Amazon drohen Streiks im Weihnachtsgeschäft

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Dem Internet-Versandhändler Amazon stehen wegen des Tarifstreits mit der Gewerkschaft Verdi weitere Streiks ins Haus. "Im Weihnachtsgeschäft sollte das Amazon-Management auf alles gefasst sein", sagte der für den Versandhandel zuständige Gewerkschaftssekretär Stefan Najda der WirtschaftsWoche. Geplant seien Streiks und Proteste.

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Verdi will bei Amazon Einzelhandelstarife durchsetzen. Der Versandriese sieht sich als Logistiker und lehnt das ab.

Verdi und der Handelsverband Deutschland (HDE) arbeiten derzeit an einer Reform der Tarifverträge im Einzelhandel. „Dabei geht es nicht nur darum, wie welche Tätigkeiten künftig bezahlen werden, sondern auch darum, welche Bereiche künftig dem Handel zugeordnet werden“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der WirtschaftsWoche.

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Alle Kommentare

  1. Wow. Herr Conen, ich ziehe den Hut vor so viel Menschenverachtung und Wirtschaftshörigkeit. Wird so geboren oder muss man sich das erst anlernen?

    Aber im Ernst: Wenn die Streiks bei Amazon insbesondere im Weihnachtsgeschäft wenig Wirkung entfalten, so liegt dies nicht zuletzt daran, dass Amazon auch jetzt wieder, wie schon im letzten Jahr, massiv Saisonarbeiter einstellt, bis die Versandlager vor lauter Mitarbeitern überquellen und mehr Leute da sind als überhaupt gebraucht werden. So wird aktuell mal wieder altgedienten Mitarbeitern Überstundenabbau nahegelegt, weil nicht genug für alle zu tun ist. Und das kurz vor Weihnachten. Letztes Jahr hatten wir mehrere bezahlte Schichtabbrüche, und so wie es aktuell aussieht, dürfte uns das auch dieses Jahr wieder bevorstehen.

    Da frage ich mich doch: Ein Arbeitgeber, der offenbar über genügend Geld verfügt, um Mitarbeiter weit, weit über Bedarf zu beschäftigen, der kann es sich nicht leisten, dieses Geld statt dessen in Form eines Tarifvertrages an die vorhandenen Mitarbeiter zu zahlen? Ja, das klingt sehr amerikanisch. „Lieber verschwende ich Milliarden, um die blöde Gewerkschaft zu bekämpfen, bevor ich denen freiwillig auch nur einen Cent schenke.“ Besonders wirtschaftlich wirkt das auf mich nicht, sondern nur ideologisch verbohrt.

    Und dass Mitarbeiter die gerade frisch aus der Arbeitslosigkeit kommen und nur einen auf ein bis zwei Monate befristeten Arbeitsvertrag haben und sich Hoffnungen auf eine Verlängerung machen, es vorziehen, sich nicht an einem Streik zu beteiligen, kann ich auch nachvollziehen. Viele der Kollegen sind mittlerweile das zweite oder gar dritte Mal als Saisonkräfte bei uns beschäftigt. Hier von „motivierten Mitarbeitern mit Erfahrung im Betrieb“ zu reden, halte ich schon für regelrecht zynisch. Andererseits kommen aber gerade im Weihnachtsgeschäft auch sehr viele unmotivierte Gestalten hinzu, die vom Jobcenter zwangsverdonnert wurden. Für Amazon läuft das nach dem Motto „Etwas Schwund ist immer“ bzw. „Masse statt Klasse“. Solche Leute nutzen während eines Streiks gewissermaßen im Betrieb mehr als draußen vor dem Tor.

    Übrigens: Hier können Sie sich selbst ein Bild von den „kaum mehr als zwei Dutzend seltsamen Gestalten mit albernen roten Hemdchen“ machen:
    http://postimg.org/image/t31dakf8h/

    Wahrlich, ein mitleiderregendes Häufchen.

    Hochachtungsvoll

    Ein „Minderleister“

  2. Von „drohendem“ Streik kann keine Rede sein. Auf die Betriebsabläufe haben ein paar fehlende Minderleister, so hört man, sogar einen positiven Einfluss, weil sie den 95 Prozent von Verdi schwer genervten Arbeitswilligen nicht im Wege stehen und mit aufdringlicher Mitglieder-Werbung lästig fallen. Die Geschäftszahlen von Amazon sind bestens. Als weltweit erfolgreiches amerikanisches Unternehmen denkt man nicht daran, sich die Filzlaus Gewerkschaft ins Haus zu holen. Und für die Verteil-Zentren vor allem in Polen ist jeder noch so winzige „Streik“ in Deutschland ein großer Segen.

    Zu den wenigen, die das eher mitleiderregende Klassenkampf-Bauerntheater von je kaum mehr als zwei Dutzend seltsamer Gestalten mit albernen roten Hemdchen (viele „Reisekader“ in Bussen angekarrt) vor den Toren mancher Amazon-Standorte noch überhaupt wahrnehmen, gehören linke Journalisten. Die träumen unverdrossen vom Endsieg über das verhasste Amerika und den abscheulichen Kapitalismus – die Karawane zieht weiter.

    Weltweit sind Gewerkschaften im Niedergang; in Deutschland waren noch nie so viele Arbeitnehmer beschäftigt und zugleich so wenige Mitglieder in Gewerkschaften (noch ca. 18%). Die Gewerkschaft Verdi des Südsee-Reisenden Bsirske hat seit 2001 von damals 2,8 Mio satte 800.000 Mitglieder verloren; das Geld für den enormen Wasserkopf an luxuriös alimentierten „Arbeiterführern“ wird knapp. Soll der Verein nicht zum Fossil werden und die Apparatschiks arbeitslos, müssen zahlende Mitglieder her, denen man einreden kann, die Gewerkschaft nütze ihnen mehr als sie kostet (1% vom Monatslohn); bei Amazon (und überall sonst) ist die Kenntnis der Grundrechenarten der ärgste Feind von Verdi.

    Es ist aber auch verteufelt schwer, ein (Selbst-) Versorgungswerk für überflüssige Funktionäre als Wohltätigkeits-Organisation zu verkaufen.

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