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„Morgen hör ich auf“ mit Bastian Pastewka: ZDF goes „Breaking Bad“

Bastian Pastewka und Susanne Wolff in „Morgen hör ich auf“
Bastian Pastewka und Susanne Wolff in "Morgen hör ich auf"

"Das ZDF plant sein eigenes Breaking Bad" hallte es vergangenes Jahr durch die Presselandschaft. Tatsächlich erinnert die Mini-Serie "Morgen hör ich auf" an die US-Vorlage – und ist dennoch völlig anders. Bei ihrem Wunsch, einen Serienhit zu landen, tragen die Macher allerdings an einigen Stellen zu dick auf und überfrachten die Geschichte mit zu gewollt künstlerisch wirkenden Stilmitteln.

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Auf den ersten Blick wirken die Lehmanns wie eine ganz normale Familie: Vater Jochen (Bastian Pastewka) besitzt eine Druckerei im beschaulichen Bad Nauheim, die er von seinem Schwiegervater geerbt hat, seine Frau Julia jobbt in der Boutique ihrer besten Freundin. Sie haben drei Kinder – zwei Pubertierende und ein Nesthäkchen. Doch wer näher hinguckt, erkennt: Hinter der Fassade bröckelt es gewaltig, die Lehmanns sind komplett pleite, die Druckerei hat schon lange keine Aufträge mehr. Jochen trifft daraufhin die Entscheidung, Geld zu drucken, um seine Schulden begleiten zu können – und stürzt seine Familie damit ins totale Chaos. „Morgen hör ich auf“ dokumentiert Familienleben in der Abwärtsspirale.

Die zuständige ZDF-Redakteurin Elke Müller gab am Freitag auf der Pressevorführung in Hamburg zu, nervös zu sein: „Wir haben uns an einen Genre-Mix gewagt, der so noch nicht im deutschen Fernsehen zu sehen war.“ Tatsächlich zeigt die Mini-Serie eine riskante Mischung aus Comedy, Drama und Thriller – aber das Experiment gelingt. Immer wieder reibt sich die totale Durchschnittlichkeit an der Skurrilität, was den besonderen Reiz der Serie ausmacht. Da sitzt dann auf einmal der grotesk überzeichneter Bandit Damir in einem völlig normalen Familienwohnzimmer – bestes Komödienmaterial. Und nur wenige Minuten später kehrt die Serie zurück ins Drama: Jochen Lehmann hat seine Aggressionen nicht mehr unter Kontrolle und begeht einen folgenschweren, gewalttätigen Fehler. Bastian Pastewka leistet hier Großes und beweist, warum er genau die richtige Besetzung für die Hauptrolle ist: Die Sprünge zwischen Comedy, Drama und Thriller meistert er gekonnt und harmonisiert mit seiner Partnerin Susanne Wolff perfekt.

Neben den Schauspielern glänzt aber vor allem das Drehbuch: Die Geschichte ist detailreich erzählt, die Dialoge und Witze sitzen („Auf der Bank ist das Falschgeld völlig sicher“) und es gibt genügend Platz für alle Charaktere; selbst die drei Kinder haben ihre eigenen Stories. Inspiriert wurden die Drehbuchautoren Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser von der globalen Finanzkrise, wie sie am Freitag in Hamburg berichteten. „Wir haben uns die Frage gestellt: Wie fühlt es sich an, wenn unser Mittelstand an den Rändern wegfließt?“ Filmisch hätten sie sich Anregungen bei internationalen Produktionen geholt: Angefangen von „Das Geld liegt auf der Straße“ aus den 70er Jahren bis zu „Breaking Bad“. Tatsächlich wurde „Morgen hör ich auf“ nach einer Äußerung von ZDF-Programmdirekter Norbert Himmler von den Medien als Versuch, ein „deutsches Breaking Bad“ zu schaffen, abgestempelt. Die Story erinnert unbestreitbar an das US-Vorbild, doch die Umsetzung ist eine ganz andere. Die Serie, die Charaktere, das Setting ist alles typisch deutsch und wirkt keineswegs gekünstelt. Außerdem habe man sich gleichermaßen von anderen Erfolgsserien inspirieren lassen, betonten die Autoren. Auch ein „Dialog mit den ‚Sopranos’“ sei in der Serie zu finden.

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Das ZDF und die Produktionsfirma Network Movie haben groß aufgefahren – der Wunsch, einen deutschen Serienhit zu landen, könnte kaum deutlicher werden. Leider haben sie dadurch an vielen Stellen zu dick aufgetragen. „Morgen hör ich auf“ ist vollgepackt mit Anspielungen – angefangen von der Namensgebung „Lehmann“, die etwas zu offensichtlich an die Bank Lehmann Brothers angelehnt ist, bis zu dem Familienhamster im Hamsterrad, der als Sinnbild für die Ausweglosigkeit immer dann prominent eingeblendet wird, wenn Herr Lehmann, nun ja, keinen Ausweg sieht. Jegliche Stilelementen wurden hier einen Hauch zuviel eingesetzt: das wiederkehrende Elvis Presley-Memorial, da der Sänger seinen Militärdienst Ende der 50er Jahre in Bad Nauheim antrat, und dazu passend ständig dudelnde Elvis-Songs. Und immer wieder derselbe Zeitsprünge in die Zukunft: Lehmann rennt durch den Wald, er ist auf der Flucht. Davor ein 50-Euro-Schein unter Wasser, eine Explosion, Lehmanns Frau mit vor Schreck geweiteten Augen.

Nichsdestotrotz ist „Morgen hör ich auf“ eine hochwertig produzierte und durchaus sehr unterhaltsame Serie – vor allem wegen des Drehbuchs und der schauspielerischen Leistung der Lehmann-Familie.

Die fünf Folgen der Mini-Serie „Morgen hör ich auf“ werden ab dem 02. Januar 2016 immer samstags um 21.45 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

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Alle Kommentare

  1. Man muss schon nachsichtig sein, wenn die ersten Gehversuche mitunter tolpatschig wirken, aber wenn schonmal gutes Material und interessante Besetzung da sind, macht doch mal ! Warum nicht auch mal ne deutsche Serie cool finden ?
    Homeland, The Americans, House of Cards, Billions und wie sie alle heissen, kann man ja trotzdem weiterschauen.

  2. Beste Deutsche Serie der öffentlich rechtlichen seit „Im Angesicht des Verbrechens“!
    Die zweite Folge hat mich endgültig überzeugt: Drama, Witz und Spannung. Dialoge und Timing für eine Deutsche Serie außergewöhnlich gut passend.

    Zum Glück waren auch die Quoten mit 4,19 Millionen Zuschauern und 13,3% Marktanteil ganz ordentlich.

  3. Til Schweiger kann sollte sich warm anziehen,es geht auch ohne viel Ballerei.
    Super Geschichte, ein toller Pastewka.

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