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Und damit zurück zum Spiel: Wie die ARD die eigenen Fußballreporter beim Terror in Paris im Stich ließ

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Der blutige Terror kam ohne Vorwarnung über Paris und überraschte die Medien genauso wie die nichts ahnenden Menschen auf den Straßen. Auch die ARD, die am Freitagabend das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in der französischen Hauptstadt übertrug, war nicht vorbereitet und reagierte viel zu spät. Obwohl es schon Meldungen über Dutzende Tote, Anschläge an mehreren Orten und Explosionen sogar im Stadion zu hören waren, unterbrach das Erste seine Live-Sendung nicht – die Sport-Moderatoren Tom Bartels und Matthias Opdenhövel waren weitgehend auf sich allein gestellt.

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Es gäbe Wichtigeres, über das derzeit gesprochen werden müsse, so Bartels während der Live-Übertragung des Fußballspiels. Er wisse auch nicht mehr, was er sagen solle. Und doch musste der ARD-Kommentator bis Abfiff – und auch darüber hinaus – durchhalten. Während des Spiels der Nationalmannschaften Frankreich und Deutschland kam es in Paris zu mehreren Gewalttaten, auch direkt am Stadion gab es Explosionen, die in der Arena zu hören waren. Bei einer habe man sogar gespürt, wie  (O-Ton von Moderator Matthias Opdenhövel) „der Boden vibriert“ habe. Erste Meldungen zu den Anschlägen gab es um kurz vor 22.00 Uhr. Während der deutsche Außenminister und der französische Präsident informiert und evakuiert worden sind, sendete Das Erste das Fußballspiel weiter. Während Online-Medien sofort reagierten und Live-Eindrücke unmittelbar via Twitter und Periscope verfügbar waren, reagierte der öffentlich-rechtliche Sender zunächst gar nicht und überließ den Kommentator sich selbst – und ließ ihn damit im Stich.

Das Handeln der ARD, die Übertragung nicht zu beenden und auch nach der Sendung die Sportkollegen – die immer wieder betonten, dass sie nichts sagen wollen – überwiegend live auf Sendung zu lassen, sorgte in den sozialen Netzwerken für Kritik.

Während Moderator Matthias Opdenhövel direkt nach Abpfiff erklärte, man wolle den restlichen Abend nicht mehr über Sport sprechen, waren seine Programmmacher – vielleicht aus Mangel verifizierter Inhalte, vielleicht aus produktionstechnischen Gründen – anderer Meinung oder zumindest nicht in der Lage, die Sportreporter aus ihrer bizarren Situation zu befreien. Während das ZDF später in eine lange, ausgeruhte und einordnende Sondersendung ging, unterbrach Das Erste unregelmäßig das Programm für eine Sondersendung der „Tagesschau“, ließ die News-Experten und erfahrenen Nachrichtenjournalisten von ARD Aktuell aber nicht auf Sendung bleiben. Stattdessen musste Opdenhövel immer wieder Spielberichte ankündigen und Schalten zu Feldreportern moderieren – was offensichtlich niemandem gefiel.

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Opdenhövel wie auch die die Stadionreporter betonten immer wieder, dass sie selbst nichts mehr zu den Ereignissen sagen könnten – es schien wie ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Regie der Sendung, die Berichterstattung endlich abzugeben.

Selbst ARD-Journalisten wie „Monitor“-Chef Georg Restle kritisierten Das Erste:

Für die Sportkollegen, die statt der Nachrichtenmoderatoren auf Sendung waren, gab es lobende Worte:

Das Erste fing sich erst nach 0.00 Uhr und brachte eine längere „Tagesschau“ auf Sendung. Beim ZDF war man da mit der aktuellen Nachrichtenlage längst durch.

Entgegen der Kritik an der Reaktion der Programmverantwortlichen, gibt es auch Zuschauer, die das Handelnverteidigen und eine „unerfüllbare Erwatungshaltung“ kritisieren. Ein ausführliches Stück dazu hat der Journalist Udo Stiehl in seinem Blog veröffentlicht

Update, 14.01 Uhr: 

Gegenüber Dwdl.de hat sich ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke geäußert und die Entscheidung, die Sportkollegen berichten zu lassen, verteidigt: „Zunächst sind viele Beobachter davon ausgegangen, dass das Stadion Schwerpunkt des Geschehens war (…) Entsprechend war es richtig, dass die Sport-Kollegen direkt von dort über die Ereignisse abseits des Spielfelds berichtet haben. In dem Maße, in dem die Erkenntnisse zunahmen, haben wir die Zuschauerinnen und Zuschauer durch ‚Tagesschau‘-Sonderausgaben auf dem Laufenden gehalten und sind schließlich auf Strecke gegangen.“ Moderator Matthias Opdenhövel wollte sich bisher nicht zu den Vorkommnissen am Freitagabend äußern.

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Alle Kommentare

  1. Die ARD ist wie ein Tanker. Auf plötzliche Ereignisse kann nur schlecht reagiert werden. Und dann noch Wochenende! Da sind doch alle zu Hause. Wohl das größte Armutszeugnis der ARD seit ihrem Bestehen.

  2. Ich empfinde das für sehr traurig und ein absolutes Armutszeugnis von der ARD das sie hier nicht sofort reagiert hat. Ich möchte mal wissen für was zich Millionen Haushalte die Gebühren bezahlen. Aber Hauptsache die ARD macht Kohle großen Respekt vor den Moderatoren. Hier sieht man mal wieder die Politik der Firmen. Im Ernstfall „opfern“ wir auch unsere Mitarbeiter, traurig.

  3. jetzt mal selbstkritisch liebe ARD KollegInnen… ja ich ich habe das mehr oder weniger frustrierende Fußballspiel aus Paris auch gesehen und bekam beim Umschalten auf BBC news und BBC World sofort die Infos , die ich brauchte, als erste Übersicht…da schliief die ARD Aktuell noch tief und ließ die SportkollegInnen komplett alleine vor Ort…in solchen Fällen erwarte ich von Aktuellen, ich bin selbst einer, sofortige Reaktion, rauf auf den sender und Koordination aus der Zentrale…noch einmal wenn die BBC mich informieren kann, der ich z.B. en France und im UK arbeite, dann ist irgendetwas mit der Nachrichtendenke der ARD schief gelaufen….so gesehen lieber HF Kollege Stiehl alles richtig….aber was war das was wir als Seher da von der ARD geliefert bekamen…..und Herr Chefredakteur, mal auch selbstkritisch, die Seher und Hörer interessiert es nicht, was bei euch gerade läuft oder nicht läuft intern, sie wollen Infos…..die ARD hat deutlich geschlafen……es ist an der Zeit dass die ARD ( und auch das ZDF) in TV und Radio endlich mal ihr aktuelles Auslands- Berichterstattungskonzept überarbeitet und endlich mal wieder in Auslandsjournalismus und Personal investiert….arme Ellis F. raus dem Auto live auf den Sender und kaum Infos. !

  4. jetzt mal selbstkritisch liebe ARD KollegInnen… ja ich ich habe das mehr oder weniger frustrierende Fußballspiel aus Paris auch gesehen und bekam beim Umschalten auf BBC news und BBC World sofort die Infos , die ich brauchte, als erste Übersicht…da schliief die ARD Aktuell noch tief und ließ die SportkollegInnen komplett alleine vor Ort…in solchen Fällen erwarte ich von Aktuellen, ich bin selbst einer, sofortige Reaktion, rauf auf den sender und Koordination aus der Zentrale…noch einmal wenn die BBC mich informieren kann, der ich z.B. en France und im UK arbeite, dann ist irgendetwas mit der Nachrichtendenke der ARD schief gelaufen….so gesehen lieber HF Kollege Stiehl alles richtig….aber was war das was wir als Seher da von der ARD geliefert bekamen…..und Herr Chefredakteur, mal auch selbstkritisch, die Seher und Hörer interessiert es nicht, was bei euch gerade läuft oder nicht läuft intern, er will Infos…..und da hat die ARD deutlich geschlafen……es ist an der Zeit dass die ARD ( und auch das ZDF) in TV und Radio endlich mal ihr aktuelles Auslands- Berichterstattungskonzept überarbeitet und endlich mal wieder in Auslandsjournalismus und Personal investiert….arme Ellis !

  5. Herr Gniffke muss natürlich von Amts wegen „seine“ Leute verteidigen. Die ewige Selbstgerechtigkeit in Lokstedt findet aber hoffentlich intern eine Aufarbeitung. Das war gestern sehr schwach von der ARD. ZDF, BBC, AlJazeera… selbst auf Twitter gab es mehr Informationen. Die ARD zeigt allen Ernstes einen „Sportclub“. Na ja.

  6. wieder einmal zeigen die öffentlich rechtlichen ihre Unfähigkeit zur spontanen Berichterstattung. Und wieder blieben dem deutschen Fernseher nur CNN, BBC und al Jazeera, die das aktuelle Bildmaterial des französichen Fernsehens übernahmen.

    Einen Intendanten gibt es scheinbar weder bei ARD noch ZDF ausserhalb der normalen Bürozeiten.

  7. Ich halte den Beitrag von Udo Stiehl für vermessen. Er ist Hörfunk-Mann, hat nie etwas Anderes gemacht und beurteilt interne Abläufe der TV-Kollegen vom Fernseh-Sessel aus. Udo Stiehl wusste beim Verfassen seines Beitrags mit Sicherheit noch nicht, was in Hamburg bei der TS gut lief und was nicht. Er lehnt sich hier zu weit aus dem Fenster. Stiehl sollte sich besser nicht so wichtig nehmen – und am Ende noch meinen, man müsse das zahlende Publikum maßregeln.

  8. Für mich hat sich gestern die ARD als zuverlässiges Nachrichtenmedien verabschiedet. Während der schrecklichen Ereignisse Spielbericht versenden, geht für einen selbsternannten Qualitätssender, der in Selbstdarstellungen regelmäßig seine Nachrichtenkompetenz als Legitimation für seine Finanzierung benutzt, gar nicht. Großes Lob aber an Thorsten Schröder, der dann sehr ruhig und professionell agiert hat und natürlich auch an die „verlassenen“ Moderatoren.

    Das ZDF hat gestern abend eine sehr gute Berichterstattung gemacht. Nicht nur, dass es schnell und angemessen reagiert hat, auch Marietta Slomka und Theo Koll haben gezeigt, dass bei aller gezeigten Betroffenheit eine sachliche Art in einer solchen Situation für den Zuschauer sehr hilfreich ist. Vielen Dank, liebes ZDF, dass Sie an diesem schrecklichen Abend uns zur Seite standen.

  9. Für mich hat sich gestern die ARD als zuverlässiges Nachrichtenmedien verabschiedet. Während der schrecklichen Ereignisse Spielbericht versenden, geht für einen selbsternannten Qualitätssender, der in Selbstdarstellungen regelmäßig seine Nachrichtenkompetenz als Legitimation für seine Finanzierung benutzt, gar nicht. Großes Lob aber an Thorsten Schröder, der dann sehr ruhig und professionell agiert hat.

    Das ZDF hat gestern abend eine sehr gute Berichterstattung gemacht. Nicht nur, dass es schnell und angemessen reagiert hat, auch Marietta Slomka und Theo Koll haben gezeigt, dass bei aller auch gezeigten Betroffenheit eine sachliche Art in einer solchen Situation für den Zuschauer sehr hilfre

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