Schleichwerbung und Mord-Video: Presserat rügt TV Movie und Abendzeitung

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Bei seiner aktuellen Sitzung billigte der Beschwerdeausschuss 2 des Presserates nicht nur den Facebook-Pranger der Bild, sondern rügte auch TV Movie und die Abendzeitung. Die Programm-Experten gaben dem Schauspieler Samuel Finzi und seiner Werbepartnerschaft mit Skoda zu plump zu viel Raum. Die Abendzeitung bekam Ärger, weil sie das Video von einem Mord an einer US-Journalistin ohne Einordnung veröffentlicht hatte.

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Deshalb rügten die Medienwächter die Münchner für die Verletzung der Regeln zur Sensationsberichterstattung. Sie hatten, wie fast alle Medien, über die Ermordung einer US-Fernsehmoderatorin berichtetet. Diese wurde während einer Live-Reportage in einem Einkaufszentrum erschossen. Allerdings zeigte die Abendzeitung einen kompletten Mittschnitt des Videos, bei dem der Moment, in dem die tödlichen Schüsse fielen, auch noch mehrfach wiederholt wurde. „Eine journalistische Einordnung des Geschehens im Video findet nicht statt“, erklärt der Presserat. „Diese Art der Berichterstattung geht nach Ansicht des Beschwerdeausschusses über das öffentliche Informationsinteresse hinaus, sie dient in erster Linie der Befriedigung von Sensationsinteressen.“

Bei TV Movie bemängelten die Medienwächter dagegen die fehlende Trennung zwischen Werbung und Redaktion. Die Zeitschrift hatte ein Interview mit dem Schauspieler Samuel Finzi veröffentlicht. Als Einstieg in das Gespräch stellte der Redakteur erst einmal fest, dass der Schauspieler ja gerade von einer Testfahrt mit dem neuen Skoda Superb zurückkomme.

Finzis Antwort dokumentierte das Blog Der Macht die Worte: „Ja, ein wirklich tolles Auto. Ich fahre bereits das Vorgängermodell. Aber diese Limousine ist vom Design und dem Platzangebot her noch mal eine Steigerung“. Als Bild ist der Story zudem noch ein Foto eingeklinkt, auf dem der Autor zusammen mit dem Schauspieler zu sehen, wie sie an einem Skoda lehnen. Natürlich so, dass das Logo der Automarke gut zu sehen ist. Headline der Story: „Der Zuschauer ist nicht dumm“.

Der Beschwerdeausschuss sah bei dem Stück die Grenze zur Schleichwerbung deutlich überschritten, „da die Erwähnung des Fahrzeuges und die Veröffentlichung des Fotos in keinerlei inhaltlichem Zusammenhang mit dem Interview über die Arbeit des Schauspielers standen.“ In einem Fall musste der Presserat sich allerdings auch korrigieren. Die Berliner machten nachträglich aus einer Rüge der Ludwigsburger Kreiszeitung nur noch einen Hinweis.

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