„Anonymous.Kollektiv“: Wie rechte Trittbrettfahrer mit einer Fake-Seite auf Like-Fang gehen

Das Hacker-Kollektiv bekämpft die Terrororganisation ISIS mit IT-Mitteln – von der Popularität der Aktion versuchen obskure Gruppen zu profitieren
Das Hacker-Kollektiv bekämpft die Terrororganisation ISIS mit IT-Mitteln – von der Popularität der Aktion versuchen obskure Gruppen zu profitieren Screenshot Facebook

Das Hacker-Kollektiv Anonymous geht gegen den sogenannten Islamischen Staat vor. Das gefällt vielen – auch in den sozialen Netzwerken. Eine deutsche Facebook-Seite, die sich als Ableger von Anonymous ausgibt, macht sich diese Stimmung zu Nutze. Doch dahinter steckt nichts weiter als ein Sammelsurium von rechten Verschwörungstheorien .

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Nach den Anschlägen von Paris war es das Hacker-Kollektiv Anonymous, das sich innerhalb eines Tages zum Gegenschlag formierte. Ein Hacker-Angriff auf die Accounts der Terroristen in den sozialen Netzwerken, auf Server und ihre Kommunikationskanäle im Netz. Es fanden sich zahlreiche Unterstützer. Wer nicht selbst mitmachen konnte, der versah die Social-Media-Repräsentanzen des Hacker-Kollektivs mit einem „Follow“ oder „Gefällt mir“. Solidarität und Unterstützung via Klick. Doch nicht hinter jeder Seite steckt tatsächlich das Kollektiv der Netzaktivisten.

Ganz besonderen Zuspruch erhielt in den vergangenen Tagen die Seite „Anonymous.Kollektiv“. Rund 1,4 Millionen Anhänger hat die Seite – doch wissen die Fans tatsächlich, was und wer sich hinter der Seite verbirgt? Viele deutsche Medien warnen jetzt vor den Inhalten der Seite, denn die hat nicht wirklich etwas mit den Zielen des tatsächlichen internationalen Kollektivs zu tun.

Pegida, Hetze gegen Flüchtlinge und allerlei Verschwörungstheorien – diese Themen besetzt die Seite. Anders als das Hacker-Kollektiv, das sich Themen wie Netz- und Datenfreiheit verschrieben hat und politisch neutral ist. Die Seite macht auch gerne einmal Werbung für das umstrittene Magazin Compact. Wie „Netz gegen Nazis“ schreibt, sind es eben diese Postings, die deutlich machen, dass die Seite mit dem eigentlichen Hacker-Kollektiv nichts gemeinsam habe.

Die Popularität der Angriffe auf den IS macht sich auch die Seite zu Nutze. Auf der Seite veröffentlicht das „Kollektiv“ Aufrufe und Erfolgsmeldungen zu den Attacken auf die Terrororganisation. Doch zwischen diesen Postings finden sich unverhohlene Hetze gegen Flüchtlinge oder zum Beispiel auch ein Boykott-Aufruf gegen den Münchner Flughafen, der seinen Weihnachtsmarkt in Wintermarkt umbenannt hat.

Die Betreiber der Seite sehen darin „den neuesten Beweis dafür, wie Deutsche im eigenen Land diskriminiert werden“. Der Flughafen München hat inzwischen auf die Vorwürfe reagiert und darauf verwiesen, dass der Wintermarkt seinen Namen bereits seit 2006 habe. Das liege daran, dass sich die Öffnungszeiten eben nicht an denen klassischer Weihnachtsmärkte orientieren. Es sind Aufrufe wie diese, die mit der politischen Neutralität des Kollektivs eigentlich nichts gemeinsam haben.

Viele Medien nehmen den Popularitätsschub der Seite dank der Kriegserklärung an den IS zum Anlass, um auf die eigentlichen Ziele der Seite hinzuweisen. „Denn sie wissen nicht, was sie liken„, schreibt Spiegel Online. Auch Handelblatt.com warnt vor der Seite. Die Huffington Post stellt einen Link vor, der Unterstützer der gefälschten Seite im eigenen Facebook-Freundeskreis anzeigt. Auch die Seite „Anonymous Deutschland“ fasst zusammen, warum sich die Seite nicht um die offizielle Repräsentanz des Kollektivs handeln kann.

 

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