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Cristina Stenbeck: Die unbekannte Rocket-Großinvestorin, die sich mit den Samwers anlegt

Cristina Stenbeck: Hält den  Druck auf Rocket-Chef Oliver Samwer hoch
Cristina Stenbeck: Hält den Druck auf Rocket-Chef Oliver Samwer hoch

Plötzlich ist Feuer unter dem Rocket-Dach: Wie Manager Magazin enthüllte, scheiterte das IPO der aktuell wichtigsten Beteiligung HelloFresh am Veto des wichtigsten Geschäftspartners – der schwedischen Kinnevik, die von Cristina Stenbeck geführt wird. Die toughe Schwedin mit US-Pass wagt nach der enttäuschenden Performance ihres Rocket Internet-Investments nun offenbar die Konfrontation mit den deutschen Seriengründern.

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Plötzlich war der sicher geglaubte Börsengang geplatzt. Als Anfang November an einem Freitagnachmittag durchsickerte, dass HelloFresh die IPO-Pläne bis auf Weiteres verworfen habe, war klar, dass hinter den Kulissen etwas schiefgelaufen sein musste – zu aggressiv hatte der „aggressivste Mann im Internet“ das nächste Einhorn des Rocket Imperiums in Stellung gebracht.

Das Manager Magazin liefert nun die Hintergrundstory: Es hat hinter den Kulissen offenkundig gehörig geknallt. Der Aufsichtsrat habe Konzernchef Samwer „zurückgepfiffen“. Ein solches Vorgehen ist höchst ungewöhnlich, zumal der Aufsichtsrat gewöhnlich vom CEO mit Vertrauten bestückt wird.

Dass Samwer das am Ende anwaltlich vorgebrachte Veto vor den Kopf gestoßen haben dürfte, lässt der knallharte Konter erkennen: Der Aufsichtsratschef  Lorenzo Grabau musste seinen Sitz räumen und wurde mit Marcus Englert durch einen Getreuen besetzt.

Rocket Internet-Investor Kinnevik 2 Milliarden Euro wertvoller als das Samwer-Imperium

Dass eigentliche Problem dürfte Samwer indes nicht mit Grabau gehabt haben, sondern mit dem Unternehmen, dass er vertritt: die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, die auf eine fast 80-jährige Historie zurückblicken kann und als erfolgreicher Risikokapitalgeber als Blaupause für Rockets eigene Unternehmungen gilt.

Geführt wird Kinnevik, das zu den zwanzig größten Unternehmen Schwedens zählt und mit einer Marktkapitalisierung von 6,5 Milliarden Euro knapp zwei Milliarden Euro wertvoller ist als Rocket Internet, von einer Unternehmerin, die ähnlich viele erfolgreiche Investments wie die Samwers vorweisen kann: die erst 38-jährigen Cristina Stenbeck.

Unternehmensführung bereits mit 24

Stenbeck gilt als ähnliche Unternehmer-Überfliegerin wie die Samwers. In New York geboren, studierte die Schwedin mit US-Pass an der Georgetown University in Washington und verdiente sich erste Sporen bei Ralph Lauren – dann kam der Anruf aus Schweden. Bereits mit 24 Jahren übernahm sie die Führung des Familienunternehmens, nachdem ihr Vater überraschend an einem Herzinfarkt verstarb.

Stenbecks Aufgabe gleicht der eines Fondsmanagers: Nichts ist älter als der Erfolg von gestern – alles, was zählt, ist die nächste Boombranche zu entdecken. Entsprechend wurde das Beteiligungsportfolio in den Nullerjahren von Medien- und Telekom-Unternehmen in Richtung von Internet-Start-ups umgebaut. „Für uns war das ganz klar die nächste große Sache“, erklärte Stenbeck später gegenüber Die Welt. „Es war die Fortsetzung dessen, was wir im Mobilfunk gemacht haben.“

Geschäftsbeziehung mit Samwers beginnt bei Hochzeit
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Bei diesem Investmentansatz war naheliegend, was irgendwann passieren musste: Die Wege zu anderen ambitionierten Internet-Investoren aus Europa mussten sich irgendwann kreuzen. Der Legende nach lernte Stenbeck die Samwers auf einer Hochzeit kennen – und war vom Elan der Kölner Seriengründer gleich begeistert.

Die Grundlage für eine jahrelange Wechselbeziehung war gelegt: Die Samwers hatten die Ideen, Stenbeck das Kapital. Über Kinnevik investierte Stenbeck die beträchtliche Summe von über einer Milliarde Euro in das Samwer-Imperium Rocket Internet und seine Beteiligungen: Bei Zalando ist Kinnevik mit 32 Prozent größter Anteilseigner und Stenbeck gleichzeitig Aufsichtsratschefin.

Zu 13 Prozent an Rocket Internet beteiligt

An Rocket Internet ist Stenbeck über ihre Holding mit 13 Prozent beteiligt und damit ebenfalls größte Einzelaktionärin. In dieser Funktion machte sie nun von ihrem Vetorecht bei HelloFresh Gebrauch.

Wie das Handelsblatt berichtet, soll hinter den Kulissen des Web-Konzerns ein Kuturkampf toben, an dem die Schweden nicht ganz unbeteiligt sein dürften. In dem Disput gehe es letztendlich darum, welche Philosophie im Geschäftsleben erfolgreicher ist: ruhige Nachhaltigkeit oder Rasanz und Härte der jungen Onlinerevolutionäre. Zudem zitieren die Düsseldorfer Rocket-Aussteiger, die berichten, dass das Unternehmen wie eine Imbissbude geführt werden würde und dass sich die Manager noch immer wieder Pubertierende benehmen würden, die glaubten, dass sich der Markt nach ihnen richten müsste.

Kinnevik steht in der Debatte offenbar eher auf der Seite der ruhigen Nachhaltigkeit. Genau mit dieser Taktik waren die Schweden gemeinsam mit den Samwers schon einmal sehr erfolgreich. Die beiden machten nämlich bereits gemeinsam Zalando zu einem großen und profitablen Unternehmen. Noch immer hält Stenbeck die meisten Anteile an dem deutschen Shoppingriesen.

Über die Gründe, warum sie nun gerade den IPO von HelloFresh verhinderte, kann bislang nur spekuliert werden, schließlich hätte Stenbeck mit ihren Anteilen durch mutmaßlich steigende Kurse von Mutterkonzern Rocket Internet selbst profitiert.

Doch jeder Unternehme ist sich schließlich selbst  der Nächste – und Kinnevik schließlich mehr als ein williger Rocket-Finanzierer. Tatsächlich investiert Kinnevik auch in direkte Samwer-Konkurrenten: In Afrika etwa ging das Geld nicht an den Rocket-Zögling Jumia, sondern den Erzrivalen Konga.

Entsprechend gereizt dürfte die Stimmung zwischen Berlin und Stockholm nach dem jüngsten Machtkampf aktuell sein. Dass Stenbeck auch kein Problem damit hat, einen Schlussstrich unter ein Investment zu ziehen, bewies die 38-Jährige erst am Dienstag: Da wurde verkündete Kinnevik den Komplettverkauf der 31-prozentigen Beteiligung am russischen Anzeigenportal Avito. Erlös: 841 Millionen Dollar.

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