Wie Spiegel-Mann Cordt Schnibben beim Reporterpreis von seinen Gefühlen übermannt wurde

Links im Bild: ein Fuß von Sandra Petersen (Symbolbild)
Links im Bild: ein Fuß von Sandra Petersen (Symbolbild)

Spiegel-Reporter Cordt Schnibben wurde beim Reporterpreis von seinen Gefühlen übermannt. Die Zeit hat die Stilform des Making-of-Kästchens etabliert. Emotion wird persönlich, und wer von Medien die Nase voll  hat, kann es immer noch im Fußerotik-Model-Business probieren. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Cordt Schnibben, Reporter-Urgestein beim Spiegel, hat diesen Montag bei der Verleihung des Deutschen Reporterpreises die Eröffnungsrede gehalten. Dabei konnte man gleich mehrere Dinge erfahren. Erstens: Cordt Schnibben war (zusammen mit dem verstorbenen Jürgen Leinemann) der “Transporteur” des berühmten Hanns Joachim Friedrichs-Zitats, dass sich ein Journalist mit keiner Sache gemein machen soll. Friedrichs sagte dies kurz vor seinem Tod 1995 im Spiegel-Interview bzw. wie Schnibben nun formulierte: am Sterbebett. Dabei – so wirkt es, wenn man sich den Audio-Mitschnitt von Schnibbens Rede anhört – musste der Reporter mit den Tränen kämpfen. Zweitens: Schnibben war nach eigener Auskunft immer dann gut, wenn er keinen Preis gewonnen hat. Den anwesenden Nicht-Preisträgern (Schnibben: “Und das sind verdammt viele, also ich schätze mal knapp 300”) rief er “Che Guevara folgend” zu: “Verwandelt euren Hass in Energie!” Drittens: Beim Reporterpreis gibt es kein Preisgeld aber die Spenden reichen immerhin, um Essen und vor allem den Wein zu zahlen. Am Ende gab es dann noch die Empfehlung Schnibbens an alle beim Reporterpreis Gescheiterten, sich doch beim Henri Nannen Preis zu bewerben. Denn: “Die haben nach einem Jahr Pause sich … das meine ich gar nicht ironisch … wieder gerappelt. (sic!) Also, neues Spiel, neues Glück.” Nicht fehlen durfte der abschließende Hinweis: “Wir haben reichlich Alkohol vorrätig, auch von unserem Sponsor für diesen Abend, dessen Namen ich jetzt gerade vergessen habe.”

Vielleicht, nur ganz vielleicht ist es keine so super Idee, wenn man vor so einer Rede mal guckt, “was in der Minibar des Hotels Soho-House, so vorrätig ist”, wie Schnibben es nach eigener Angabe tat, als er von der Erinnerung an den toten FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher übermannt wurde.

Die komplette Rede kann man sich hier durchlesen und anhören.

Von den elf Reporterpreisen gingen fünf an Reporter der Wochenzeitung Die Zeit. Weil Klappern im Journalismus zum Handwerk gehört, hält die Zeit seit einiger Zeit nicht länger hinter dem Berg damit, wie unfassbar aufwändig die Geschichten dort geklöppelt werden. “Hinter der Geschichte” heißt die Rubrik, die sich sinnigerweise hinter vor allem längeren Geschichten findet, zum Beispiel im Ressort Dossier. Dann erfahren wir beispielsweise nach Lesegenuss des Sigmar Gabriel-Porträts neulich, dass die Recherche zu dem Stück bereits drei Monate gedauert hatte, bevor die Flüchtlingskrise zum beherrschenden Thema wurde. Die Zahl der Gesprächspartner wird mit “17” angegeben. Ob man Sigmar Gabriel doppelt gezählt hat, bleibt leider unklar. Wir erfahren auch den “überraschendsten Moment” der monatelangen Recherche: “Als der Vizekanzler der Bundesrepublik auf dem Boden einer Kita kniete und seiner kleinen Tochter die Winterschuhe anzog.” Warum aber ist das so überraschend? Ist vom Vizekanzler der Bundesrepublik zu erwarten, dass er einen Diener hat, der seiner kleinen Tochter die Winterschuhe anzieht?

Welt-Autorin Ronja von Rönne hat sich diese Art des “Making of” jüngst zu eigen gemacht:

Die Recherche für diesen Artikel dauerte knapp zwei Jahre. Der Autorin gelang es nicht, einen einzigen „Vice“-Text auszulassen. Die Autorin hat sie alle gelesen. Die Autorin hat „Vice“ durchgespielt. Die Autorin gibt das zwar nicht zu, aber woher sollte sie sonst wissen, warum man in der kanadischen Provinz Stripper mit Ein-Dollar-Scheinen bewirft?

Hintergrund-Infos, die keine Fragen offen lassen.

By the way: Ist “RvR” eigentlich ein Sex-Symbol für Intellektuelle? Oder Medienfuzzis? Oder Medienfuzzis, die sich für intellektuell halten? So ähnlich wie Katrin Bauerfeind? Und wäre Katrin Bauerfeind jemals so dermaßen erfolgreich geworden, wenn sie nicht diesen Cindy-Crawford-Fleck hätte? Fragen über Fragen, die von keinem Hintergrund-Info-Kasten der Welt beantwortet werden.

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Eigentlich habe ich das mit Katrin Bauerfeind auch nur geschrieben, um eine billige Überleitung auf das personalisierte Cover des Frauenmagazins Emotion zu haben. Das Magazin hat aktuell nämlich Frau Bauerfeind vorne drauf und statt Emotion prangt mein Name oben drüber. Jawohl! Mein Name! Total emotional personalisiert und präsentiert vom Audi A1. Da denkste, du bist was Besonderes aber: denkste! Alle AbonnentInnen der Emotion haben dank teuflisch perfektionierter Drucktechnik eine solche personalisierte Ausgabe mit ihrem Vornamen drauf erhalten. Aber nicht, dass Sie jetzt denken, ich hätte die Emotion aboniert. Nicht, dass dagegen etwas zu sagen wäre! Wir Medienfuzzis als “Multiplikatoren” haben auch so ein Exemplar zugeschickt gekriegt. Ein netter Gag, aber was soll das bringen – also außer eine Audi-Anzeige für Emotion, was den wackeren Leuten dort natürlich zu gönnen ist? Wirklich personalisiert ist die Zeitschrift natürlich nicht, nur weil mein Name vorne drauf steht. Innendrin, steht ja bei jedem Exemplar dasselbe, also Artikel über Glück, das aktuelle Trend-Thema Menstruation und natürlich Katrin Bauerfeind.

Mal ehrlich: Sind Sie manchmal so ein bisschen unzufrieden im Job? Frustriert, weil sie sich nicht persönlich einbringen können? Manchmal eröffnen sich unerwartete Occasionen. So wie für Sandra Petersen, Noch-Mitarbeiterin in der Kommunikation bei Axel Springer, demnächst bei Zalando:

Man muss nur was daraus machen.

Besinnliches Adventswochenende allerseits!

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Alle Kommentare

  1. Spiegel-Reporter Cordt Schnibben glaubt anscheinend…, er ist der SPIEGEL selbst…, der gute Mann überschätzt sich ein bisschen…!!!

  2. Sollte man die Selbeweihräucherung der Journalisten nicht einfach einstellen? Sie ist nur dies. Peinlich. Und die Berichte darüber sind es auch.

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