Anzeige

Tinder-Mutter Match Group will zu einer Bewertung von 3 Milliarden an die Börse

tinder.jpg

Match lässt die Hosen runter: Der Mutterkonzern der beliebten Dating-App Tinder, hat seine Pläne zum bevorstehenden Börsengang konkretisiert. Beim IPO bietet die Match Group 33,3 Millionen Aktien zwischen 12 und 14 Dollar an und könnte damit knapp eine halbe Milliarde Dollar erlösen. Das Dating-Konglomerat der InterActiveCorp strebt demnach eine Bewertung von rund 3 Milliarden Dollar an.

Anzeige
Anzeige

Der Preis ist wieder mal heiß: Vor drei Wochen reichte die Match Group, zu der auch die Kuppel-App Tinder gehört, ihren Zulassungsantrag bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC ein. Angeblich nur 100 Millionen Dollar wolle das US-Internet-Unternehmen, das unter dem Tickersymbol MTCH an die Technologiebörse Nasdaq strebt, erlösen, war in den Unterlagen zu lesen. Schnell wurde klar: Es handelte sich bei der Angabe jedoch lediglich um einen niedrig angesetzten Platzhalter.

Gestern aktualisierte die Match Group nun den Zulassungsantrag. Ergebnis: 33,3 Millionen Aktien werden zeichnungswilligen Anlegern während der Bookbuildingphase zu einer Kursspanne von 12 bis 14 Dollar angeboten. Platziert das zur InterActiveCorp gehörende Dating-Imperium die Anteilsscheine am oberen Ende der Kursspanne, würden die Match Group 466 Millionen Dollar frische Mittel erlösen; zuzüglich der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von weiteren 5 Millionen Aktien beliefe sich das Emissionsvolumen auf 536 Millionen Dollar.

Match Group geringer bewertet als erwartet: „Der IPO-Markt läuft zuletzt nicht ideal“

Auch für die angestrebte Bewertung herrscht damit Klarheit: Platziert die Tinder-Mutter die Aktien am oberen Ende der Bookbuildungspanne für 14 Dollar, wäre die Match Group mit 3,4 Milliarden Dollar bewertet. Das wären aber immer noch 800 Millionen Dollar weniger als von Analysten erwartet, wie das Wall Street Journal herausarbeitet.

„Der IPO-Markt läuft zuletzt nicht ideal. Ich denke, sie wollen mit der geringeren Bewertung Interesse wecken“, erklärte Analyst Daniel Kurnos von der Benchmark Company gegenüber dem WSJ. Eine ähnliche Taktik wählte vor wenigen Tagen bereits der von Twitter-CEO Jack Dorsey geführte mobile Bezahldienst Square, der seine Aktien ebenfalls zu Kursen unter den Erwartungen anbietet. Der deutsche Hoffnungsträger HelloFresh verschob seinen geplanten Börsengang unterdessen sogar bis auf Weiteres.

Match Group: Das Dating-Konglomerat der InterActiveCorp

Treiber des Börsengangs der Match Group ist eindeutig die boomende Dating-App Tinder. Spätestens seit den Olympischen Winterspielen  in Sotschi 2014 avancierte Tinder vom Geheimtipp zur Dating-App für die Massen. Warum groß drum herumreden, wenn es ein Klick tut? Olympioniken haben schließlich vorgemacht, wie es geht: „Tinder ist die nächste Ebene“, fand etwa Goldmedaillen-Gewinnerin Jamie Anderson.

Warum aber nun geht Tinder nicht eigenständig, sondern im Verbund mit mehreren Datingdiensten, allen voran Match.com, an die Börse? Weil die Aushängeschilder der ersten und zweiten Online-Dating-Generation tatsächlich einiges gemein haben: Beide Anbieter haben mit der InterActiveCorp (IAC) dieselbe Konzernmutter.

Match.com und Tinder: Zwei Generationen des Online-Datings
Anzeige

Wer in den Nullerjahren sein Dating-Glück im Internet suchte, landete früher oder später meist beim Marktführer Match.com. Der Name war Programm: Partnersuchende fanden sich am Desktop anhand von Internet-Steckbriefen. Bestand Interesse, schickte man eine Email. Verpasste man vor lauter digitalem Briefeschreiben das Treffen nicht, wurde vielleicht auch im wirklichen Leben ein „Match“ daraus.

Ein Jahrzehnt später haben sich Medium und Tempo verändert: Gedatet wird im iPhone-Zeitalter nach Foto-Matches. Klick hier, Wisch rechts  – und los geht das Dating-Vergnügen. Bereits 50 Millionen Nutzer rund um den Erdball versuchen so per Smartphone, neue Bekanntschaften kennenzulernen – beim Klassiker Match.com sind es sogar doppelt so viele.

Erlösmilliarde bereits in Sicht

Nachdem Tinder, das zuletzt mit der Einführung eines Premium-Dienstes seine Monetarisierung deutlich vorantreibt, von JMP Securities bereits mit 1,6 Milliarden Dollar bewertet wird, will IAC nun das Wachstum der gesamten Dating-Sparte veredeln.

Medienmogul und Mehrheitseigentümer Barry Diller ließ im Sommer bereits seine Absicht zum IPO durchblicken –  im Oktober schuf Match mit dem Zulassungsantrag bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC nun Fakten. Die InterActiveCorp bleibt nach dem IPO mit über 50 Prozent beteiligt und damit Mehrheitseigner.

Diller lässt sich das Geschäft mit der Partnersuche gut bezahlen: Im ersten Halbjahr setzte die Match Group allein 484 Millionen Dollar um und ist damit auf Jahressicht auf Erlös-Kurs von einer Milliarde Dollar. Die Sparte arbeitet profitabel und verdiente im ersten Halbjahr unterm Strich immerhin schon 50 Millionen Dollar. Im vergangenen Geschäftsjahr blieben sogar 148 Millionen Dollar bei Umsätzen von 888 Millionen Dollar hängen.

Auch Friendscout24 gehört zum Match-Imperium

Zum Match-Imperium gehören nicht nur Tinder und Match.com, sondern sage und schreibe 43 weitere Dating-Dienste, darunter OkCupid, PlentyOfFish, HowAboutWe, Chemistry.com, Meetic und in Deutschland Friendscout24, Neu.de und Partner.de.

Interessant: Als Risikofaktor führt die Match Group im Börsenprospekt Facebook an. Der Grund: Die Profilfotos in der Tinder-App werden aus dem weltgrößten Social Network generiert. Ändert Facebook etwas an der Geschäftsbeziehung, stünden Tinder-Nutzer möglicherweise vor einer Erfahrung, die ältere Semester noch aus dem Kontaktanzeigen-Zeitalter kennen (Attraktive Sie, 38, sucht freundliches Nordlicht zum Verlieben): dem Blinddate.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Match Group (MTCH) Total Liabilities: USD545,987,000 due to PlentyOfFish acquisition.
    Market share in revenue for PlentyOfFish owned by Match Group is only 5%
    PlentyOfFish is past its prime and of course in decadence.
    IAC Q3 2015 reports reveals PlentyOfFish (POF) has 500,000 paid members.
    PlentyOfFish Media Inc. (POF) 2015 revenue estimated USD 80 Million or less!

    Unfortunately the Match Group had been doing all wrong, acquiring rotten companies to show illusory success to its investors.
    The Match Group is only a collection of old and obsolete online dating sites: Match, Meetic, Chemistry, OkCupid, FriendScout24, OurTime, HowAboutWe and many more. Even Tinder will not monetize as expected.

    The Match Group is not going to innovate and revolutionize the Online Dating Industry in the next years.

  2. Na dann mal sehen, wie das große Dating Match Rennen ausgeht 🙂
    In 20 Jahren wird Match dann Quasy das Granny Dating sein, Tinder das 40+-Portal und die jungen Leute werden sich wieder was neues einfallen lassen müssen – womit man an die Börse gehen könnte 😉

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*