Deutsche Medienaktien 2015: RTL und Axel Springer kämpfen, P7S1 und Ströer räumen ab

Atemberaubende Erfolgsstories: Ströer-CEO Udo Müller (li.), ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling
Atemberaubende Erfolgsstories: Ströer-CEO Udo Müller (li.), ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling

Das Börsenjahr 2015 ist so gut wie vorbei: Im Mediensektor verlief die Entwicklung ähnlich turbulent wie am Gesamtmarkt. Während Aktionäre von RTL und Axel Springer 2015 als ein verlorenes Jahr betrachten dürften, schrieb ProSiebenSat.1 seine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte fort. Der erste Platz geht jedoch an einen Außenwerbung-Vermarkter, der 2015 kräftig im Internet-Sektor zukaufte...

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5. RTL Group: – 3 Prozent

Es war kein einfaches Jahr für die erfolgsverwöhnten TV-Giganten. Vor allem in den USA, wo die Folgen des Paradigmenwechsels – weg vom Kabelanschluss, hin zum TV on Demand, wie es Netflix, Amazon, Hulu & Co anbieten – die Medienriesen CBC, Viacom, Time Warner und 21st Century Fox brutal unter Druck setzten.

Angesichts der fast durchweg zweistelligen Verluste auf der anderen Seite des Atlantiks, sieht das leichte Minus der RTL Group von knapp drei Prozent noch ziemlich verkraftbar aus – vor allem angesichts der üppigen Dividendenrendite von knapp 6 Prozent, die die Kursverluste schon wieder mehr als ausgleichen.

Unterm Strich stagnieren die Geschäfte von Bertelsmann Cashcow zunächst: Bei der im März veröffentlichten Konzernbilanz für 2014 mussten marginale Umsatz- und Gewinneinbußen vermeldet werden.

Im Jahresverlauf konnte die RTL Group dann wieder anziehende Umsätze und Gewinne ausweisen: Vor allem dank RTL Deutschland und der niederländischen Tochter zogen die Umsätze zuletzt im dritten Quartal um 7 Prozent an, während die Konzerngewinne sogar um 10 Prozent zulegten.

Dass die Aktie trotzdem nicht besser steht, liegt nicht zuletzt an den Einschätzungen der Banken, die die Anteilsscheine von RTL kritisch beäugen  – für die japanische Investmentbank Nomura ist die RTL Group nur eine Halteposition, während die Branchenkollegen von Equinet zum Verkauf der Papiere raten. Der Grund: Die harte Konkurrenz von Netflix & Co.

4. Axel Springer: +0 Prozent

Was hat Mathias Döpfner mit Apples Konzernchef Tim Cook außer der Vorliebe für Macintosh-Rechner noch gemein? Für beide CEOs geht es nach einem bewegten Geschäftsjahr auf den letzten Metern von 2015 noch darum, irgendwie die schwarze Null zu retten – an der Börse.

Während der Kultkonzern aus Cupertino mindestens noch zwei Prozent braucht, um die Minus-Zone zu verlassen, geht der MDax-Konzern mit dem leichten Rückenwind von einem Prozent aus dem Xetra-Handel in die letzten 3,5 Handelstage. (In Frankfurt wird dagegen seit Jahresbeginn ein Minus von knapp einem Prozent ausgewiesen).

So oder so: Aktionäre dürften mit der Performance  der Axel Springer SE kaum zufrieden sein, legte die Benchmark MDax doch seit Januar satte 22 Prozent zu. Dass die Berliner daran zu Jahresbeginn erkennbar partizipieren konnten, als die Papiere bei 59 Euro auf ein neues Allzeithoch sprinteten, liegt nicht zuletzt am radikalen Unternehmensumbau unter Konzernchef Döpfner.

Der Digitalisierungskurs mag  alternativlos sein und den Berlinern sogar den Applaus der  New York Times einbringen, doch die aggressiven Zukunftswetten, die 2015 in Form der Akquisitionen von Thrillist, Mic.com, Jaunt und vor allem des Business Insiders für 343 Millionen Dollar vollzogen wurden, scheinen Anleger und Analysten zuletzt doch etwas verunsichert zu haben.

Die Deutsche Bank, Nomura, die Société Générale, Equinet und das Bankhaus Lampe stufen Axel Springer lediglich als Halte-Position ein – die Analysten der Berenberg Bank raten gar zum Verkauf. Unter dem Strich kann sich Konzernchef Döpfner nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 zumindest nicht vorwerfen lassen, den Aktionären nicht gedient zu haben:  Umsätze und Ebitda legten im Vergleich zum Vorjahr um immerhin 9 Prozent zu.

3. ProSiebenSat.1: + 34 Prozent

Die unglaublichste Erfolgsstory der jüngeren deutschen Börsenhistorie ist um ein weiteres Kapitel reicher: Auch 2015 legte ProSiebenSat.1 eine filmreife Performance an den deutschen Aktienmärkten hin, die Anteileigenern mit Zuwächsen von bis dato 34 Prozent erneut üppigere Renditen eingebracht hätte als im Vergleichsindex MDax.

Im Jahresverlauf konnte Konzernchef Ebeling Analysten und Anleger bei Vorlage der  Geschäftsbilanzen immer wieder elektrisieren. Im dritten Quartal übertraf ProSiebenSat.1  mit Umsätzen von 747 Millionen Euro (Plus 17 Prozent) und einem Konzernüberschuss von 73 Millionen Euro (Plus 9 Prozent) die Markterwartungen erneut deutlich.

Lohn der brummenden Geschäfte: Das Senderkonglomerat konnte seine Allzeithochs im Jahresverlauf immer wieder verbessern und im Oktober gar erstmals die Marke von 50 Euro durchbrechen. Das MDax-Mitglied war damit in der Spitze 11 Milliarden Euro wert und mehr denn je ein Kandidat für die erste deutsche Börsenliga.

Wirklich bemerkenswert ist indes der weite Weg, den die Aktie von ProSiebenSat.1 in den vergangenen sechseinhalb Jahren zurückgelegt hat: Unglaubliche 5.000 Prozent Plus waren von 2009 bis Oktober/November dieses Jahres drin. (Aktuell wären es bei Kursen von knapp 47 Euro 4700 Prozent)

Oder in harten Euro gerechnet: Wer im Frühjahr 2009, als ProSiebenSat.1 noch in den Niederungen eines Pennystocks dümpelte, 10.000 Euro investiert hätte, säße heute auf dem kaum fassbaren Gewinn von knapp  500.000 Euro.

2. Constantin Medien: + 34 Prozent

Mit einem Börsenwert von ganzen 160 Millionen Euro führt die Constantin Medien AG ein Schattendasein an der Börse, spielt in der Betrachtung der deutschen Medienbranche über die Tochter Sport.1 und die zahlreich prämierten Filmproduktionen der Constantin Film AG (Die unendliche Geschichte, Der Name der Rose, Das Parfum) indes mehr als eine Nebenrolle.

Tatsächlich gelang den Münchnern mit der Fortsetzung von „Fack ju Göhte“ auch in den vergangenen zwölf Monaten nicht nur ein echter Kassenschlager, sondern gar der erfolgreichste Film des Jahres: 7,6 Millionen Kinogänger sahen die Schulkomödie bisher.

Der Kinoerfolg findet seinen Niederschlag in der Geschäftsentwicklung: Obwohl sich die Umsätze in den ersten neun Monaten des Jahres um 9 Prozent rückläufig entwickelten, hat sich das Ebitda bereits mehr als verdoppelt. Unter dem Strich stand per Ende September ein Konzerngewinn von immerhin wieder knapp 9 Millionen Euro.

Kurz vor Weihnachten verkündeten die Münchner zudem einen Führungswechsel: TV-Urgestein Fred Kugel, der die Mediengruppe in den vergangenen fünf Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender begleitet hatte, löst Bernhard Bürgender als neuer Constantin-CEO ab.

1. Ströer: + 122 Prozent

In einsame Sphären des Börsenjahres 2015 enteilt ist der Außenwerbevermarkter Störer, den vor Jahresbeginn wohl kaum jemand auf der Rechnung hatte.

2010 bei 20 Euro an der Börse gestartet, machten die Kölner in den ersten Jahren an den Aktienmärkten vor allem Erfahrungen mit fallenden Notierungen bei stagnierenden oder gar rückläufigen Umsätzen – für nicht mal 7 Euro war das Papier noch vor drei Jahren zu haben.

Seit zwei Jahren ziehen die Geschäfte erkennbar an: Die Umsätze legten 2014 noch um 15 Prozent auf 721 Millionen  Euro zu und dürften im abgelaufenen Geschäftsjahr wohl auf über 800 Millionen Euro anziehen, während sich das Ebitda bei  200 Millionen Euro belaufen soll. 2016 sollen die Geschäfte dann förmlich explodieren: Die Umsatzprognose wurde erst im November auf 1,2 Milliarden Euro angehoben.

Maßgeblichen Anteil haben daran gleich eine Reihe von bemerkenswerten Übernahmen:  So verstärkte der Außenwerbespezialist 2015 sein Digitalgeschäft mit den Zukäufen der Content-Fabrik Contentfleet, dem Statistik-Portal Statista, vor allem aber den viel beachteten Akquisitionen der Telekom-Töchter Interactive Media und T-Online.de. „Die Transaktion markiert den Beginn einer neuen Ära für unser Unternehmen“, verbreite Ströer-Chef Udo Müller zur Übernahme Aufbruchsstimmung.

Lohn des strammen Wachstumskurses: Aktionäre konnten sich über die bemerkenswerten Kurszuwächse von 122 Prozent freuen – und das Management über den Aufstieg in den Nebenwerte-Index MDax, wo sich Ströer vergangene Woche als Neumitglied neben Axel Springer, der RTL Group und ProSiebenSat.1 einreihte.

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