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„Hättest Du Lust auf Anal?“: Wie Bento mit einer Sex-Kolumne Leser und Konkurrenten irritiert

Abhandlung über die Darstellung von Oralsex-Szenen in Pornofilmen: In ihren Kolumnen kommt Bento-Autorin Nea Nyström zur Sache
Abhandlung über die Darstellung von Oralsex-Szenen in Pornofilmen: In ihren Kolumnen kommt Bento-Autorin Nea Nyström zur Sache

Es hat nur einen Tweet eines Lesers gebraucht, um zwischen Deutschlands jungen Medien die Fetzen fliegen zu lassen – zumindest bei Twitter. Am Wochenende kam es zum Showdown zwischen Vice, Bento, Ze.tt und BYou. Zwar scheint die Konversation vordergründig von Ironie durchzogen zu sein. Doch geht es auch um einen zentralen Punkt: Wer unterscheidet sich hier eigentlich noch von wem?

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Auslöser war ein Tweet zu einem bereits stark diskutierten Kolumnen-Text von Bento, der sich mit Hardcore-Sex beschäftigt. Konkret geht es dabei darum, dass die Autorin die Darstellung von bei „Blowjobs“ würgenden Frauen in Pornofilmen thematisiert sowie ihre Ablehnung bestimmter Sex-Praktiken.  Indem die Bento-Kolumnistin einige Sex-Techniken generell verurteile, so die Kritik von Lesern, verhalte sie sich intolerant und versuche eine bestimmte Denkweise vorzugeben. Die Redaktion versuchte zu moderieren, ließ sich in vielen Fällen allerdings zu Diskussionen hinreißen, in denen sie Meinung der Kolumnistin – teils mit Wortklaubereien – verteidigte.

Die Kolumnistin selbst nahm an der Diskussion offenbar nicht teil. Dabei ist Nea Nyström, 27, mit ihren wöchentlichen Artikeln zum Thema Sex Auslöser der kontrovers geführten Debatte unter Lesern und Konkurrenz-Portalen. Mit einer für ein Medium unter dem Dach der Marke Spiegel ungewohnten Direktheit widmet sie sich der Mechanik der Lust-Techniken. „Hättest Du Lust auf Anal?“ etwa lautet der Titel einer Kolumne, in einer anderen sinniert sie: „Kann man mit einem Vibrator zum Orgasmus kommen?“ Oder sie enthüllt: „Schamhaare tragen oder rasieren? Jede Frau entscheidet anders“.

Dabei ist es nicht in erster Linie die Schonungs- oder Schamlosigkeit, mit der sich Nea Nyström den Themen widmet, sondern ihr Anspruch auf Allgemeingültigkeit ihrer persönlichen Ansichten – eigentlich ein Relikt vergangener Jahrzehnte. Insgesamt wirkt die offensive Art der Bento-Berichterstattung über Lust und Liebe auf manchen irritierend. Die Blowjob-Betrachtung verleitete einen Leser dazu, in einem Tweet anzumerken, dass Bento „auf dem Niveau von vice.com angekommen“ sei.

Dieser Tweet reichte offenbar, um zunächst die Redaktionen von Vice und Bento aus der Reserve zu locken. So twitterte Bento, dass es „gerade mal acht Wochen gedauert“ habe und wurde direkt von Vice Germany (mit Verweis auf eine weitere Sex-Kolumne) korrigiert:

Die Auseinandersetzung nahm ihren Lauf. Bento legte offen: Man habe sich direkt nach Start am Themen-Repertoire von Vice orientiert:

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Es dauerte nicht lang, da erweiterten die Diskutanten die Runde um weitere Jugendableger, zunächst um Ze.tt von Zeit Online,…

… dann in ziemlich fieser Manier um BYou von Bild.

Selbstverständlich ging es weiter um Sex:

Vielleicht sollte dies alles nur eine ironische Anspielung sein. Doch hat dieser Tweef dazu beigetragen, dass sich der Eindruck erhärtet, die Portale würden sich gegeneinander in Stellung bringen. Definitiv lässt sich nach dieser Auseinandersetzung aber eines sagen: Niemand kann bestreiten, man habe die Konkurrenz nicht ganz genau im Blick.

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