„Fünfjährige wurde gegessen. Vom Flüchtling“ – die bizarre Web-Karriere eines Videoschnipsels

Aus der NDR-Doku über Boizenburg
Aus der NDR-Doku über Boizenburg

Am Wochenende machte ein auf den ersten Blick erschreckender Videoschnipsel aus einer NDR-Dokumentation auf Facebook die Runde. Jugendliche am Bahnhof in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern erzählen von einem Gerücht, laut dem ein fünfjähriges Mädchen bei lebendigem Leib von einem Flüchtling gegessen worden sei. Ursprung war dies eine Meldung der Satire-Website „Der Postillon“. Der NDR versuchte, die Sache einzufangen - mit mäßigem Erfolg.

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Zuerst erzählt ein dunkelhaariges Mädchen in dem Video-Ausschnitt von Gerüchten über Flüchtlinge, die in Boizenburg die Runde machten. Zum Beispiel habe sich ein Mädchen „versteckt“ und sei dann von einem Flüchtling vergewaltigt worden. Das blonde Mädchen ergänzt: „Eine Fünfjährige wurde gegessen. Lebendig! Vom Flüchtling! Stand auf Facebook!“ Darauf sagt der junge Mann: „Stand. Ob das stimmt, das weiß man nicht.“

Naja, man weiß es schon, dass es nicht stimmt. Die absurde Aussage mit dem gegessenen Mädchen stammt von der Satire-Website „Der Postillon“, die am 26. August 2015 die Witz-Meldung brachte: „Flüchtling renkt seinen Unterkiefer aus und verspeist blondes deutsches Kind bei lebendigem Leib“ Es ist fester Bestandteil der Machart der überdrehten Postillon-Meldungen, dass sie in Stil und Aufmachung echte Nachrichtenmeldungen imitieren. Die Postillon-Satiren werden anschließend extrem häufig bei Facebook geteilt. Nicht immer ist allen Empfängern klar, dass es sich dabei um Satiren handelt. Auch Redaktion fallen mit schöner Regelmäßigkeit auf Postillon-Satiren herein.

Der aktuelle Video-Ausschnitt stammt aus der NDR-Dokumentation „Weltbahnhof mit Kiosk – Begegnungen von Stammgästen und Flüchtlingen in Boizenburg“, die am Freitag, 11. Dezember zu nächtlicher Stunde zwischen 0.30 Uhr und 1 Uhr gesendet wurde – ein typischer Doku-Sendeplatz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens also.

Ein Blog namens „Buntesamt“ veröffentlichte anschließend den beschriebenen Ausschnitt bei YouTube. In der dortigen Version fehlt freilich der letzte Satz, der von dem jungen Mann gesprochen wird und der klarmacht, dass die Jugendlichen über Gerüchte sprechen und nicht unbedingt davon überzeugt sind, dass ein fünfjähriges Mädchen von einem Flüchtling bei lebendigem Leib gegessen wurde. Später in der Doku taucht das dunkelhaarige Mädchen nochmals auf und erzählt von syrischen Freunden, die sie habe, und zeigt auch Fotos.

Das durchaus differenzierte Bild, das die Doku zeichnet, geht bei der viralen Verbreitung des Videos unter. Der NDR versucht, die verloren gegangene Einordnung via Facebook nachzureichen und postet den etwas längeren Ausschnitt inklusive der Aussage des jungen Mannes zusammen mit dem Hinweis, man möge doch die gesamte Doku anschauen, um sich ein Bild zu machen.

„Eine Fünfjährige wurde gegessen. Lebendig! Vom Flüchtling! Stand auf Facebook!“ Ein Filmschnipsel mit diesem Zitat…

Posted by NDR.de on Samstag, 12. Dezember 2015

Doch dies setzte neue Viralwellen in Gang. Die NDR-Satiresendung Extra3 teilte dieses NDR-Posting und wurde danach vereinzelt kritisiert, hier würde etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Extra3 ging auf die Vorwürfe ein und modifizierte das Facebook-Posting:

Nachtrag: Uns hat Kritik erreicht, dass der Beitrag aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Wir hatten eigentlich bewusst…

Posted by Extra 3 on Samstag, 12. Dezember 2015

Und der NDR musste sich den Vorwurf einer Frau gefallen lassen, die Jugendlichen vorzuführen:

Bildschirmfoto 2015-12-14 um 10.58.36

Der NDR versprach, die Kritik weiterzuleiten.

Bildschirmfoto 2015-12-14 um 10.58.50

Der Postillon wiederum veröffentlichte seinerseits die kurze Version des Clips als „Feedback“ auf seiner Website. Die Satire-Seite „Schlecky Silberstein“ schreibt anlässlich des Videoschnipsels: „Die ostdeutsche Provinz ist in Teilen zu einem gigantischen Teenie-Horrorfilm geworden.“ Und postet zehn tatsächlich sehr lustige „Ausländerfacts“, wie z.B: „In einem Erdloch am Südpol liegt die Ausländer-Königin, die alle anderen Ausländer mit ihren Gedanken kontrolliert.“

Heute noch Satire, demnächst vielleicht Bestandteil einer Lebenswelt-Doku in einem TV-Kanal ihrer Wahl.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Da braucht sich doch niemand zu wundern wenn der Vorwurf kommt die Presse nimmt es nicht so genau mit der Wahrheit wenn man so manipulativ ist und augenscheinlich wirklich lügt…

  2. Tja was hier Satire ist…

    In England machten sich Pakistanis die in Verbindung mit Grooming Gangs bzw. der tausendfachen Vergewaltigungen von Kindern standen am Telefon darüber lustig das sie das verschwundene Mädchen zu Döner(oder ähnlichem)verarbeitet hätten….das Mädchen wurde nie gefunden.

  3. Aber dass es ausgerechnet ein „Gutmenschen-Sender“ ist der das bringt, sonst sind es doch meist immer Politwissenschaftliche Claudia Roth-Zitate aus dem Grundgesetz

  4. Ist das etwa der gleiche Flüchtling gewesen der bei Vollmond den Müttern ihre Babys klaut um sie in seiner Höhle an die Jungen zu verfüttern ? Wusste ich´s doch !

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