Weser Kurier korrigiert Berichte: kein Roboterjournalismus in gedruckter Zeitung

Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser Kurier
Moritz Döbler, Chefredakteur des Weser Kurier

Publishing Im Bremer Weser-Kurier (WK) wird man auch weiterhin keine von Robotern geschriebenen Fußballberichte finden. Lediglich das Onlineportal Sportbuzzer, das von der Weser-Kurier Digital GmbH (WKD) produziert wird, experimentiert derzeit mit computergenerierten Texten. Darauf haben jetzt WK und WKD hingewiesen und damit anders lautende Medienberichte der vergangenen Tage korrigiert.

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Von Eckhard Stengel

Weser-Kurier lässt Fußballberichte von Maschinen schreiben“: So oder ähnlich berichteten Medien in der vergangenen Woche über eine Innovation in Bremen. Sie bezogen sich dabei auf eine Mitteilung des Computerdienstleisters Retresco, der eine Software zum Generieren von Texten anbietet und auch nach Bremen geliefert hat. Bei flüchtigem Lesen der Firmenmitteilung konnte der Eindruck entstehen, als käme das Roboterprogramm beim Weser-Kurier zum Einsatz.

Gegenüber MEEDIA stellen WK-Chefredakteur Moritz Döbler und WKD-Geschäftsführer Niko Mehl noch mal klar: Die einzigen Texte, die versuchsweise von Computern statt von Journalisten formuliert werden, lassen sich nur auf dem Portal sportbuzzer.weser-kurier.de finden. „Keineswegs wird dieser Test auf den Weser-Kurier übertragen“, versichert Geschäftsführer Mehl. Die WKD ist eine Art Schwesterfirma des Weser-Kuriers, die für Digital-Aktivitäten zuständig und von ihm unabhängig ist.

Auch beim Sportbuzzer werden längst nicht alle Meldungen automatisch generiert. Mehl spricht von etwa fünf regionalen Amateurfußball-Ligen, bei denen die WKD mit computergenerierten Vor- und Nachberichten experimentiert. Dabei gehe es nicht darum, Personal einzusparen, versichert Mehl. „Ziel der Tests ist es herauszufinden, ob Algorithmen-basierte Spielberichte Vorteile gegenüber einfachen Ergebnistabellen hinsichtlich der Suchmaschinenoptimierung / -relevanz und somit auf die gemessene Reichweite haben“, schreibt der Geschäftsführer in einer Stellungnahme für MEEDIA.

Kollege Computer kommt auch deshalb nicht ständig zum Zuge, weil viele Sportbuzzer-Berichte direkt von Lesern verfasst werden. Wenn aber doch die Software eingesetzt wird, überprüft laut WKD auf jeden Fall ein Mensch das Ergebnis, bevor der Text online geht.

Das liest sich dann ähnlich floskelhaft wie ein schnell dahin geschriebener Routine-Lokalsportbericht – zum Beispiel so:

„Erfolglos ging der Auswärtstermin des TV Bremen-Walle 1875 bei der Reserve der BTS Neustadt über die Bühne. Walle verlor das Match mit 2:0. Benjamin Lassalle brachte den TVBW in der 13. Minute ins Hintertreffen. Ein Tor auf Seiten von Neustadt machte zur Pause den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften aus. Ehe der Abpfiff ertönte, war es Andreas Liebhard, der das Endergebnis perfekt machte. Die BTS gewann gegen den TV Bremen-Walle 1875. Ausbaufähig: In den letzten fünf Partien kam die BTS Neustadt II auf insgesamt nur sechs Punkte und hätte somit noch einiges mehr holen können. Der Gastgeber bleibt mit diesem Erfolg weiterhin auf dem 13. Platz. Am kommenden Freitag trifft Neustadt auf den BSC Hastedt.“

Dazu die Überschrift: „Ein dreckiger Heimsieg“. Sie stammt allerdings nicht vom Computer, sondern wurde laut WKD-Chef Mehl „manuell angepasst“.

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Alle Kommentare

  1. Wozu Geld für solche Printen ausgeben?

    Lang gemachte Erfahrungen, die nicht nur mit diesem unsäglichen Blatt aus Bremen zusammenhängen, bestätigen Insidern immer wieder, dass sich diese Redaktion, wie andere auch, des geistigen Diebstahls bemächtigt. Eingesandte Berichte wie Bilder, werden nicht etwa unter dem Namen des Einsendenden bzw. der Institution veröffentlicht. Sie tragen stattdessen das Autorenkürzel: „eb“, dass für die Abkürzung: Eigener Bericht Verwendung findet.

    Das ist aber nicht nur hier so. Auch das Verwaltungsmagazin: „innovative Verwaltung“, ein Blättle in Magazinform, das in erster Linie für Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst geschrieben wird, scheut sich nicht, Texte und Bilder zu verwenden, die von dritter Seite eingereicht werden.

    Einige Textpassagen vom Redakteur geändert – und schon darf sich die Redaktion mit fremden Federn schmücken und ihr Magazin teuer verkaufen.

    Der vom Computer generierte Beispieltext oben gibt in verblüffend deckungsgleicher Form die journalistische Schreibleistung in der Qualität ihres Duktus wieder, die Profis unter ihrem eigenen Namen und nach langjähriger Studien- und Berufspraxis erreicht haben.

    Somit sind beide Leistungen – die technische wie die menschliche – nicht das Geld wert, das für solche Berichterstattung von Seiten der Verlage vom Kunden ihres Printproduktes abgefordert wird.

    Dem Verbraucher kann man nur raten, sich kostenlos der Lektüre verschiedener, frei zugänglicher Printausgaben und Recherchequellen, die zu Themenbereichen im Internet berichten, zu bedienen. Nur so haben Konsumenten die Möglichkeit, sich zu verschiedenen Themenbereichen kostenlos eine objektivere Meinung zu bilden, als sie es über Printausgaben vermögen, deren Redakteure, die ihre Blätter zwar gern als frei und unabhängig anpreisen aber hierfür mit solch fragwürdigen Mitteln Inhalte generieren.

    1. @randt: Ich habe selten so einen Blödsinn gelesen. Sie mögen mit Ihren Erfahrungen zu eingereichten Texten recht haben, aber der Rest ihres Kommentars offenbart, dass Ihr schön konstruiertes Bild vom Journalismus unter fehlendem Faktenwissen über die Arbeit in Redaktionen leidet. Was nicht heißt, dass nicht auch Journalisten bisweilen solche Grützensätze schreiben wie sie in dem zitierten Spielbericht zu finden sind.

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