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ARD-Pressekonferenz nach Naidoo-Debakel: das große Zurückrudern

NDR-Intendant Lutz Marmor
NDR-Intendant Lutz Marmor

Zum letzten Mal tagte die ARD-Intendantenkonferenz unter ihrem Noch-Vorsitzenden Lutz Marmor. 2016 übernimmt MDR-Intendantin Karola Wille diesen Posten. Marmor zog seine Bilanz über die Berichterstattung des öffentlichen Rundfunks, Personalpolitik und die NDR-Panne bei der ESC-Nominierung von Xavier Naidoo.

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In Hamburg hatten sich die ARD-Intendanten zur Konferenz getroffen – zum letzten Mal unter dem Vorsitz von NDR-Intendant Lutz Marmor, der seit Anfang 2013 den Posten als ARD-Chef inne hat. Auf seiner letzten Pressekonferenz als Vorsitzender wollte Marmor Ergebnisse präsentieren und eine Bilanz ziehen. Doch im Fokus stand zunächst das Debakel, um die Doch-wieder-nicht-Nominierung von Xavier Naidoo für den ESC in Stockholm. Auch ARD-Programmdirektor Volker Herres und sein NDR-Kollege Frank Beckmann nahmen Stellung zu dem Patzer.

„Der NDR hat einen Fehler gemacht“, stellte Marmor schon zu Beginn der Pressekonferenz klar. Man habe in der Angelegenheit Naidoo kein gutes Bild abgegeben. Die großen Erfolge des Sängers hätten im Vordergrund gestanden. Die Wucht der Reaktionen auf die Nominierung Naidoos habe alle überrascht, so der ARD-Vorsitzende. Man habe die Kritik ernst genommen und die Nominierung zurückgezogen: „Der Charakter des ESC wäre sonst überlagert worden“, erklärte Marmor. Auch NDR-Programmchef Frank Beckmann spricht von einem Fehler und übt Selbstkritik an der internen Kommunikation. Beckmann nimmt seinen Unterhaltungschef Thomas Schreiber allerdings in Schutz: Dieser habe wegen anderer Themen unter Druck gestanden.

Auch ARD-Programmdirektor Volker Herres verteidigte Schreiber, den er zuvor in der Presse kritisiert hatte. Schreiber arbeite an seinen Themen mit großer Leidenschaft, manchmal gehe ihm allerdings das Herz über. Schreiber „genießt aber weiterhin mein größtes Vertrauen“, so Herres.

Im Vorfeld der Pressekonferenz hatte ein Facebook-Posting von Xavier Naidoo für Aufsehen gesorgt. Der Sänger spricht darin von einer „vertraglichen Einigung“. NDR-Programmdirektor Beckmann widerspricht: Es hätte im Vorfeld nur mündliche Vereinbarungen gegeben. Inwieweit diese rechtlich bindend seien, müsse jetzt juristisch beurteilt werden. Zu etwaigen Schadenersatzansprüchen wollte sich Beckmann nicht äußern.

Viel Reue, viel Zurückrudern. Doch wie können derartige Pannen in Zukunft vermieden werden? Marmor bestätigt, dass es die Tendenz gäbe beim ESC-Entscheid zum Wettbewerb zurückzukehren. Das würde bedeuten, dass auch wieder das Publikum Mitspracherecht über die ESC-Nominierung erhalten würde.

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Nicht nur in Bezug auf Naidoo musste sich die ARD mit Kritik auseinandersetzen, auch nach den Anschlägen von Paris gab es Stimmen, die die Entscheidung der ARD, die Übertragung aus dem Fußballstadion nicht zu unterbrechen, als falsch bezeichneten. ARD-Programmdirektor Volker Herres ist dagegen überzeugt, dass die ARD nach den Anschlägen von Paris ihrem eigenen Qualitätsanspruch gerecht geworden ist – das zeigten auch die Quoten: „Wenn es ernst wird, sind die Leute beim Ersten.“ Auch am Freitagabend, während sich die Ereignisse in der französischen Hauptstadt überschlugen, habe die ARD geliefert. Wenn auch, wegen des späten Freitagabends, mit Verzögerung: „Wir werden leider nicht vom IS informiert“, kontert Herres Kritik an der späten Berichterstattung. Dennoch müsse man sich fragen, ob man für solche Situationen die richtige Aufstellung habe.

Auch das Thema Flüchtlinge stand auf der Tagesordnung: Im Oktober hatte CSU-Mann Andreas Scheuer einen Beitrag zur Integration von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gefordert. Mit „Refugees.ard.de“ bietet die ARD nun Angebot, das sowohl in Arabisch als auch in englischer Sprache zur Verfügung steht. Nicht nur die „Tagesthemen in 100 Sekunden“ werden dort ausgestrahlt, auch eine Übersetzung von „Sesamstraße“ und der „Sendung mit der Maus“ seien in Planung. Das Thema Flüchtlinge wird die ARD weiter begleiten – das machte auch Programmdirektor Herres deutlich. Es soll im nächsten Jahr darum gehen, Ängsten in der Bevölkerung mit Argumenten und Informationen zu begegnen, Risiken und Chancen offen zu thematisieren.

In der Personalpolitik setzen die Sender auf Kontinuität: Caren Miosga bleibt bis mindestens Sommer 2019 erste Moderatorin der „Tagesthemen“. Sandra Maischberger behält ihre Talkshow bis Ende 2017. Eine kleine Änderung gibt es doch: Aus „Menschen bei Maischberger“ wird schlicht „Maischberger“, ab 13. Januar rückt die Talk-Runde für Anne Will auf den Mittwochsendeplatz um 22.45 Uhr. Anne Will übernimmt mit ihrem Team den Sendeplatz des scheidenden Günther Jauch am Sonntag um 21.45 Uhr nach dem „Tatort“.

Der Vorsitz der ARD „sei Ehre und Verantwortung zugleich“ sagte Marmor über seine Zeit als Chef des Ersten. Ab 2016 übernimmt dann MDR-Intendantin Karola Wille seinen Posten. Ein Übergang von Mann zu Frau, so Marmor. Aber größere Änderungen werde der Wechseln nicht bringen. Die ARD bleibt halt die ARD.

 

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