Merkel, Reschke, Sanifair & Co.: Das sind die wichtigsten Clips des Jahres

Die Clips des Jahres 2015
Die Clips des Jahres 2015

2015 war das Jahr des Clips: Noch nie hatten kurze Spots und Video-Mitschnitte einen solchen Einfluss auf die öffentliche Debatte, wie in den vergangenen zwölf Monaten. Mit ihrem „Tagesthemen“-Kommentar eröffnete beispielsweise Anja Reschke erst die Diskussion über die Flüchtlingsfrage und Hasskommentare. Mit seinen Varoufake verunsicherte Jan Böhmermann sogar die Politik und der traurige Edeka-Opa emotionalisierte die gesamte Republik.

Anzeige

Anja Reschke

„Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kund tun. Dagegen halten. Mund aufmachen. Haltung zeigen“, so Panorama-Chefin Anja Reschke in Ihrem Tagesthemen-Kommentar zur Hetze im Internet.

Posted by tagesschau on Mittwoch, 5. August 2015

Selten hatte ein „Tagesthemen“-Kommentar eine solche Sprengkraft. Mit ihrem Aufruf, gemeinsam gegen Flüchtlings-Hass im Internet vorzugehen, löste die NDR-Journalistin gleich zwei Stürme aus: einen der Empörung und einen der Zustimmung. Letzterer war definitiv der stärkere, auch wenn die negativen Stimmen lauter klangen. Bei Facebook alleine verzeichnet der Clip mittlerweile über 10 Millionen Aufrufe. Sie selbst hält ihren Kommentar weder für „besonders mutig noch herausragend“.

Joko & Klaas

Spätestens durch die Reaktionen auf das Reschke-Statement wurde die Debatte um Hasskommentare bei Facebook zu einem der beherrschenden Themen des Jahres. Einer der wichtigsten Meinungsbeiträge dazu kam von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. „Jeder, der sich in den letzten Wochen und Monaten mal auf Facebook, Twitter oder sonst ein soziales Netzwerk gewagt hat, wird mit mehr oder weniger offenem Hass gegenüber Flüchtlingen konfrontiert“, sagt Winterscheidt zu Beginn des gut dreieinhalb Minuten langen Videos. Sie hätten lange darüber diskutiert, ob es ihre Aufgabe sei, sich dazu zu äußern. Was dann folgt, ist schlicht ein starkes Statement, dass in dem Satz gipfelt: „Entfolgt uns bei Facebook“.

Edeka

In seinen wirklich guten Momenten kann Werbung ein ganzes Land erreichen. Ein solcher Fall war der #Heimkommen-Spot von Edeka. An einem Wochenende startete der Spot seinen viralen Siegeszug und in der folgenden Woche redete ganz Deutschland über den traurigen Film, in dem ein Opa seinen Tod vortäuscht, damit seine Kinder und Enkel ihn an Weihnachten besuchen. Der gigantische Klick-Erfolg der Jung von Matt-Werbung hält noch immer an.

Sanifair

So sehr #Heimkommen bewies, welche Kraft eine emotional starke Werbung im Netz entfalten kann, so zeigt der Fall Sanifair, wie extrem ein peinlicher Clip nach hinten losgehen kann. Noch heute tut es regelrecht weh, zu sehen, wie hier Autobahntoiletten als Kinderwunderland inszeniert werden.
LeFloid interviewt Angela Merkel

Wem ist wohl der größere Coup gelungen? Angela Merkel, weil sie mit einem Schlag auch den Eindruck erweckte, als ob sie die Mechanismen der schönen neuen Medienwelt verstehen würde oder LeFloid. Florian Mundt wurde durch das zahme Gespräch mit der Kanzlerin zum Super- und Werbestar der Szene.

Merkel steichelt Flüchtlingskind

Merkel kennt aber auch die Schattenseiten eines gewissen YouTube-Ruhms. Dieser Clip, der zeigt, wie sie ein Flüchtlingskind über den Kopf streichelt, sorgte für einen regelrechten Shitstorm. An einer Rostocker Schule hatte sie einem Mädchen aus dem Libanon erklärt, dass nicht alle Flüchtlinge in Deutschland bleiben können. Als die Schülerin daraufhin anfing zu weinen, reagierte Angela Merkel mit den Worten: „Das hast du doch prima gemacht“ und streichelt ihr über die Wange. Unter dem Hashtag #MerkelStreichelt verbreitet sich der Film und sorgte selbst in England für Schlagzeilen. Das Mädchen und ihre Familie wurden kurzzeitig zu Medienstars. Mittlerweile ist klar, dass sie in Deutschland bleiben dürfen.

Jan Böhmernanns Varoufake

Es war der Medien-Prank des Jahres. Für ein paar Tage beherrschte Jan Böhmermann die deutsche Nachrichtenwelt. War der Stinkefinger, den Janis Varoufakis vor Jahren einmal in Richtung des deutschen Finanzministers gereckt haben soll, nur ein Fälschung des Late Night-Talkers? Mit dieser Aktion offenbarte Böhmermann virtuos, wie schwer es mittlerweile ist, bei YouTube zwischen Wahrheit und Fälschung zu unterscheiden. Der vorangegangene Jauch-Auftritt des griechischen Finanzministers war übrigens der Anfang vom Ende der Sonntags-Talkshow. Jauch wurde so stark kritisiert, dass er wohl spätestens im Anschluss an diese Sendung beschloss, seinen ARD-Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Bild berichte via Periscope vom Abbruch des GNTM-Finales

Dieser Moment bedeutet für die Livestreaming-App Persicope den Durchbruch in Deutschland. Bild-Reporter Daniel Cremer berichtet live, wie die Halle wegen einer Bombendrohung geräumt werden musste. Erst Stunden später bestätigte der Sender die Terrorwarnung.

Silento

Das ist übrigens das erfolgreichste YouTube-Video des Jahres. In dem Film ist die 5-jährige Heaven King zu sehen, die mit vielen coolen Dancemoves zu einem Song des Rappers Silento tanzt. Aktueller Stand der Abrufzahlen: Über 120 Millionen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige