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Square: Börsengang deutet Ende der Internet-Goldgräberstimmung an

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Überraschung bei einem der ambitioniertesten Börsenkandidaten des Jahres: Der mobile Bezahldienst muss bei seinem anstehenden IPO offenbar empfindliche Abstriche machen. Das von Twitter-CEO Jack Dorsey vor sechs Jahren gegründete US-Unternehmen ist im Rahmen der bekannt gegebenen Zeichnungsspanne lediglich vier Milliarden Dollar wert. Für ambitioniert bewertete Internet-Unternehmen deutet sich ein Ende des irrationalen Überschwangs an.

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Jack Dorsey macht schon wieder unliebsame Erfahrung mit der Wall Street. Für Twitter will es trotz großem Aktionismus, einer zuletzt besser als erwarteten Quartalsbilanz an der Börse und dem Einstieg von Steve Ballmer immer noch nicht laufen – die Aktie befindet sich seit Jahresbeginn weiter mehr als 20 Prozent unter Wasser.

Und auch das zweite von Dorsey geführte Unternehmen wird von Investoren in diesen Tagen nicht gerade mit Vorschusslorbeeren bedacht: Der mobile Bezahldienst Square, der vor drei Wochen seinen Zulassungsantrag an der New Yorker Börse einreichte, dürfte zu einem weitaus kleineren Unternehmenswert an der Wall Street debütieren als die Bewertungsgrundlage aus den jüngsten Finanzierungsrunden erkennen ließ.

Bewertung lediglich zwischen 3,5 und 4,2 Milliarden Dollar

Aktien werden Anlegern in der Zeichnungsphase nun zu einer Spanne zwischen 11 und 13 Dollar angeboten, was einem Börsenwert zwischen 3,5 und 4,2 Milliarden Dollar entspricht. In der jüngsten Finanzierungsrunde hatten Investoren noch auf Basis einer Bewertung von 6 Milliarden Dollar Anteile erworben, was wiederum einem Kurs am Graumarkt von rund 18 Dollar entspricht.

Innerhalb der Kursspanne können interessierte Anleger im Rahmen des sogenannten Bookbuildungverfahrens die Aktie zeichnen – der tatsächliche Zuteilungskurs kann dann bei entsprechender Nachfrage dennoch höher ausfallen. So war es etwa der Fall beim IPO von Twitter vor zwei Jahren.

„Was, wenn keines der Einhörner in seine Bewertung hineinwachsen kann?“

Die von den konsortialführenden Banken deutlich gesenkte Kursspanne deutet jedoch zunehmende Anlegerzurückhaltung an, die auch von anderen Tech- und Internet-Start-ups mit Milliarden Dollar-Bewertung wie Snapchat, Airbnb, Uber und Xiaomi genau registriert werden dürfte.

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Während das Dating-Konglomerat Match Group Anlegern seine Aktien ebenfalls zu einer kleineren Bewertung als erwartet anbietet, hat die Samwer-Beteiligung HelloFresh ihre IPO-Pläne am Wochenende überraschend erst einmal auf Eis gelegt.

„Das Worst-Case-Szenario: „Was, wenn keines der Einhörner in seine Bewertung hineinwachsen kann?“ fragte zuletzt bereits das Fortune Magazine, um sich selbst die Antwort zu geben: „Je mehr  wir die wertvollsten Start-ups des Landes untersuchen, desto mehr Schwächen sehen wir.“ Das Techportal re/code sieht eine ähnliche Wechselwirkung: „Square wird stellvertretend für alle überbewerteten Einhörner abgestraft.“

Square arbeitet weiter defizitär 

Im Falle von Square dürfte der unerwartete Bewertungsabschlag allerdings auch ein Stück weit hausgemacht sein – die fehlende Profitabilität belastet. Die Umsätze boomen immerhin: Die Erlöse haben sich in den vergangenen vier Jahren mehr als verfünffacht – von 200 Millionen Dollar in 2012 auf in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Dollar.

Gewachsen sind aber eben auch die Verluste: Das Minus schwoll von 85 Millionen Dollar in 2012 auf 150 Millionen Dollar im vergangenen Jahr an; in den ersten Monaten 2015 verlor Square mit 77 Millionen Dollar ähnlich viel.

Das 2009 von Jack Dorsey gegründete US-Unternehmen versteht sich als das physisch fehlende Bindeglied des mobilen Bezahlens für Smartphones – ein Kreditkartenlesegerät, das auf das iPhone oder Android-Gerät gesteckt wird. 70 bis 80 Prozent der Erlöse werden dabei an die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard abgeführt.

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