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Nach nur vier Monaten: Computer Bild macht US-Startup Testgarage.com dicht

Computer Bild-Chefredakteur Axel Telzerow: „American innovation meets German Gründlichkeit“
Computer Bild-Chefredakteur Axel Telzerow: "American innovation meets German Gründlichkeit“

Eigentlich schien alles perfekt: Eine Firmenadresse in Mountain View, unweit des Google Headquarters, eine eigentlich smarte Geschäftsidee und eine starke Marke im Hintergrund. Am Ende nutzte es nichts. Nach gerade mal vier Monaten verriegelt Axel Springer seine im Sommer eröffnete Testgarage. Das Portal sollte mit "German Gründlichkeit" Testwissen der Computer Bild in die USA exportieren.

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„Das Portal testgarage.com führen wir als Stand-alone-Angebot nicht fort“, heißt es in einer Antwort von Axel Springer auf eine entsprechende Anfrage von MEEDIA, „wir werden die Themen verstärkt auf computerbild.de integrieren, und vor allem bei Anlässen – wie großen Messen – über neue Produkte und Entwicklungen aus den USA berichten.“ Trotz des schnellen Scheiterns kann das Medienhaus dem Experiment auch Gutes abgewinnen: „In der viermonatigen Testphase des Portals haben wir viele Erfahrungen gesammelt, neue Erzählformate ausprobiert und wertvolle Kontakte innerhalb der Tech-Szene im Silicon Valley geknüpft. Zur Freude an Innovationen und Experimenten gehört bei Computer Bild aber immer auch die Bereitschaft, Projekte nach einer Testphase anzupassen.“

Hinter Testgarage.com stand dabei eigentlich ein interessantes Konzept. Unter dem Label der „German Gründlichkeit“ übersetzte das Team um Chefredakteur Axel Telzerow die umfangreichen Technik-Testreihen aus dem Hamburger Cobi-Labor ins Englische. In den USA fehlt bislang (und weiterhin) ein vergleichbarer Dienst. Schon vor dem Start hatte MEEDIA jedoch kritisch angemerkt: „Fragt sich nur, ob sich die technik-affinen US-Verbraucher für penible teutonische Prüfreihen begeistern können. Denn bislang überzeugen die US-Medien vor allem mit ihrem sehr praktischen und hemdsärmeligen Usecase-Ansatz. Es zählt dabei die Praxis und weniger das Labor.“

Das wollte Telzerow ändern. Die Idee hinter dem Springer-Projekt folgte der Frage, was eigentlich passiert, wenn „American innovation“ „German Gründlichkeit“ trifft. Immerhin rühmen sich die Hamburger, dass sie längst mehrere Millionen Euro in Text-Equipment investiert hätten. „Wir testen neue Produkte mit rigider Genauigkeit und folgen dabei einem exakten Kriterien-Katalog“, heißt es auf der neuen Seite.

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Der Chefredakteur damals: „Wir wollen hier einmal etwas ganz Neues ausprobieren und sind jetzt sehr gespannt, wie unser Experiment angenommen wird. Unsere Gründlichkeit hat uns zum Marktführer in Europa gemacht und uns auf die Idee gebracht, dass auch amerikanische Nutzer unsere Tests schätzen könnten. Damit im Internet nicht nur Branchen-Klatsch und Jubel-Arien zu neuen Produkten stattfinden, sondern knallharte, fundierte und unabhängige Tests.“

Das Modell hat nicht funktioniert. Und nach der VC-Grundregel „Fail fast“ hat das inzwischen digital versierte Medienhaus die Notbremse gezogen.

 

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Alle Kommentare

  1. Naja für viele ist ComputerBild tatsächlich (immer noch) ein seriöses Testmagazin. Der Verlag hat zwar einen Teil seiner Redakteure Mitte 2012 entlassen und durch Schreibsklaven pardon Volontäre ersetzt, aber ich denke mal an der Qualität hat sich nichts geändert. Vielmehr arbeitet doch Computer Bild mit ideal (ebenfalls Springer) zusammen, die „unabhängige“ Preisvergleiche anbieten…

    Die Testberichte sind doch schon sehr von den Werbekunden geprägt und weisen Tendenzen auf. Da schaue ich doch lieber unabhängige (kostenlose) Tech Blogs an…

    Es reicht halt nicht auf Startup zu machen, sich eine Google Glass Brille aufzusetzen und sich (fast peinlich) eine Garage im Silicon Valley zu mieten – glaubt auch wirklich nur einer, irgendjemand würde CB oder Springer auch nur in der Nähe von Apple sehen? Wenn Google, Facebook oder Apple mal wieder etwas über den Zaun werfen, agieren die heutigen Investigativ-Journalisten doch fast wie Fanboys oder Papparzzi … da gibt es dann Liveticker, wenn Apple oder Google ein neues Gerät vorstellen und im Minutentakt wird berichtet, als wäre ein Flugzeug abgestützt. Nur noch peinlich… früher nannte man das Pressemeldung und ein paar Tage später erschien ein kritischer Bericht – heute gleicht es fast einer Kaufempfehlung. Und um sich dann doch wieder journalistisch abzuheben verbiegt man mal einen Smartphone Rahmen (das macht dann sogar der letzte verbliebene Redakteur vor der Kamera persönlich). Na prost!

  2. Muhahahaha!

    Ich glaube, ich werde „Berater“ – oder schimpfe mich gleich neudeutsch Consultant.

    Im angelsächsischen Raum mag man etwas hemdsärmeliger an Technikthemen rangehen – aber einen Markt für Testmagazine gibt es auch dort. „Consumer Report“ ist eine amerikanische Institution…

    Es wird wohl doch eher daran gelegen haben, daß in den USA kaum jemand nach einem solchen Angebot geschaut hat (und Springer mutmaßlich eher nicht die millionenschwere Werbekampagne spendierte, um die Seite publik zu machen) und, wie ich bereits in der erstens Meldung zum Thema anmerkte, an der schlichten Tatsache, daß selbst Produkte mit identischer Typenbezeichnung in der US-Version ganz andere Fähigkeiten und Defizite haben können als ihre EU-Gegenstücke.

    Meines Wissens ist die EU-Lautstärkebegrenzung von MP3-Spielern in den USA kein Thema; ebenso wie die – längst überholten Schutzzöllen geschuldete – Aufnahmebegrenzungen für EU-Kameras und Camcorder.

    Bei Fernsehern wird’s dann ganz kompliziert…

    Selbst, wenn man das alles nachrecherchiert: Seriöse Testergebnisse für den US-Markt erhielte man nur, wenn man sich US-Produkte besorgte. Das war Springer wohl zu teuer…

  3. „Ich lerne, wenn ich gescheitert bin und nicht,
    wenn ich Erfolg hatte.“ (Reinhold Messner).
    Die „German Gründlichkeit“ wäre vielleicht eine Marktniesche für Tests in der Lebensmittelindustrie in den USA anstatt im IT Bereich!

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