BYou-Konkurrent Celepedia: Springers (heimlich) erfolgreiches Jugendportal

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Mit BYou macht Bild Jagd auf die so genannten Millennials und findet sich in einem mittlerweile stark umkämpften Markt wieder. Um so mehr dürften die BYou-Macher eine heimlich und im eigenen Hause heran gewachsene Konkurrenz kritisch sehen. Springers Celepedia, 2014 als eine Art Promi-Wikipedia gestartet, unterscheidet sich nach einem Relaunch kaum noch vom Bild-Ableger und wächst rasant.

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„Anti-Babypille jetzt ohne Arzttermin“, „Dieses Model isst 22 (!!!) Big Macs in einer Stunde“, „Aufgepasst, Mädels: Darum ist ein Blowjob auch gut für EUCH“, „OMG Was ist mit Hottie Chris Hemsworth passiert?“ – das sind Themen, die die Jugend bewegen. Zumindest wenn man zwei der aktuell so angesagten Jugendportalen Glauben schenken mag. Beide stammen aus dem Hause Axel Springer. Welche Artikel-Überschriften welchem Millennial-Medium zuzuordnen sind, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Denn beide Projekte, BYou von Bild und das eigenständige Celepedia, sind sich spätestens seit dem Relaunch von zweitem inhaltlich zum Verwechseln ähnlich.

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Das sorgt in Teilen für Verärgerung, vor allem bei den Machern von BYou. Hinter vorgehaltener Hand werfen Mitarbeiter ihrem hauseigenen Konkurrenten (BYou will die 14-18-Jährigen, Celepedia die 12-24-Jährigen erreichen) Konzept-Kopie vor. Celepedia habe sich von seiner Gründungsidee immer weiter entfernt, sich mehr und mehr auf eigene Inhalte konzentriert und fokussiert YouTube-Stars und Entertainment-Themen. Genau wie Bilds BYou. Nach dem Relaunch würden sich die Portale zugleich optisch ähnlicher sehen.

Tatsächlich hat Celepedia schon vor dem BYou-Start am 1. September Artikel wie „Krasser Gammel-Look: So hast Du Penny noch nie gesehen“ („Big Bang Theory“) oder wie „Sie wollte volle Augenbrauen wie Cara! Was sie bekam, ist der blanke Horror“ produziert und sich entwickelt.

Bildschirmfoto 2015-11-25 um 16.58.33Die Grundidee war die nun eigenständige Produktion aber nicht, Artikel über die in der Zielgruppe so beliebten YouTube-Stars kamen erst im Laufe der Zeit und verdrängten das eigentliche Angebot. Celepedia war 2014 als „Weltgedächtnis über Superstars“ gestartet worden und setzte auf user-generated content. Die eigene Community sollte eine Art Promi-Wikipedia erstellen, „eine Art digitaler Kaffeeklatsch, zu dem jeder etwas beitragen kann, wenn er mag, von dem aber auf jeden Fall jeder neue Informationen mitnimmt. Hier wird gesammelt, bewertet und geordnet, was über Prominente wirklich interessiert“, wie es damals hieß. Geblieben von dem ist nichts. Mit dem dem Relaunch im November dieses Jahres hat Geschäftsführerin Bettina Lüke, ehemalige Redaktionsleiterin bei den People-Titeln Gala und Grazia, die Umbauarbeiten komplett abgeschlossen und Celepedia vom Promi-Wikipedia zu einer Art Bravo für die Generation Youtube-Berlin-Tag&Nacht-OMG-Fack-ju-Göhte gemacht.

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Celepedia.de in seiner Ursprungsform

Die Community-Idee habe nicht gezündet, auch traffic-technisch soll Celepedia alles andere als vielversprechend da gestanden haben, erzählt ein Verlagsmitarbeiter, der nicht genannt werden möchte. Im Gespräch mit MEEDIA bestätigt Chefin Lüke das. „Das Konzept ist einfach nicht aufgegangen.“ Lüke und ihr Team hätten das aber rechtzeitig gemerkt und Celepedia verändert. Man habe sich „von einer user-generated-content-Plattform zu einem rein redaktionellen Angebot, und zwar für die junge Zielgruppe, entwickelt“. Eine gute Entscheidung. Derzeit beschäftigt Room49, das Start-up hinter Celepedia und 100-prozentige Springer-Tochter, sieben redaktionelle Mitarbeiter.

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Traffic-Entwicklung Celepedia seit Nov. 2014. Quelle: Celepedia.de/Axel Springer SE

Der Traffic kann sich sehen lassen. Eigenen Angaben zufolge zählt die Plattform 2,85 Millionen Unique User, seit August dieses Jahres in der IVW gelistet, generierte sie im Oktober 8,28 Millionen Visits (+ 8,4 Prozent zum Vormonat) und überholte damit Marktführer Bravo.de (8,17 Mio Visits). Auch die Facebook-Reichweite, für die Plattform der größte Traffic-Lieferant, steigt kontinuierlich. Die Anzahl der Fans liegt bei derzeit fast 330.000.

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Grafik: fanpagekarma.com

95 Prozent des Traffics kommt von sozialen Netzwerken

Auf großem Erfolgskurs ist die Seite dabei erst seit Mitte des Jahres. Die Facebook-Fanpagezahlen stagnierten zu Anfang des Jahres, die Visits entwickelten sich gemächlich, sackten zur Mitte des Jahres sogar ab, bevor erst Facebook- dann Traffic-Zahlen explodierten. Der Grund: Celepedia „flankiert“ das organische Wachstum mit Facebook-Marketing, erklärt Lüke. Die steigende Anzahl der Fans führte zu mehr Traffic. „95 Prozent unserer Leser kommen über Kanäle wie Facebook zu uns.“text2

Dass sich ihr Portal konzeptionell so verändert hat, dass es bei dem ein oder anderen BYou-Macher nicht mit Begeisterung, vielleicht sogar mit etwas Missgunst wahrgenommen wird, lässt Lüke an sich abprallen. „Für ein Medienhaus sind mehrere Publikationen üblich, die auch in einem gesunden Konkurrenzverhältnis zueinander stehen. Wir tauschen uns mit den Kollegen aus, arbeiten aber alle an unserem eigenen Produkt.“

Deren Aufgaben unterscheiden sich bei aller Ähnlichkeit in einem wesentlichen Punkt. BYou dient vor allem dazu, junge Leser an die Marke Bild heranzuführen und für sie zu gewinnen. Andersherum ist die Mutter für das junge Portal, das vorwiegend von den Springer-Volontären mit Leben gefüllt wird, von großer Bedeutung. Die Zusammenarbeit mit Bild – beispielsweise bei Facebook – dürfte ein wichtiger Bestandteil der Traffic-Strategie sein. Marketing also, das nichts kostet. Celepedia muss sich eigenständig als Marke etablieren. Sich am Konzept des Bild-Ablegers orientiert zu haben, davon will Lüke nichts wissen. „Wir haben uns sehr früh dazu entschlossen, uns auf die Generation ‚Snapchat‘ als Zielgruppe zu konzentrieren und haben das auch deutlich vor den Kollegen getan. Auch in zahlreichen anderen Häusern ist die Idee für ein eigenes Jugendangebot erst später umgesetzt worden.“

Bleibt nur noch die Frage, wie Celepedia dem Verlag bisherige Investitionen zurückspielen will. Von einem Bezahlmodell ist nicht die Rede. Vielleicht, weil sich das in der jungen Zielgruppe auch nur schwer etablieren ließe. Lüke will Geld mit der Reichweitenvermarktung gewinnen. „Bisher ging es darum, sie aufzubauen, um überhaupt für Werbekunden eine relevante Größe zu werden.“ Möglicherweise werde man auch mit Native Advertising arbeiten. Hier sind Celepedia einige Mitbewerber bereits voraus.

Lesen Sie hier ein Wortlaut-Interview mit Bettina Lüke, in dem sie u.a. genauer auf die Gründungsidee von Celepedia eingeht.

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