Machtkampf im Rocket-Reich: Kinnevik blockierte offenbar HelloFresh-IPO

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer
Rocket Internet-Chef Oliver Samwer

Die Absage passte so gar in die strammen Wachstumspläne des Samwers: Anfang November überraschte Rocket Internet mit dem vorläufigen Rückzug der Börsenpläne der hochgehandelten Tochter HelloFresh. Wie das manager magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet, nicht ganz freiwillig: Vorausgegangen war ein Machtkampf mit dem schwedischen Großinvestor Kinnevik, der das IPO in letzter Minute durchkreuzte, nun aber wohl sein Aufsichtsratsmandat niederlegen muss.

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Irgendwas lag da im Argen: Anfang November überraschte HelloFresh kurz vor dem Wochenende mit einer Meldung, die so gar nicht zu den ambitionierten Wachstumsplänen der Konzernmutter Rocket Internet passte: Man werde die Börsenplane „erst einmal auf Eis legen“ und ein besseres Marktumfeld abwarten, hieß es.

Zwar waren in den Wochen zuvor Turbulenzen an den Weltbörsen zu besichtigen, die großen Internet-Player Alphabet, Amazon und Facebook waren allerdings nach starken Quartalsbilanzen gerade allesamt auf neue Allzeithochs geschossen – die Stimmung für Internetaktien war nicht schlecht.

HelloFresh-IPO: Rückzug in letzter Minute – durch Kinnevik-Anwälte

Mit dem Bezahldienst Square und dem Dating-Konglomerat Match debütierten zugleich wenige Tage später gleich zwei Neulinge aus dem Internet-/Tech-Sektor an der Börse – warum also nicht auch HelloFresh, nachdem die Samwers ihr Einhorn Wochen zuvor noch für die Börse in Stellung gebracht hatten?

Das manager magazin bietet in seiner am Freitag erscheinenden neuen Ausgabe die Antwort: Weil es offenbar hinter den Kulissen gehörig geknallt hat. Wie das Hamburger Wirtschaftsmagazin berichtet, hat der schwedische Großinvestor Kinnevik, der seit sechs Jahren am Berliner Internet-Inkubator beteiligt ist, sogar rechtliche rechtliche Mittel angewandt, um das IPO zunächst zu verhindern.

Machtkampf im Rocket-Reich: Aufsichtsratschef ausgetauscht

Und das in buchstäblich letzter Minute: Am Tag vor der geplanten Veröffentlichung des Börsenprospekts, auf den gewöhnlich vier bis sechs Wochen später das IPO folgt, wurden die Pläne von Kinneviks Verwaltungsratschefin Cristina Stenbeck offenbar durchkreuzt, berichtet das manager-magazin – Rocket Internet bestreitet die Darstellung.

Der Machtkampf blieb nicht ohne Folgen: Nach Informationen des manager magazins verliert Kinnevik als direkte Folge Einfluss bei den Berlinern – Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau soll als Aufsichtsratschef von Rocket Internet zurücktreten und durch den Samwer-Vertrauen Marcus Englert ersetzt werden. Die Personalie wurde inzwischen von Rocket Internet bestätigt.

9-Monatszahlen der „Proven Winners“ enttäuscht die Börse

Unstrittig sind indes die anhaltenden Verluste, die das Samwer-Imperium beim gnadenlosen Expansionskurs anhäuft. Die heute veröffentlichten 9-Monatszahlen der „Proven Winner“ von Rocket Internet offenbaren weiter rasantes Umsatzwachstum, das allerdings auch an Dynamik verliert.

Betrug der Erlöszuwachs der 13 Start-ups nach sechs Monaten noch 142 Prozent, verflachten die Zuwächse nach 9 Monaten nun auf 120 Prozent. Vor allem der lange Zeit mit viel Vorschusslorbeeren überschüttete Münchner Möbelversender Westwing erreicht offenkundig immer mehr die Grenzen des Wachstums – die Umsätze legten nur noch um 27 Prozent zu, während sich die Vorsteuerverluste auf 46 Millionen Euro ausweiteten.

Der Wert des Proven Winner-Portfolios stagnierte nach Rocket-Angaben bei 6,1 Milliarden Euro. Das wäre allerdings immer noch deutlich mehr als die Börse Rocket Internet aktuell insgesamt zubilligt: Die Berliner Beteiligungsgesellschaft wird aktuell mit 4,6 Milliarden Euro bewertet. Nach Bekanntgabe der 9-Monatszahlen gab die Aktie weitere drei Prozent auf 28 Euro an Wert nach.

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