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Günther Jauchs sang- und klangloser ARD-Abschied und ein kurzer TV-Moment der Ehrlichkeit

Günther Jauch befragte in seiner letzten ARD-Talkshow Wolfgang Schäuble
Günther Jauch befragte in seiner letzten ARD-Talkshow Wolfgang Schäuble

Für seine letzte ARD-Talksendung hatte sich Günther Jauch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eingeladen. Aus dem einstündigen Solo-Gespräch gab es zwei wesentliche Erkenntnisse: 1. Schäuble will nicht Kanzler werden und 2. Jauch muss wirklich froh sein, diese Sendung loszuwerden. Das zeigte ein kurzer, ehrlicher Moment.

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Es war schon gegen Ende der Sendung als Günther Jauch Wolfgang Schäuble fragte, ob er denn seine politische Karriere 2017, anlässlich der nächsten Bundestagswahl beenden wolle. Schäuble antwortete Schäuble-typisch mit einer Zurechtweisung: „Ich schließe aus, dass ich zu dieser Frage zu diesem Zeitpunkt irgendetwas sage.“ Und setzte nach: „Ich hab’ mal gehört, sie wollen diese Sendung nicht fortsetzen. Sonst könnten wir dieses Gespräch ja in zwei Jahren führen.“

Da lächelte Günther Jauch und schaute versonnen auf seine Kärtchen. Er sagte: „So verführerisch diese Antwort ist, sie könnte mich nicht verführen, diese Sendung noch zwei Jahre weiter zu moderieren.“ Selten war der Frust über die eigene Sendung so greifbar wie in diesem Moment der Ehrlichkeit.

In der letzten Sendung mit Wolfgang Schäuble nur einen einzigen Gast zu haben, war nicht ohne Risiko für Jauch. Zwar entging er damit der Notwendigkeit, noch ein letztes Mal eine Gesprächsrunde ordnen und moderieren zu müssen – etwas, das er bekanntermaßen nicht gut kann. Allerdings ist es auch nicht leicht, eine ganze Stunde lang einen einzigen Gesprächspartner zu befragen.

Jauch schaffte das sogar ordentlich – auch wenn man gegen Ende nach jeder Antwort Schäubles, vor allem wenn sie knapp ausfiel, Angst bekam, Jauch würden jetzt gleich die Fragen ausgehen. Die Angst war aber unbegründet, er hatte sich genügend Fragematerial notiert.

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So folgte dann noch ein letztes Mal die Schalte rüber zu den „Tagesthemen“, bei der sich Pinar Ataley richtig beeilen musste, um Jauch noch ganz schnell und knapp „alles Gute“ zu wünschen. Schäuble drückte sich auch noch ein „alles Gute“ ab und Jauch wünschte seiner Vorgängerin und Nachfolgerin Anne Will auch „alles Gute“ und das war es dann.

Niemand sprang aus den Kulissen mit einem Blumenstrauß, niemand hatte eine Aufzeichnung mit Höhepunkten oder lustigen Pannen vorbereitet, keiner sang ein Lied. Dieser sang und klanglose Abschied mag auch daran liegen, dass wegen Jauchs Entscheidung von der Talk-Bühne zu gehen, Mitarbeiter hinter den Kulissen ihre Jobs verlieren.

Und ganz am Ende wurde dann zu allem Überfluss auch noch eine Gegendarstellung des früheren Closer-Chefredakteurs Tom Junkersdorf ein weiteres Mal verlesen. Es ging darum, dass in einer älteren Jauch Sendung behauptet wurde, auch die Redaktion von Closer habe sich einer Diskussion um die mediale Aufarbeitung des Unfalls von Michael Schumacher nicht stellen wollen. Der damalige Closer-Chefredakteur und heutige People-Chef Junkersdorf behauptet das Gegenteil. Die Gegendarstellung war schon einmal verlesen worden, der Closer-Verlag Bauer Media wollte aber, dass sie innerhalb der Sendung platziert wird. Jetzt kam sie halt noch einmal zum Schluss – natürlich ohne die Zuschauer darüber aufzuklären, worum es ging, was das sollte, wer da redete. Den Verantwortlichen war das offenbar auch egal. Hauptsache, es war endlich, endlich vorbei.

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