Gesellschaft für deutsche Sprache hat gewählt: „Flüchtlinge“ ist das Wort das Jahres 2015

Das Wort des Jahres heißt Flüchtlinge
Das Wort des Jahres heißt Flüchtlinge

"Flüchtlinge" heißt das Wort des Jahres 2015. Das hat die Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. am Freitag bekannt gegeben. Der Begriff habe nicht nur das Jahr geprägt, sondern auch eine besondere sprachliche Bedeutung, so die Jury. Neben "Flüchtlinge" hat die Gesellschaft neun weitere prägende Wörter benannt – u.a. Je suis Charlie und Grexit.

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Darüber hinaus hat es auch das mit der Flüchtlingskrise verbundene Statement von Kanzlerin Angela Merkel in das Ranking geschafft:

1. Flüchtlinge

2. Je suis Charlie

3. Grexit

4. Selektorenliste

5. Mogel-Motor

6. durchwinken

7. Selfie-Stab

8. Schummel-WM

9. Flexitarier

10. Wir schaffen das!

Zur Begründung der Jury:

Das Substantiv steht nicht nur für das beherrschende Thema des Jahres, sondern ist auch sprachlich interessant. Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling (›Person, die durch eine Eigenschaft oder ein Merkmal charakterisiert ist‹), klingt Flüchtling für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig: Analoge Bildungen wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling sind negativ konnotiert, andere wie Prüfling,Lehrling, Findling, Sträfling oder Schützling haben eine deutlich passive Komponente. Neuerdings ist daher öfters alternativ von Geflüchteten die Rede. Ob sich dieser Ausdruck im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

An Platz zwei der zehn prägendsten Worte des Jahres hat es kein einzelnes Wort, sondern ein Satz geschafft: „Je suis Charlie“ wurde nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Januar 2015 weltweit zum Ausdruck der Anteilnahme. „Mit dem französischen Zitat oder mit Übersetzungen – auf Deutsch zudem in Abwandlungen wie Auch ich bin Charlie oder Ich bin auch Charlie – brachten weltweit Millionen von Menschen ihre Solidarität mit den Opfern zum Ausdruck und demonstrierten für die Pressefreiheit und gegen religiösen Fanatismus“, so die Jury.

Mit dem Begriff „Grexit“ hat die Gesellschaft für deutsche Sprache ein Wort auf den dritten Platz gewählt, das schon seit 2011 benutzt wird. Beachtung gefunden hat es in diesem Jahr laut Jury, weil die Diskussion über ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone die erste Hälfte des Jahres geprägt habe.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache sammelt jedes Jahr tausende Belege aus verschiedenen Medien und Einsendungen , aus denen die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzt, kurz vor Jahresende zehn Wörter nominiert.

Für die Auswahl der Wörter des Jahres entscheidend sei dabei nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz und Popularität, so die Gesellschaft. „Die Liste trifft den sprachlichen Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres und stellt auf ihre Weise einen Beitrag zur Zeitgeschichte dar. Die ausgewählten Wörter und Wendungen sind jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.“

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. hat das „Wort des Jahres“ erstmals 1971 gewählt und kürt es seit 1977 regelmäßig. Der „sprachliche Jahresrückblick“, wie die Gesellschaft schreibt, soll deutlich machen, was „das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise“ geprägt hat. Vergangenes Jahr erklärten die Sprachexperten „Lichtgrenze“ zum Wort des Jahres. Das Wort bezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten „25 Jahre Mauerfall“ in Berlin. In den Jahren zuvor waren GroKo (für Große Koalition), Rettungsroutine, Stresstest und Wutbürger Wörter des Jahres.

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