„Corporate Elektroschock Therapie“: New York Times lobt Axel Springers Digitalisierungsstrategie

Springer-CEO Mathias Döpfner, New York Times Artikel
Springer-CEO Mathias Döpfner, New York Times Artikel

Die New York Times widmete sich am Wochenende Axel Springer . Fazit der Reportage in der heutigen Montagsausgabe: Die New York Times ist angetan, wie konsequent Mathias Döpfner Springer zum digitalen Powerhouse umbaut. Döpfner betont zugleich, dass er die Zukunft zu 100 Prozent im Internet und im Ausland sieht.

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Die Silicon Valley-Sause hat Spuren hinterlassen – selbst im Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten.

Es ist schon ein bisschen her, dass es Kai Diekmann, Peter Würtenberger, Christoph Keese und andere Springer-Mitarbeiter der ersten Führungsriege an die amerikanische Westküste verschlug, um das Erfolgsmodell Silicon Valley zu inhalieren.

„Ich wollte, dass unsere Leute wieder im Studenten-Modus sind“, sagt Konzernchef Mathias Döpfner in der Rückschau. „Es war eine ziemlich disruptive Erfahrung, vor allem in kultureller Hinsicht.“ Die Reflexion findet vor amerikanischen Lesern statt: in der New York Times.

Ein altes Medium-Imperium startet für das digitale Zeitalter neu„,  heißt die NYT-Geschichte, die sich über die weite Strecken gut für die Berliner liest.  Zu Wort kommen neben Döpfner weitere Springer-Granden: der langjährige Bild-Chef Kai Diekmann, der bisherige Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters, der nun als Chief Product Officer für den News-Aggregator Upday arbeitet oder etwa Bild-Geschäftsführerin Donata Hopfen („Es gibt keine Trennungen mehr zwischen Online und Print. Bild ist Bild“).

Döpfner ruft totale Digitalisierung aus

Die NYT, selbst ein Vorbild für einen gelungenen Paradigmenwechsel von der Holzpresse ins Online-Zeitalter, interessiert sich sichtlich für Springers straffen Digitalsierungskurs, der sich 2015 in den Akquisitionen von Thrillist, Mic.com, Jaunt und vor allem des Business Insiders für 343 Millionen Dollar äußerte.

„Ich würde nicht ausschließen, dass unser Unternehmen in zehn Jahren zu 100 Prozent Erlöse aus der Digitalsparte einfahrt“, sagt Döpfner der NYT und macht gleichzeitig klar, dass er die Zukunft nicht beim deutschen Leser sieht. „80 bis 90 Prozent unserer Umsätze könnten dann international erzielt werden“, prognostiziert der Springer-CEO. Heute sind es 50 Prozent.

Springers Zukunft in den USA

„Der größte Teil unseres englischsprachigen Geschäfts dürfte dann in den USA liegen“, was angesichts des Zukaufs des Hoffnungsträgers Business Insider, den Döpfner als „Anker-Investment“ bezeichnet, nicht die waghalsigste Prognose ist.

Um die Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen, forciert Springer weiter seine Bemühungen auf dem US-Markt und hat Jens Müffelmann zum ersten USA-Chef berufen.

„Mathias wusste damals nicht, wie drastisch die Veränderung werden würde“

Ihren Anfang nahm die US-Expansion mit Springers Investment in Airbnb Anfang 2012.  „Mir war klar, dass wir unsere Unternehmenskultur umkrempeln müssen“, sagt Döpfner rückblickend.  „Ich glaube nicht, dass Mathias wirklich klar war, wie radikal der Wandel sein würde, aber nun sind wir infiziert“, erklärt Bild-Chef Kai Diekmann, der ab Januar Herausgeber der kompletten Bild-Gruppe wird.

Kritisch hinterfragt wird Springers digitale All-In-Strategie in der NYT zumindest vom Research-Unternehmen Enders Analysis. „Springer hat eine ganze Menge größerer Akquisitionen getätigt, aber das sind digitale Wetten. Digitalunternehmen werden heute mit großen Multiplen gehandelt, aber viele scheitern auch“, mahnt Claire Enders.

Anleger sind sich noch uneins, was sie von den Zukunftsperspektiven des MDax-Unternehmens halten sollen: Bei aktuell knapp 50 Euro notiert die Springer-Aktie unverändert auf dem Startniveau vom Januar.

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