rasanten Kurszuwächsen für Furore gesorgt hatte, zog auch in den vergangenen zwölf Monaten auf neue Allzeithochs ab.

Die Umsätze und Vorsteuergewinne des von CEO Dara Khosrowshahi geführten Online-Pioniers legten im jüngsten Quartal weiter zweistellig zu. Aktionäre goutierten die dynamische Geschäftsentwicklung mit Kursaufschlägen von 49 Prozent seit Januar, während die Anteilsscheine von Platzhirsch Priceline 2015 nur um 14 Prozent zulegten.

Für maßgeblichen Auftrieb sorgten zuletzt weiterhin positive Analystenkommentare und 2015 gleich drei Übernahmen: Die Konkurrenten Travelocity (280 Millionen Dollar), Orbitz Worldwide (1,3 Milliarden Dollar) und der US-Ferienwohnungsvermarkter HomeAway (3,9 Milliarden Dollar) wurden von Expedia in den vergangenen zwölf Monaten geschluckt, um gegen Priceline (Booking.com, OpenTable), das es auf einen viermal so großen Börsenwert bringt, weiter bestehen zu können.

3. Alphabet: + 50 %

Das Gesetz der großen Zahlen – es wird an der Börse immer mal wieder außer Kraft gesetzt. Kurszuwächse von satten 50 Prozent: Das traut man einem Börsenneuling oder Nebenwert zu – aber dem zweitwertvollsten Konzern der Welt? Google unterstrich 2015 einmal mehr eindrucksvoll, dass der Internet-Pionier ein ganz und gar ungewöhnliches Unternehmen ist. Vor allem eines, das seinen Namen und seine Firmenstruktur grundlegend verändert hat.

17 Jahre nach Erfindung der Suchmaschine, die die Geschichte des Internets und beginnenden 21. Jahrhunderts für immer verändern sollte, sind Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page offenkundig der Reduzierung auf das Such-Business  müde geworden, obwohl das hoch profitable Geschäft mit der Werbevermarktung von schlagwortbasierten Anzeigen natürlich immer noch den Löwenanteil der Geschäftsentwicklung ausmacht.

Die Folge:  Wie im August angekündigt, heißt der wertvollste Internetkonzern der Welt inzwischen nicht mehr Google Inc., sondern nun Alphabet! Die Suchmaschine behält ihren Namen weiter bei und bekam gleichzeitig mit Android-Chef Sundar Pichai einen neuen CEO. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin führen unterdessen die neue Holding, die alle Unterfirmen bündelt, als Vorstandschef und Präsident.

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Die Wall Street reagierte auf die großen Neuigkeiten, vor allem aber auf den robusten Geschäftsverlauf, der in den vergangenen zwei Quartalen zu regelrechten Kursexplosionen führte, hocherfreut. Alphabet setzte im jüngsten Quartal bereits 18,67 Milliarden Dollar um und verdiente fast 4 Milliarden Dollar.

Lohn der Wachstumsdynamik: Der Börsenwert explodierte förmlich von 360 auf 540 Milliarden Dollar. Damit ist Alphabet nicht nur mit Abstand der wertvollste Internetkonzern, sondern als Nummer zwei der Börsenwelt sogar schon auf Schlagdistanz zum taumelnden Platzhirsch Apple, der 2015 trotz Rekordgewinnen an der Wall Street enttäuschte und Anlegern erstmals seit 2008 wieder Kursverluste bescheren könnte. Ganze 11 Prozent trennen Alphabet noch von Apple – die Wachablösung auf dem Börsenthron könnte 2016 bevorstehen.

2. Amazon: + 124 %

Noch spektakulärer fielen indes die Kurszuwächse bei einem Internet-Rivalen von Alphabet aus: Amazon-Aktien legten 2015 nicht einfach zu – sie explodierten förmlich. Um unglaubliche 124 Prozent zogen die Anteilsscheine des E-Commerce-Pioniers 2015 davon und verhalfen Amazon dabei zu einer Wertsteigerung in Dimensionen von Alphabet: um 180 Milliarden Dollar ist der weltgrößte Internet-Einzelhändler nach zwölf Monaten wertvoller.

Bei 325 Milliarden Dollar lag Amazons Börsenwert gestern: Jeff Bezos‘ 21 Jahre altes Internet-Unternehmen, das 1994 seine Geschäftstätigkeit als Buchversender aufnahm, ist damit inzwischen bereits der sechstwertvollste Konzern des Planeten und auf dem besten Weg, die Nummer vier und fünf, Öl-Multi Exxon Mobil und Warren Buffetts Beteiligungskonglomerat Berkshire Hathaway auch noch zu überholen – ein Plus von nicht mal einem Prozent fehlt dazu.

Auslöser der Kursexplosion ist eine der großen Entdeckungen des Börsenjahres 2015: Amazon kann tatsächlich auch Geld verdienen!  Über zwei Jahrzehnte hat der frühere Informatiker Jeff Bezos, der sich seine ersten Sporen im computerwissenschaftlichen Bereich bei Bankers Trust und einem Hedgefonds verdiente, der Wall Street das Mantra von der großen Wette auf die Zukunft eingeimpft: Gewinne? Vollkommen oberflächlich. Alles, was zählt, ist ein anhaltend hohes  Umsatzwachstum, um das Einzelhandels-Imperium von Quartal zu Quartal auszuweiten.

Plötzlich geht beides: Schneller bei den Erlösen wachsen als erwartet – und nebenbei sogar ein bisschen Geld verdienen. So geschehen nun schon zum zweiten Mal in Folge: Zwischen Anfang Juli und Ende September konnte der Internetpionier stolze 25,4 Milliarden Dollar umsetzen, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Statt des erwarteten Verlusts überraschte Amazon tatsächlich mit einem Nettogewinn von 79 Millionen Dollar.

Zum großen Treiber der Geschäftsdynamik avancierte die Cloud Computing-Unit AWS (Amazon Web Services), deren Erlöse allein im vergangenen Quartal von 1,2 auf 2,1 Milliarden Dollar förmlich explodierten – operativ blieb mehr als eine halbe Milliarde Dollar Profit hängen.

Die Bäume wachsen offenkundig in den Himmel: Jeff Bezos erklärte unlängst, dass das Cloud-Geschäft das Potenzial besitze, eines Tages größer als das heutige klassische Handelsgeschäft zu werden. Danach sieht es schon jetzt aus: Nach Schätzungen der Deutschen Bank ist AWS bereits 160 Milliarden Dollar wert.

1. Netflix: + 144 %

Die erfolgreichste Internetaktie des Jahres dürfte kaum einen überraschen – es sind die Dimensionen der Kurszuwächse, die erneut sprachlos machen. Dauerbrenner Netflix wächst und wächst und wächst – und die Wall Street applaudiert weiterhin frenetisch.

Die Investments in immer neue Eigenproduktionen wie „House of Cards“, „Orange is the new Black“, „Daredevil“, „Narcos“ oder „Jessica Jones“ zahlen sich weiter aus: Netflix‘ Abonnentenzuwachs beeindruckt die Wall Street weiterhin schwer. Nochmals 3,3 Millionen neue Mitglieder konnte der alte Internet-Pionier im September-Quartal verbuchen – allein 900.000 davon in den USA.

Insgesamt brachte es der US-Streaming-Riese per Ende September damit bereits auf 69,17 Millionen Abonnenten. Im Weihnachtsquartal soll das Wachstum ungebremst weitergehen: Reed Hastings stellte 5 Millionen neue Mitglieder in Aussicht. Die nächste Station auf dem Weg zur weltumfassenden Präsenz ist Asien. Im September startete Netflix in Japan – im nächsten Jahr ist möglicherweise China an der Reihe.

Die Wall Street ist von den Wachstumsperspektiven weiter begeistert. „Ich glaube, dass Netflix die neue Kabelgesellschaft der Welt wird“, adelte etwa  CNBC-Marktkommentator James Cramer den auch schon 18 Jahre alten digitalen Film-Pionier.

Auf 50 Milliarden Dollar ist Netflix‘ Marktkapitalisierung nach dem wahrlich hollywoodreifen Börsenjahr 2015 nunmehr schon angeschwollen – das ist bereits fast so viel wie die Branchenpioniere Time Warner und Rupert Murdochs 21st Century Fox, obwohl Netflix wegen seines rasanten Wachstumskurses im letzten Quartal gerade mal 29 Millionen Dollar verdiente.

Doch an der Wall Street zählen bekanntlich nur die Zukunftsperspektiven – und die sehen bei den Internet-Überfliegern Netflix, Expedia, Facebook, Amazon und Alphabet heute besser denn je aus.

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