Von 40 Gerüchten waren zwei wahr – das Westfalen-Blatt checkt „Flüchtlingsgerüchte“

Christian Althoff (l.) und Ulrich Windolph vom Westfalen-Blatt: „Flüchtlingsgerüchte“ im Check
Christian Althoff (l.) und Ulrich Windolph vom Westfalen-Blatt: "Flüchtlingsgerüchte" im Check

Publishing Das Westfalen-Blatt aus Bielfeld betreibt seit einigen Wochen einen "Gerüchte-Check" zu Flüchtlingsthmen. Die Redaktion hat ihre Leser aufgefordert, Gerüchte die sie über Flüchtlinge gehört haben, einzusenden. Die Redaktion prüft dann, was wirklich dran ist und veröffentlicht diesen Check. Bei MEEDIA erzählen Redaktionsleiter Ulrich Windolph und Chefreporter Christian Althoff, welche Erfahrungen sie mit dem Format machen und wie die Leser reagieren. 

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Wie kamen Sie beim Westfalen-Blatt auf die Idee eines Gerüchte-Checks?

Christian Althoff: Vor einem Jahr tauchten erste Gerüchte über Flüchtlinge auf, persönlich gehört, oder über WhatsApp und bei Facebook. Recherchen ergaben immer wieder, dass nichts dran war. Berichtet wurde deshalb nicht. Dann postete im Oktober 2015 der Hamburger Anwalt und Blogger Joachim Steinhöfel, die Herforder Polizei vertusche vorsätzlich die Vergewaltigung einer DRK-Mitarbeiterin durch einen Flüchtling. Unsere Recherchen bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Kreisverwaltung und DRK ergaben, dass nichts davon den Tatsachen entsprach.  Dieser Fall war Anlass zum Start des Gerüchte-Checks im Westfalen-Blatt.

Werden die „Gerüchte“, die sie checken, vorab ausgewählt?

Christian Althoff: Wir bitten Leser, uns „Flüchtlingsgerüchte“ zu mailen. Verbunden ist die Bitte in allen Serienteilen – erschienen sind sieben bislang Folgen, eine weitere steht aus –  mit dem Schlussatz „Wir checken das und berichten – so oder so.“ Und so läuft es auch: Eine Auswahl der Gerüchte findet nicht statt, wir gehen allen Hinweisen nach und berichten über das Rechercheergebnis unter Angabe mindestens einer namentlich genannten Quelle, die entsprechende Kompetenz hat.

Wie sind die Reaktionen der Leser?

Ulrich Windolph: Der Gerüchte-Check ist umstritten. Lob kommt aus der Politik, von Sozialamtsleitern, von Ehrenamtlichen und Hilfsorganisationen, weil sie sich auch in ihrem persönlichen Umfeld täglich mit den wildesten Gerüchten auseinandersetzen müssen. Es gibt aber auch messbar kritische Stimmen von Lesern, die jedoch angesichts unserer Auflage prozentual sehr gering sind. Das freilich kann alles oder nichts heißen: Nicht jeder, der sich nicht beschwert, ist deswegen auch gleich mit dem Gerüchte-Check und dessen Ergebnissen einverstanden. Mit Blick auf die Flüchtlingspolitik und die zugehörige Berichterstattung in den Medien ist ja oft von der „schweigenden Masse“ die Rede – das könnte in unserem Fall ähnlich sein und deshalb bin ich vorsichtig mit einer verbindlichen Einschätzung.

Gab es schon den Vorwurf, sie würden den Gerüchte-Check manipulieren – Stichwort „Lügenpresse“?

Christian Althoff: Es gibt Leser, die behaupten, unsere Quellen würden lügen. Wir versuchen dann, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen und sie zu bitten, uns ihre Quelle zu nennen, damit wir weiter recherchieren können. Dieser Bitte ist aber noch nie entsprochen worden. Vereinzelt wird uns auch unterstellt, wir wollten straffällige Flüchtlinge exkulpieren. Wir treten diesem Eindruck dadurch entgegen, dass wir bei Straftaten von Gewicht sehr wohl schreiben, dass sie von Flüchtlingen begangen wurden, um uns nicht dem Vorwurf auszusetzen, einseitig  Stimmung zu machen. Diese Berichterstattung findet parallel zum Gerüchte-Check statt. Dabei haben wir auch Straftaten öffentlich gemacht, die im Polizeibericht nicht auftauchten.

Können Sie  sagen, wie viele der Gerüchte sich als unwahr erweisen?

Christian Althoff: Bis heute haben wir gut 40 Gerüchte gecheckt, und zwei haben sich als wahr herausgestellt. Manche Gerüchte haben einen wahren Kern, weichen aber an zentraler Stelle von der Wahrheit ab. So hat es Straftaten, die Leser geschildert haben, gegeben, aber sie wurden eben nicht, wie kolportiert, von einem Flüchtling begangen, sondern von einem Deutschen.

Stellen Sie einen Effekt des Gerüchte-Checks auf die Stimmung bei den Bürgern fest?

Ulrich Windolph: Ich glaube, das Thema ist insgesamt so komplex und die Dimension der Flüchtlingsbewegung so groß, dass unsere Serie kaum die Kraft hat, die Stimmung der Bürger zu beeinflussen. Und selbst wenn es so wäre, wie sollten wir das messen können? Das ist aber auch gar nicht unser Ansatz. Wir wollen den Dingen einfach so gut als möglich auf den Grund gehen. Ich denke, das können unsere Leser von uns erwarten – und zwar nicht nur in Sachen Flüchtlingspolitik, sondern immer.

Welches sind die am häufigsten wiederkehrenden Arten von Gerüchte, die sich als unwahr erweisen?

Christian Althoff: Es geht oft um Diebstähle, um sexuelle Gewalt und Missbrauch von Frauen und Kindern, aber auffallend häufig auch darum, dass Flüchtlinge angeblich den Gebrauch von Gegenständen ablehnen, die vorher von Christen benutzt worden sind. Ein typisches Gerücht ist, Flüchtlinge, die in einem Hotel oder in Privatwohnungen untergebracht seien, hätten die Toiletten zerstört, weil vorher Christen darauf gesessen hätten.

Die Fragen wurden via E-Mail gestellt.

(swi)

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Alle Kommentare

  1. Warum haben die Flüchtlingsgegner nicht den Mut zu sagen: „Wir wollen einfach nicht mit Menschen zu tun haben, die anders sind als wir. Denn das ist manchmal unbequem, macht Mühe und kann Geld kosten.“? Das wäre wenigstens ehrlich und mutig. Statt dessen beteiligen Sie sich an Diskussionen, obwohl sie an Wahrheitsfindung überhaupt nicht interessiert sind. Sonst würden sie sich durch persönlichen Kontakt mit den Flüchtenden einen eigenen Eindruck verschaffen, statt Gerüchte zu glauben. Aber dann müssten sie ja mit Menschen in Kontakt treten, die anders sind. siehe oben.

  2. Ich bin Gegner. Ich habe täglich mit Menschen zu tun, die anders sind als ich. Ich arbeite in einem internationalen Konzern. Sowohl Kollegen als auch Kunden sind „anders“ und sprechen oft auch eine andere Muttersprache als ich und kommen teilweise aus anderen Kulturkreisen. Mit diesen Menschen habe ich kein Problem und sie (soweit ich das beurteilen kann) mit mir auch nicht. Ich habe allerdings ein Problem mit Menschen, die auf ihrer „Flucht“ 6 Länder durchqueren, in denen keine Gefahr für ihr Leben besteht, weil sie hier ohne Arbeit und ohne Gegenleistung für die Gesellschaft mehr bekommen, als in ihrer Heimat für viele Jahre Arbeit (sofern sie etwas Vergleichbares hatten). Ich habe etwas gegen Menschen, die das Grundgesetz brechen. Auch wenn sie es wahrscheinlich gar nicht kennen, bleibt die illegale Einreise ein Geaetzbruch. Daran ändert auch nichts, dass unsere Regierung sie zuvor dazu ermuntert hat und obendrein diesen nicht verfolgt (schlimm genug dass wir eine Regierung haben, die sich einen Dreck um das Grundgesetz schert).
    Der überwiegende Teil dieser Menschen (und der Millionen, die Perm Familiennachzug Einwanderer) werden auf Lebenszeit vom Steuerzahler alimentiert werden (wieder ich). Und wie groteske Ironie mutet da schon an, dass deutsche Soldaten ihr Leben riskieren für einen Kampf, zu dem viele dieser Menschen zu feige waren. Keine Ahnung was Sie mit „Wahrheitsfindung“ meinen, Aber das ist meine Wahrheit.

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