Die 7 größten TV-Trends 2016 – Was die Branche im nächsten Jahr bewegen wird

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2015 war für TV-Manager ein heißer Ritt. Neue Player wie Netflix und Amazon erkämpften sich immer mehr Zuschauer. Stefan Raab hinterließ bei ProSieben eine große Lücke. Die Zeit der Casting-Shows geht ihrem Ende entgegen. Was erwartet die Branche 2016? Hier die sieben wichtigsten Trends.

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Von Thomas Weiß

Trend 1: 4K /Ultra-HD

Nach dem Scheitern von 3D-Sendungen im TV (Sky fährt seine Übertragungen an Fußballspielen und 3D-Filmen immer mehr runter) richtet sich die Hoffnung der Geräteindustrie auf den neuen Standard Ultra-HD, auch als 4K bezeichnet. Der bietet die vierfache Auflösung im Vergleich zu FullHD, 3840 x 2160 Pixel. Wer sich mit Bildnachbearbeitung beschäftigt, ist zur Zeit der richtige – und einzige – Kunde des neuen Formats. Noch ist das Angebot an Filmen und Serien in Ultra-HD nämlich überschaubar, die Einrichtung des richtigen Übertragungsweges kompliziert für den TV-Normalzuschauer. Immerhin: Netflix ist ein Vorreiter und zeigte schon „Breaking Bad“ und „House of Cards“ in 4K. Regelmäßig kommen Spielfilme in UltraHD dazu. Sky übertrug bereits Fußballspiele in 4K in einigen Sportsbars, drei Spiele der letzten Fußball-WM liegen in Ultra-HD vor (u.a. das Finale). Streaming-Konkurrent Amazon liefert Prime-Kunden über Amazon Video eigene Serie wie „Bosch“ und „Transparent“ in 4K. Aber auch youtube bietet gratis schon viele 4K-Inhalte. Wer privat schon in 4K aufnehmen will, für den gibt es Kameras wie etwa die GoPro Hero 4 oder High-Tech-Geräte von Samsung und Panasonic. Die Streaming-Box FireTV von Amazon beherrscht das Format bereits, ebenso die Nvidia Shield, in den USA gibt es daneben noch die Roku 4, ebenfalls eine Streaming-Box, die 4K-fähig ist.

Die Bandbreiten von normalen Internet-Usern dürften bei der Einführung des Standards noch weiter belastet werden: Ein zweistündiger 4K-Film benötigt rund 100 GB Speicherplatz. Trotzdem: Ultra-HD wird kommen, der Konkurrenzkampf zwischen Samsung, LG & Co ist einfach zu heiß, jeder will bei den neuesten Techniken dabei sein. Schließlich gibt es schon die ersten Prototypen für 8K!

Hier ein Vorgeschmack auf Frank Underwood, bald zu sehen in der 4. Staffel „House of Cards“ in 4K:

Trend 2: Smart-TV

Trend2 – SmartTV – LG WebOS

(Bild: LG)

2015 hat sich der Trend noch verstärkt: Große Shows und Live-Sport laufen im linearen Fernsehen, Serien und Blockbuster per SmartTV oder Streaming-Box. Beim SmartTV sind die Boxen quasi voreingebaut im TV-Gerät-Rahmen. Die Apps, die per SmartTV oder Streaming-Box zu sehen sind, werden immer besser, es gibt etwa neben den kostenpflichtigen Streaming-Diensten (Netflix, Amazon Video, Maxdome etc.) auch die üppig gefüllten Apps von ARD und ZDF mit Zugriff auf die großen Programmkataloge. Hier wird die Verfügbarkeit noch ausgebaut. Einst einigten sich die großen Sender, nur das Programm der letzten sieben Tage in der Mediathek vorrätig zu halten, die ARD baut aber gerade aus und zeigt jetzt „Tatort“-Folgen der letzten 30 Tage.

Bei Mediatheken wird es eine ähnliche Entwicklung geben wie bei DVDs: Wer einen großen Backkatalog vorweisen kann und ständig hochwertigen Stoff produziert, kann sich so richtig freuen auf das Nutzerwachstum bei Smart-TV-Apps. Wenn nicht nur die unterschiedlichen Standards und Oberflächen wären. Auf dem Samsung-TV sieht das Ganze anders aus als bei LG. FireTV zeigt andere Apps als AppleTV. Die User Experience und Schnelligkeit der Menüs reicht von genial bis grottig.
Trotzdem: Die Vorteile des zeitunabhänigen Abrufs von Content sind einfach zu groß: Smart-TV hat ein großartiges Jahr vor sich!

Trend 3: Revolution der Einschaltquoten

Eine Revolution wäre nötig … ist aber kompliziert. In den USA misst die Firma Nielsen traditionell die Einschaltquoten von TV-Sendungen und guckt dabei auf das Verhalten von 23.000 TV-Haushalten. Schon seit einiger Zeit weist sie dabei schon neben der normalen Quote auch die Zahl der Zuschauer aus, die eine Sendung per digitaler Aufnahme, etwa einem Festplattenrecorder oder einer Mediathek, später gesehen haben. Mit dramatischen Ergebnissen: In einer Beispielwoche im Oktober 2015 waren etwa zwei Footballspiele die populärsten TV-Sendungen, die direkt bei der Ausstrahlung gesehen wurden. Zählt man aber Zuschauer hinzu, die Sendungen aufnahmen und sie innerhalb von drei Tagen ansahen, toppte auf einmal eine neue Folge von „Big Bang Theory“ alle Sport-Quoten. In Deutschland werden die Zuschauerzahlen durch Catchup-TV und Streaming zwar schon teilweise erfasst, es gibt aber noch große Lücken. Amazon Video und Netflix selbst verfügen dagegen über präzise Daten über die minutengenaue Nutzung jedes einzelnen Beitrags – und die besten Analysetools. Folge: 2016 wird die genaue Untersuchung von immer fragmentierteren Verhalten des Zuschauers noch wichtiger.

Trend 4: Virtual Reality (VR)

Trend3 – VR – HTC Vive

(Bild: HTC)

Irre viele Produkte in diesem Bereich werden 2016 auf den Markt geworfen. Alleine 40 Aussteller präsentieren schon auf der Konsumgüter-Ausstellung CES in Las Vegas im Januar 2016 ihre VR-Produkte. Zwei davon zeigen die Bandbreite des Themas: Die HTC Vive ist eine VR-Brille samt Handgriffen und Raumsensoren. Anders als etwa bei der Oculus Rift kann man sich mit ihr also wirklich durch den Raum bewegen. Dazu verstärkt Google seine Aktivitäten im 360-Video-Bereich. Das Google-Cardboard-Set (eine Pappbrille, die mit dem Smartphone rudimentäre VR-Erlebnisse liefert) wird immer mehr ergänzt durch spannenden Content auf youtube in einem eigenen 360-Grad-Channel. News über Geräte und Anwendunge wie Oculus Rift, PlayStation VR und Samsung Gear VR werden die Medien dominieren. Viele Analysten glauben aber nicht an den echten Durchbruch von VR in 2016, sondern setzen eher eine Zeit von zwei bis drei Jahren an bis VR zum Massentrend wird.

Bis dahin kann man sich schon per billiger Google Cardboard Brille an einer perfekt konstruierten „Stars Wars“-VR-App ergötzen.

Trend 5: TV komplett per Internet

Was SlingTV in den USA bereits auf den Markt gebracht hat, wird sich auch in Deutschland durchsetzen. Wer ein Streaming-Gerät wie FireTV nutzt, muss bislang umständlich zwischen den Eingängen seines Fernsehers hin- und her wechseln. Will er Netflix-Serien gucken, schaltet er auf den HDMI-Eingang, an dem eine Streaming-Box angeflanscht ist oder auf die Smart-TV-Oberfläche seines Fernsehers. In beiden Fällen kommen die bewegten Bilder dann aus dem Internet. Schaut er danach „The Voice“ auf ProSieben, muss er den HDMI-Eingang wechseln, wieder den regulären TV-Betrieb aufnehmen und per Kabel, Satellit oder Antenne gucken.

Anbieter wie Zattoo, MagineTV oder eben in den USA SlingTV haben es nun schon vorgemacht: Sie bieten ein Paket von linearen Free- oder Pay-TV-Sendern, das oft identisch ist mit dem regulären Angebot von ARD/ZDF/RTL&Co. und per Smart-TV-App abgerufen werden kann. Viele Experten sind sich sicher: Immer mehr Zuschauer werden ihren kombinierten Streaming+FreeTV+Pay-TV-Mix nur noch per WLAN oder Ethernet-Kabelanschluss genießen.

Trend 6: Die neue Welt des Sports

2016 stehen bei Sportrechten einige wichtige Weichenstellungen an. Die Fußball-EM in Frankreich und die Olympischen Spiele in Brasilien werden das Jahr dominieren. Bei beiden gibt es einschneidende Veränderungen, was die TV-Übertragung betrifft. So wird erstmals Sat.1 Live-Spiele einer EM übertragen, und zwar die Spiele, die am letzten Vorrundentag parallel stattfinden. Grundsätzlich zeigen ARD und ZDF die Spiele, die Sendergruppen hatten sich aber mit Sat.1 über die Übertragung der sechs Spiele geeinigt.

Die Olympischen Spiele in Brasilien werden dagegen vorerst zum letzten Mal von ARD und ZDF gezeigt. Alle acht Großveranstaltungen von 2018 bis 2024 wurden vom IOC an Discovery Communications verkauft, der Mutterfirma des Senders Eurosport. Discovery will einen eigenen Olympia-Kanal für den europäischen Markt aufbauen. Die ersten Spiele unter dem neuen Deal sind dann die Olympischen Spiele in Pyeongchang/Südkorea 2018. Bei ARD und ZDF wurde man von der Entscheidung kalt erwischt.

Nach diesem überraschenden Deal müssen jetzt Sky, ARD, ZDF und die privaten Free-TV-Sender auch bei der Neuausschreibung der Fußball-Bundesliga-Rechte um althergebrachte Modelle bangen. Die Ausschreibung ab Saison 2017/18 haben sich wegen kartellrechtlicher Streitigkeiten verzögert und beginnen demnächst. Auch hier könnte ein neuer Player wie Discovery, ein Kabelnetzbetreiter oder sogar Google dazukommen und die alte Welt gehörig aufmischen. Der Wettkamp um Sportrechte ist also so heiß wie noch nie.

Trotzdem schon mal zum Freuen, die fünf schönsten EM-Quali-Tore Deutschlands.

Trend 7: Must-see TV

Auf der CES wird Netflix-Chef Hastings mal wieder eine seiner provokanten Reden halten, geplant ist der 6. Januar. Neben den globalen Plänen für weitere Netflix-Ableger wird es sicher wieder um Inhalte gehen. In den letzten Monaten haben sich die Anbieter von Streaming-Services mit News über den verstärkten Output an originär produzierten Serien und Filmen überschlagen. Netflix spuckte das erste Ergebnis seiner exklusiven Zusammenarbeit mit Adam Sandler aus, den allerdings von Kritikern vernichteten „The Ridiculous 6“. Dazu kamen Top-Serien wie „Narcos“ über das Leben von Pablo Escobar oder „Jessica Jones“ mit einer Marvel-Superheldin. Amazon Video hat seinen Output verstärkt, Serien wie „The Man in the High Castle“, „Bosch“ oder „Transparent“ sorgten für Aufsehen und waren erfolgreich bei TV-Preisverleihungen. Woody Allen wird für Amazon eine Serie liefern, TV-Extrem-Moderator Jeremy Clarkson eine Auto-Show (siehe Twitter-Link). Sky Deutschland will endlich mit der angekündigten Tom Tykwer Serie „Berlin Babylon“ loslegen, Studio Babelsberg baut dafür eine eigene Filmstraße. Noch dazu sind Longrunner wie „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ noch lange nicht am Ende ihrer Zeit. Es wird also in jedem Fall ein Jahr mit Top-TV-Inhalten, egal aus welcher Quelle sie kommen.

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