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Mit der Lungenwurst auf Du und Du: Mahlzeit und Mummenschanz bei „Rosins Kantinen“

Appetit auf Lungenwurst? Frank Rosin testet jetzt Kantinen
Appetit auf Lungenwurst? Frank Rosin testet jetzt Kantinen

Gestern lief bei kabel eins die erste Folge der neuen Reihe „Rosins Kantinen“, ein Spinoff von „Rosins Restaurants“ bei dem der „Sternekoch undercover“ geht und Kantinen testet. Dass sich TV-Köche verkleiden und den Küchen-Wallraff geben, ist offenbar ein neuer Minitrend. Siehe „Rach undercover“. Der Nährwert dieses Fernsehrezepts ist fraglich.

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Frank Rosin, der Christian Rach der ProSiebenSat.1-Gruppe, hat sich also einen Bart angeklebt, eine Perücke aufgesetzt und eine ausgestopfte Latzhose angezogen. Alsdann tappte er als Elektriker aus Erkenschwick verleidet durch eine Kantine, die so ein bisschen aussah, als sei sie dem Set eines Quentin-Tarantino-Streifens entsprungen.

Draußen vor der Kantinentür hockte System-Gastronom Olaf und überwachte an Bildschirmen in einem Lieferwagen das skandalträchtige Treiben rund um traurige Brühklopse und schlotziges Eierfrikassee.

„Rosins Kantinen“ folgte der gelernten 08/15-Dramaturgie solcher Sendungen: Undercover-Einsatz. Angst vor der Enttarnung. Unzulänglichkeiten werden „aufgedeckt“ (Schnitzel aus dem Tiefkühler in die Fritteuse – mon dieu! Hackfleisch ohne Kühlung – sacre bleu!) Dann die Enttarnung: „Ich bin Frank Rosin“. Ent- und Begeisterung bei den bekittelten Kantinen-Damen. Anschließend Verkostung durch die „Profis“ mit erwartbar desaströsem Ergebnis für Lungenwurst und Pampe-Schnitzel. Schließlich der Aufbau von „Strukturen“, frische Zutaten, gutes Zureden, betriebswirtschaftliches Einmaleins und der Speiseraum wurde auch frisch gestrichen. Ergebnis: lange Schlangen und begeisterte Esser in Rats- und Hauptkantine. Jägerschnitzel knusprig. Fall gelöst. Bon Appetit!

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Die Zutaten für „Rosins Kantinen“ sind also alles andere als frisch und mehr so Instant-Ware. Trotzdem hat man im TV schon weniger Bekömmliches serviert bekommen. Die aufgewärmte Story von den netten Doofis, die von Profis gezeigt bekommen, wie es richtig läuft, befriedigt beim Zuschauer eine Art Grundbedürfnis.

Die „Undercover“-Komponente mit den lustig gemeinten Verkleidungen (Erkenschwick!) ist freilich ein Mummenschanz, den es für eine solche Sendung gar nicht bräuchte. Das war schon bei RTLs „Rach undercover“ so. Man kann glatt den Eindruck bekommen, dass die Verkleidungen nur genutzt werden, damit das Reizwort „undercover“ in Titel oder Teaser geparkt werden kann und mit dem Verkleiden und Enttarnen weitere Sendeminuten in den überlang geratenen Formaten gefüllt werden.

Ob die Kantinen-Verschönerungsmission des Herrn Rosin auf Dauer schmeckt, ist zudem fraglich. Bei den Restaurant-Rettungen ist jedes Etablissement anders. Es geht stets um den Einzelfall, um Individualität und Kreativität. Bei den Kantinen geht es letztlich darum, dass man saubere Schüsseln benutzt, alles fein abwiegt und am Ende ein halbwegs ordentliches Jägerschnitzel bei rauskommt. Das macht satt. Auf Dauer gesund ist das nicht.

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