Studie berücksichtigte Digitalangebot nicht: Bild doch meinungsmächtiger als das ZDF

Wer hat mehr Meinungsmacht? Bild-Chef Kai Diekmann (l.), ZDF-Intendant Thomas Bellut
Wer hat mehr Meinungsmacht? Bild-Chef Kai Diekmann (l.), ZDF-Intendant Thomas Bellut

Anfang der Woche hatten die Landesmedienanstalten eine überraschende Meldung für die Branche: "ZDF löst Bild-Zeitung als meinungsmächtigstes Medienangebot ab" war danach das Ergebnis einer umfassenden Studie über den Einfluss von Medienmarken und -gattungen auf die Meinungsbildung der Deutschen. Der Haken dabei: Rechnet man die Einzeldaten zusammen, so wäre die umgekehrte Headline korrekt.

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Für das Ranking der Medien-Unternehmen (Platz 1: ARD, Platz 2: Bertelsmann, dahinter Springer und das ZDF) werden alle Medienmarken gattungsübergreifend zusammengezählt. Für die Einzel-Rankings der Marken allerdings werden Vertriebskanäle wie Bild und Bild.de hingegen getrennt gewertet. Warum die Macher der Studie so verfahren, ist logisch nicht nachvollziehbar. Zwei Jahrzehnte nach Start des Internets sollte den Wissenschaftlern eigentlich die Digitalisierungsstrategien der Medienhäuser nicht verborgen geblieben sein. Würde man Bild und Bild.de zusammen zählen, läge die Marke mit 4,9% leicht vor ZDF & zdf.de(4,8%).

Dass die Studie dies im Ergebnis anders wertet, ist somit angesichts der erhobenen Daten falsch, zumal Bild Online und Print seit einiger Zeit sogar unter einem einzigen Markennamen führt. Gerade Axel Springer treibt die Digitalisierung seines Boulevardblattes seit Jahren massiv voran und erreicht im Online-Bereich mit dem traffic-stärksten News-Portal der Republik bereits rund 17 Millionen Menschen. Demgegenüber sinkt die Auflage der gedruckten Zeitung kontinuierlich. Eine Trennung der Medienmarke, die auf den unterschiedlichen Plattformen den gleichen Inhalt anbietet, erscheint vor diesem Hintergrund willkürlich und wird der Sache nicht gerecht. Auch MEEDIA hatte über die Studie berichtet und den methodischen Haken zunächst übersehen.

Der MedienVielfaltsMonitor erscheint seit Oktober 2012 halbjährlich und wird von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) veröffentlicht. Ziel ist es, das Gewicht einzelner Medienmarken und Medienunternhemen bei der Informations- und Meinungsbildung der Bevölkerung aufzuzeigen. Grundlage der Untersuchung sind Nutzerzahlen der einzelnen Medien laut ma Pressemedien, ma Radio, TV-Quoten laut AGF/GfK und Internet-User-Daten laut Nielsen.

Die Gewichtung der Mediengattungen zur Meinungsbildung wird dabei von einer TNS-Infratest-Gewichtungsstudie beigesteuert.Der Daten-Pool entsteht durch Vernetzung der Ergebnisse der regelmäßigen Reichweitenstudien von agma, GFK und Nielsen sowie den Beteiligungsverhältnissen der Medienunternehmen. Derzeit kommt das Fernsehen so zu einem Anteil von 35,9% an der Meinungsbildung der Deutschen, Tageszeitungen auf 21,0%, das Internet auf 20,6%, das Radio auf 19,7% und Zeitschriften auf 2,8%. Der Anteil des Fernsehens ist dabei deutlich rückläufig, der des Internet steigt stark an.

(js/ga)

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