„Lieber Herr Zuckerberg …“ Todenhöfers Anti-Hass-Appell an den Facebook-Chef

Jürgen Todenhöfer und sein Facebook-Appell
Jürgen Todenhöfer und sein Facebook-Appell

Facebook hat als Ziel ausgegeben, Hass-Botschaften, die nicht den eigenen Standards entsprechen, künftig binnen 24 Stunden löschen zu wollen. Der Publizist Jürgen Todenhöfer übt (auf Facebook) weiter Kritik an dem Sozialen Netzwerk. Er dokumentiert zwei besonders krasse Hass-Kommentare, die Facebook trotz Hinweis angeblich nicht habe löschen wollen.

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Todenhöfer artikuliert seine Kritik in einem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Er schreibt:

Lieber Herr Zuckerberg,

es kann nicht sein, dass Facebook Hass-Kommentare wie „Nur ein toter Muslim ist ein friedlicher, guter Muslim.“ oder „1 Kugel für dich!“ ausdrücklich akzeptiert.

Todenhöfer dokumentiert diese beiden Kommentare in einem Screenshot zusammen mit dem Aufruf: „Das akzeptieren wir nicht! Stoppt den Hass auf Facebook!“ Der Publizist und Bestseller-Autor („Inside IS“) ist populär auf Facebook. Seine oft pazifistischen Postings werden vieltausendfach geliked und kommentiert. Todenhöfer ist aber auch umstritten. Als er jüngst ein neues Lied von Xavier Naidoo mit fragwürdigem Text („Muslime tragen den neuen Judenstern“) auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, hagelte es vor allem in den Medien Kritik.

Lieber Herr Zuckerberg,es kann nicht sein, dass Facebook Hass-Kommentare wie „Nur ein toter Muslim ist ein…

Posted by Jürgen Todenhöfer on Dienstag, 15. Dezember 2015

Auch Todenhöfers aktueller Aufruf gegen Hass auf Facebook findet wieder ein großes Echo. Über 21.000 mal wurde der Like-Button gedrückt, der Text wurde fast 1.000 mal kommentiert und über 4.700 mal geteilt (stand: Mittwoch, 16.12.2015, 16.15 Uhr). Und in der Tat sind die von Todenhöfer angeprangerten Kommentare löschenswert. Davon, dass Facebook diese Kommentare „ausdrücklich akzeptiert“,kann aber keine Rede sein. Facebook selbst schreibt in seinen Gemeinschaftsstandards:

Facebook entfernt sämtliche Hassbotschaften, d. h. Inhalte, die Personen aufgrund der folgenden Eigenschaften direkt angreifen:

  • Rasse,
  • Ethnizität,
  • Nationale Herkunft,
  • Religiöse Zugehörigkeit,
  • Sexuelle Orientierung,
  • Geschlecht bzw. geschlechtliche Identität oder
  • Schwere Behinderungen oder Krankheiten.

Der Kommentar mit den Muslimen, hätte von Facebook nach Hinweis also eigentlich entfernt werden müssen. Der andere Kommentar mit der Kugel ist zumindest grenzwertig, da Facebook in seinen Standards angibt, „glaubwürdige körperliche Bedrohungen, die sich an einzelne Personen richten“ zu entfernen. Gewaltandrohungen gegenüber Flüchtlingen werden zudem seit kurzem generell entfernt, egal ob „glaubwürdig“ oder nicht.

Bei den beiden von Todenhöfer dokumentierten Fällen könnte es sich also um Fehler handeln. DIe Mails, die Todenhöfer zeigt bestehen aus Standard-Texten – genau nachvollziehen lässt sich nicht mehr, was da vorgefallen ist, da die Kommentare mittlerweile nicht mehr auffindbar sind und Facebook sich auf Nachfrage zu Einzelfällen bei Kommentar-Löschanfragen nicht äußert.

Konkrete Forderungen nennt Todenhöfer gegenüber Facebook nicht. Er schreibt in Richtung des „Herrn Zuckerberg“ nur allgemein: „Helfen Sie bitte mit, dass Facebook ein Ort des Miteinanders bleibt und nicht ein Ort des Hasses auf andere Kulturen und Religionen wird.“

Das würde Mark Zuckerberg vermutlich auch unterschreiben. Falls er es verstehen würde und Todenhöfer seinen Appell auch auf Englisch veröffentlicht hätte. So aber bleibt der Eindruck, dass Jürgen Todenhöfer die Debatte um Hass-Kommentare bei Facebook mal eben für ein bisschen Eigen-PR nutzt.

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Alle Kommentare

  1. Eigen-PR gehört zum Geschäft von Journalisten, Publizisten, Autoren, Künstlern und sonstigen Verkäufern.
    Ein Meister darin ist Jürgen Todenhöfer.
    Zur Sache selbst: Hasskommentare aus jeder Richtung sollten in einem freien Land erlaubt sein. Mord, Totschlag und Körperverletzung, Vergewaltigung und Erpressung, Raub und Diebstahl stehen sowieso unter Strafe.
    Die Kampagne gegen Hasskommentare halte ich für verlogen. Damit will die vorherrschende Meinungselite die freie Meinungsäußerung Schritt für Schritt aushebeln.

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