„Politischer Blödsinn“: Tim Cook kanzelt den Vorwurf ab, ein Steuervermeider zu sein

Apple-CEO Tim Cook
Apple-CEO Tim Cook

Digital Economy Nächster Interview-Auftritt von Tim Cook: Im CBS-Format "60 Minutes" stellte sich der Apple-CEO kurz vor Weihnachten Moderatoren-Veteran Charlie Rose zum Interview. An einer Stelle verlor Cook erkennbar die Fassung: Angesprochen auf den Dauervorwurf der Steuervermeidung entgegnete der Apple-Chef schroff, hierbei handele sich "um politischen Blödsinn".

Werbeanzeige

Das Jahr 2015 geht auf die Zielgerade: Apple-Chef Tim Cook wird trotz des erfolgreichsten Geschäftsjahrs in Apples 39-jähriger Geschichte nur bedingt zufrieden zu sein.

Die Wall Street unterstellt ihm, mit dem iPhone den Zenit überschritten zu haben, Aktionäre drohen unter der Ägide von Tim Cook erstmals in einem Börsenjahr Geld mit Anteilsscheinen von Apple zu verlieren – ungeachtet einer Kurspflege-Aktion in Höhe von fast 50 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe.

Zeit also, zumindest das Image von Apple noch mal vor den Feiertagen ein bisschen aufzupolieren, müssen sich die PR-Strategen von Cupertino gedacht haben – und schickten ihren Chef wenige Tage vor Heiligabend noch mal zu einem der beliebtesten Talker des amerikanischen Fernsehens: Charlie Rose.

60 Minutes: Vorschau auf neuen Apple Store, Schelte gegen das politische Amerika

Im Prestigeformat „60 Minutes„, das Sonntagabend in den USA auf CBS ausgestrahlt wurde, schickt Apple kurz vor Heiligabend noch einmal sein All Star-Lineup ins Rennen: Angela Ahrendts gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das Redesign der Apple Stores, der immer noch so aussieht wie der alte, Designguru Jony Ive gibt wieder einmal eine Führung durch sein berühmt-berüchtigtes Studio, während Tim Cook erneut den Geist des Gründers beschwört. „Es ist bis heute Steves Unternehmen“, verneigt sich Tim Cook erneut vor seinem Mentor Jobs. Ich habe niemand auf diesem Planeten wie ihn getroffen. Es gab nicht eine Person auf der Welt, die die Gabe hatte, so um die Ecke zu denken wie er“, lobt Cook.  

Doch schon nach wenigen Minuten streift Rose die Samthandschuhe ab und konfrontiert Cook mit kritischen Nachfragen – etwa den seit Jahren vorgebrachten Vorwurf der Steuervermeidung.

„Wie fühlen Sie sich, wenn Ihnen der Kongress unterstellt, dass Sie ein Steuervermeider sind“ fragt Rose.  „Was ich ihnen gesagt habe und Ihnen gerne wiederhole, ist die Tatsache, dass wir der größte Steuerzahler in den USA sind“, wiederholt Cook Altbekanntes.

Steuervermeidung in Irland weiter kritisch beäugt

„Sie verdienen auch am meisten“, merkt Rose angesichts von Apples Rekordgewinn von über 53,4 Milliarden Dollar allein im Fiskaljahr 2015 an.  „Das streite ich ja auch nicht ab“, wird Cook sichtlich genervter. Dann legt Rose den Finger in die Wunde. „Der Großteil ihrer Gelder liegt aber im Ausland.“

„Zwei Drittel unseres Geschäfts ist auch dort“, versucht sich der Apple-Chef zu rechtfertigen, doch die Proportionen der angehäuften Barreserven in Irland passen nicht mit der Geschäftsentwicklung zusammen –  der iKonzern zahlt im Steuerparadies Irland bekanntermaßen lediglich 2 Prozent Steuern.

„Unser Steuersystem ist aus dem Industriezeitalter“

„Wir zahlen jeden Dollar, den wir dem Staat schulden“, wird Cook sichtbar gereizter und holt dann zum großen Rundumschlag gegen das Steuersystem in den USA aus, das Cook dazu zwinge, den Löwenanteil von Apples Barreserven im Ausland zu parken. „Ich würde das Geld gerne nach Haus bringen, aber es würde mich 40 Prozent kosten, und ich glaube nicht, dass das besonders sinnvoll ist“, erklärt Cook.

Apple selbst hat vorgerechnet, dass eine Repatriierung des Kapitals sagenhafte 70 Milliarden Dollar kosten würde. Cook überzieht die politische Klasse der USA daher mit einer Breitseite. „Unser Steuersystem ist aus dem Industriezeitalter, nicht aus dem digitalen Zeitalter. Es ist rückwärtsgewandt und schlecht für die USA. Es hätte seit Jahren überarbeitet werden müssen“, findet Cook.

Einmal in Rage, lässt sich Cook dann zu einem ungewohnten Ausfall hinreißen: Der jüngst in politischen Debatten zur Kür der Präsidentschaftskandidaten gehörte  Vorwurf, Apple hätte ein ausgeklügeltes System zur Steuervermeidung etabliert, ledert Cook mit den Worten ab: „Das ist totaler politischer Blödsinn.“

Milliardenvernichter Apple-Aktie

Vielleicht sollte sich Tim Cook besser um das Kerngeschäft und die Wall Street kümmern: Seit Wochen taumelt die Apple-Aktie tiefer und tiefer. Am Freitag stürzte das Papier auf 106 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit August. Seit Anfang des Jahres liegt die Apple-Aktie nun schon 4 Prozent hinten.

In einem Jahr, in dem Apple so viel verdient hat wie nie, könnte das Misstrauensvotum der Börse damit größer kaum ausfallen. Die Technologiebörse Nasdaq liegt um 4% vorn, während die Konkurrenz für ihre Aktionäre üppige Renditen eingefahren hat: Microsoft 17%, Facebook 33%, Google 42%, Amazon gar 114%.

Nur Apple verwandelt sich für Aktionäre seit dem Sommer immer mehr zu Kursgift. Der Denkzettel für die vermeintlich besinnlichen Tage des Jahres ist für Tim Cook perfekt. Finanzchef Luca Maestri dürfte in den letzten Tagen des Jahres gut zu tun haben, um seinen Chef mit weiteren milliardenschweren Aktienrückkäufen mit einer schwarzen Null vor der Blamage eines verlustreichen Börsenjahres zu bewahren.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige