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Thiel und Boerne in der Luxusklapse: ein Münster-„Tatort“ wie ein Betäubungsmittel

ARD/WDR „Tatort: Schwanensee“ © WDR/Willi Weber
ARD/WDR "Tatort: Schwanensee" © WDR/Willi Weber

Eine junge Frau wurde tot auf dem Grund des Pools einer Psychiatrie gefunden. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt, dass sie zuvor mit einem starken Betäubungsmittel sediert worden ist. Einschläfernd ist jedoch nicht nur das Oxycodon: Trotz gewohnt guter Leistung von Jan Josef Liefers und Axel Prahl schleppt sich die Handlung des neuen "Tatorts" von Szene zu Szene dahin.

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Die Story
Prof. Karl-Friedrich Boerne ist auf dem Weg in den Urlaub. Doch noch befindet er sich in der Testphase, nämlich in voller Tauchermontur mitten in seinem Wohnzimmer, als im Therapiezentrum „Haus Schwanensee“ die Leiche von Mona Lux gefunden wird. Auf dem Grund des hauseigenen Schwimmbades und mit Gewichten beschwert. Andreas Kullmann, der wie jeden Morgen dort seine Bahnen gezogen hat, will die Tote nicht bemerkt haben. Schwer vorstellbar, findet Kommissar Frank Thiel. Aber „Haus Schwanensee“ ist eine psychiatrische Einrichtung und Kullmann Autist. Der Kreis der Verdächtigen ist zwar klein, die Situation aber unübersichtlich. Als Silke Haller, alias Alberich, im Blut der Toten ein starkes Narkotikum findet, verzichtet Boerne selbstredend auf seinen Urlaub: Wie soll dieser (oder irgendein) Fall ohne seine Hilfe gelöst werden? Eigenmächtig mischt er sich als Therapeut unter die „Schwanensee“-Patienten. Doch über die Tote findet er dabei ebenso wenig heraus wie die Kommissare Thiel und Nadeshda Krusenstern. Mona Lux hatte keine Angehörigen, keine Adresse und hieß vielleicht nicht einmal
Mona Lux. Aber sie hatte eine Beziehung zum Restaurantbesitzer Alberto DiSarto, gegen den wegen schweren Steuerbetruges ermittelt wird. Und Nadeshda Krusenstern wird das Gefühl nicht los, Mona Lux früher schon einmal gesehen zu haben.

Die Story hinter der Story
Auf der einen Seite stehen Steuerhinterziehung und Betrug, auf der anderen eine große, unerfüllte Liebe.

Was taugt das Drehbuch?
Obwohl Boerne und Thiel wie immer in Bestform sind und der Film wieder mit ordentlich Comedy-Elementen daherkommt, tröpfelt „“Schwanensee“ zähflüssig wie die Infusion bei einem Komapatienten vor sich hin. Zwar ist auch dieser „Tatort“ aus Münster auf gewohnt hohem Niveau produziert, die Dialoge sitzen, und die Geschichte ist inhaltlich rund. Dennoch mag keine rechte Spannung aufkommen – das kann Team Münster eigentlich besser. Auch die Darstellung der Psychiatrie bleibt an der Oberfläche: Hier wird einzig der Autist Alexander als interessanter Charakter erzählt, die übrigen Patienten, äh „Besucher“ der hippen Luxusklapse bleiben enttäuschend eindimensional, wodurch dramaturgisches Potenzial verschenkt wird.

Sind die Ermittler in Form?
Jan Josef Liefers und und Axel Prahl haben ihre Rollen perfektioniert und enttäuschen ihre Fans auch dieses Mal nicht. Allerdings glänzt Prahl dieses Mal eindeutig mehr als Liefers.

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Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Die Geschichte des schwarzen Schwans, der sich in ein Tretboot verliebt, ist im Jahr 2006 wirklich passiert. Drei Jahre lang folgte der Schwan Petra auf dem Münsteraner Aasee ihrem Artgenossen aus Plastik.

Der Satz zum Mitreden
„Ja, das können sie, immer alles vertuschen, Beamtenarsch“, „Learning by doing? Wohl eher learning by dying“.

Fazit
„Schwanensee“enttäuscht die Fans des Duos Boerne und Thiel sicher nicht – und trotzdem wird der Film dem hohen Standard eines Münster-„Tatorts“ dieses Mal nicht ganz gerecht.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
7

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