Nannen Preis mit neuem Konzept: mehr Journalismus, weniger Brimborium

Der neue Nannen Preis, Gastgeber und stern-Chefredakteur Christian Krug: Back to the Roots
Der neue Nannen Preis, Gastgeber und stern-Chefredakteur Christian Krug: Back to the Roots

Publishing Der Henri-Nannen-Preis ist zurück: Nachdem der begehrteste Journalisten-Award Deutschlands 2015 pausierte, werden die Trophäen im kommenden Jahr wieder verliehen. Gruner + Jahr hat die kreative Auszeit genutzt, um das Format umfassend zu modernisieren. Mehr Journalismus, lautet die Devise, und auch ganz so feierlich wie zuvor soll es nicht mehr zugehen: Der Smoking darf künftig zuhause bleiben.

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Erster auffälliger Unterschied: Der Preis heißt nicht mehr Henri-Nannen-Preis, sondern einfach Nannen Preis ohne den bisher üblichen Bindestrich. Auch sonst geht es schlichter zu: An die Stelle einer zur Mega-Gala mit Luxus-Limos und roten Teppichen aufgemotzten Veranstaltung wird ein auf das Wesentliche konzentrierter Event treten. Das Oscar-Feeling ist ab 2016 futsch, und nicht allzu viele Gäste und Nominierte werden das vermissen. Die journalistische Leistung soll ganz im Vordergrund stehen, und die braucht weder Frack noch Festkleid. Feierlich soll es zugehen, aber nicht pompös: Henri ist nicht Bambi. Ort der Preisvergabe ist im Frühjahr 2016 das Curio Haus in Hamburg-Rotherbaum.

Wie das Medienhaus am Donnerstag bekannt gab, werden die Preise ab 2016 in sechs Kategorien verliehen. Drei davon sind den Reportagen vorbehalten, die in den Formaten Text, Web sowie Foto gekürt werden. Damit trägt G+J dem digitalen Medienwandel Rechnung. Dennoch wird die gedruckte Artikelform weiterhin die Königsklasse sein: Die nun wieder auch offiziell Egon-Erwin-Kisch-Preis genannte Trophäe gilt als Hauptpreis. Henri Nannen, der dem Wettbewerb weiter seinen Namen gibt, ist damit nicht mehr ganz so präsent. Das ist wohl auch gut so, nachdem es in der Vergangenheit mehrfach Eklats gab, weil internationale Preisträger die Auszeichnung mit Hinweis auf die Vergangenheit Nannens als Kriegsberichterstatter des NS-Regimes zurückgeben oder sogar die Büste mit dem Konterfei des stern-Gründers einschmelzen wollten.

Auch die schwere Bronzefigur ist nun Geschichte und wird durch eine neu gestaltete Trophäe ersetzt. Wie diese aussehen wird, steht noch nicht endgültig fest; das neue Logo der Website www.nannen-preis.de dürfte aber einen ungefähren Anhalt liefern. Ab sofort können Arbeiten für den Preis eingereicht werden. Die Frist endet am 6. Januar. Die Kategorien im Überblick: beste Reportage (Egon Erwin Kisch-Preis), beste Foto-Reportage, beste Web-Reportage, beste investigative Leistung, beste Dokumentation und beste inszenierte Fotografie. Eingereicht werden können journalistische Texte und Fotoreportagen, die im Kalenderjahr 2015 in deutschsprachigen Medien veröffentlicht wurden. Darüber hinaus kann die Jury einen Sonderpreis für eine außerordentliche journalistische Leistung vergeben. Die bisher übliche Auszeichnung für ein Lebenswerk entfällt.

Die Preise werden am 28. April verliehen, Gastgeber ist stern-Chefredakteur Christian Krug: „Hervorragende journalistische Arbeiten gibt es mehr als jemals zuvor. Das trifft für Reportagen in allen Medienformaten ebenso zu wie für Dokumentationen oder investigative Leistungen. Die besten von ihnen verdienen Preis und Anerkennung. Wir verstehen den Nannen Preis als Leistungsschau unserer Branche. Wir feiern ein Fest des Journalismus.“ Dass dies im Vergleich zu den rauschenden Gala-Veranstaltungen der Vergangenheit wohl auch ein geringeres Budget haben wird, wird kaum ins Gewicht fallen: Die teuerste Party ist nicht automatisch die beste.

(ga)

Die Mitglieder der Jury 2016: Klaus Brinkbäumer (Chefredakteur Spiegel), Ulrike Demmer (Leiterin Hauptstadtbüro Redaktionsnetzwerk Deutschland, Madsack-Gruppe), Tina Hassel (Chefredakteurin Fernsehen und Leiterin des ARD-Hauptstadtbüros), Marion Horn (Chefredakteurin Bild am Sonntag), Christian Krug (Chefredakteur stern), Christoph Kucklick (Chefredakteur Geo), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur  Die Zeit), Mathias Müller von Blumencron (Chefredakteur Digital FAZ), Annette Ramelsberger (Reporterin SZ), Ulrich Reitz (Chefredakteur Focus), Christoph Schwennicke (Chefredakteur Cicero) und Andreas Wolfers, Leiter der Henri-Nannen-Schule und Sprecher der Jury. Über die Fotografie-Preise entscheidet eine eigene Jury.

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