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„Muslime tragen den neuen Judenstern“: die umstrittene Allianz von Naidoo und Todenhöfer

Jürgen Todenhöfer und Xavier Naidoo sagen: „Nie mehr Krieg“
Jürgen Todenhöfer und Xavier Naidoo sagen: "Nie mehr Krieg"

Am heutigen Freitag entscheidet der Bundestag, ob die Bundeswehr gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) in den Krieg nach Syrien ziehen soll. Jürgen Todenhöfer, der im vergangenen Sommer zum IS reiste, und Sänger Xavier Naidoo sind gegen diesen Einsatz: Bei Facebook postet Todenhöfer ein bisher unveröffentlichtes neues Lied von Naidoo mit dem Titel "Nie mehr Krieg". Die Inhalte sind höchst umstritten.

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„Liebe Freunde, Xavier Naidoo hat mir gestern dieses ergreifende, noch unveröffentlichte Lied geschickt“, schreibt Publizist Jürgen Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite. Der „Inside IS“-Autor hat eine klare Botschaft: „Wir sind gegen Krieg!“ Auch Deutschlands zurzeit wohl umstrittenster Sänger Xavier Naidoo positioniert sich deutlich gegen den Militäreinsatz der Bundeswehr in Syrien. Dafür haben er und die Söhne Mannheim eigens einen Song aufgenommen: „Nie mehr Krieg“. Todenhöfer durfte ihn exklusiv auf seiner Facebook-Page veröffentlichen.

Liebe Freunde, Xavier Naidoo hat mir gestern dieses ergreifende, noch unveröffentlichte Lied geschickt: ‚NIE MEHR KRIEG!…

Posted by Jürgen Todenhöfer on Donnerstag, 3. Dezember 2015

Die vielen Kommentare unter dem Facebook-Post Todenhöfers sind zum Großteil positiv, gar euphorisch. Zahlreiche Menschen bedanken sich für die klaren Worte, knapp 80.000 Mal wurde das Lied bislang geteilt und 1.8 Mio. mal angesehen.

Doch einige Journalisten sehen den Song – und vor allem seine Botschaft – überaus kritisch. So schreibt Johannes Kuhn in der Süddeutschen Zeitung, die Zusammenhänge der Weltpolitik, die Naidoo herstelle, blieben im Dunkeln. „Wer vom Krieg profitiert, ist irritiert, wenn er seinen Propagandakrieg verliert“, heißt es in einer Zeile des Liedes. „Wer ist gemeint?“, fragt sich Kuhn. Die Kriegsprofiteure blieben „angeraunt und ungenannt, eine Leerstelle, die der Hörer ganz nach gewünschtem Welt- und Feindbild ausfüllen“ könne.

Den wohl provokanteste Reim singt Naidoo direkt in der ersten Strophe: „Muslime tragen den neuen Judenstern, alles Terroristen, wir haben sie nicht mehr gern.“ Während Inga Catharina Thomas diese Aussage in der Welt lediglich als „fragwürdig“ bezeichnet, ist sie für Johannes Kuhn „hanebüchener Unsinn“, der jedoch „leider von der Kunstfreiheit geschützt“ werde. „Geraune über mächtige Profiteure im Hintergrund, Behauptungen über angebliche Tabus (Kriegskritik-Verbot), Provokation durch einen drastischen Vergleich und eine einfache Botschaft (Hey, wer kann schon FÜR Krieg sein?): Das ist klassischer Naidoo-Code, der ein schlichtes Weltbild und einfache Lösungen anbietet, weil er unangenehme Komplexität einfach ausblendet“, so Kuhn.

Auch der Regionalblog Ruhrbarone.de findet harte Worte für Todenhöfer und Naidoo: „Wenn die größte Sangesheulsuse des Landes und der bestfrisierteste Experte sich zusammen tun, um dem an grauenhaften Gesängen nicht armen deutschem Liedgut eine weitere Untat zuzufügen, tut man gut daran, sich einen der Brechbeutel neben die Lautsprecher zu stellen.“ So zu tun, als stünden Muslime im Westen kurz vor einem Genozid, sei an „Dummheit, Dreistigkeit und Bösartigkeit kaum zu überbieten“.

Und auch bei Twitter, ist die Stimmung im Gegensatz zu den Facebook-Reaktionen eine deutlich ablehnendere:

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