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Pressestimmen zu DFB-Razzien: „Es gelten keine eigenen Gesetze für Fußball-Funktionäre“

Die Anwesen von Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (r.) wurden durchsucht.
Die Anwesen von Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (r.) wurden durchsucht.

Die DFB-Funktionäre sind ins Visier der Ermittler geraten. Am Dienstag durchsuchten Beamte die DFB-Zentrale sowie die Häuser von Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall. Das Ansehen des Fußballbundes leidet und die Medien zweifeln an der weiteren Tragfähigkeit von Präsident Niersbach. Die Pressestimmen:

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Für Faz.net meint Anno Hecker: „Wolfgang Niersbach mag nicht der große Betrüger sein. Aber als Führungsfigur des DFB ist er schon seit Wochen nicht mehr zu halten. Der Schaden wächst mit jedem Tag. Für den Fußball, aber auch für Niersbach.“

In der Welt schreibt Christian Witt: „Die Razzien wirken jetzt wie ein Schlusspunkt unter die gewachsene Selbstherrlichkeit des Vorzeigeverbandes DFB, der offensichtlich bis zuletzt glaubte, sich außerhalb der Gesetze bewegen, nach eigenen Regeln spielen zu können. Vielleicht auch geblendet von der gesellschaftlichen Kraft des Fußballs, von den zunehmenden Anbiederungsversuchen der Politiker, von dem Vier-Sterne-Gefühl, unantastbar zu sein.“

Für Rücktrittsforderungen sei die Zeit noch nicht reif, meint die Deutsche Welle. Aber „es wird eng für Niersbach“, schreibt Sportredakteur Stefan Nestle: „Selbstverständlich gilt für alle Beteiligten so lange die Unschuldsvermutung, bis ihre Schuld bewiesen ist. Deshalb sind Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt Niersbachs auch verfrüht. Doch der Stuhl des DFB-Präsidenten wackelt immer mehr. Niersbach ist schließlich der einzige der WM-Macher von 2006, der noch in Amt und Würden ist. Sein Krisenmanagement wird selbst in eigenen Reihen kritisiert. Niersbachs Auftritt vor knapp zwei Wochen, als er versuchte, die Zahlung der ominösen Summe von 6,7 Millionen Euro zu erklären, vermittelte das Bild eines Kapitäns, der sein Schiff nicht mehr unter Kontrolle hat.“

In der Bild-Zeitung beschäftigen sich Matthias Brügelmann und natürlich Franz-Josef Wagner mit den Razzien. Brügelmann: „Nach der Fifa lernt jetzt der DFB auf schmerzhafte Art und Weise, dass für Fußball-Funktionäre keine eigenen Gesetze gelten.“

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FJW schreibt an Wolfgang Niersbach: „Vor einem Jahr reckten Sie glücklich den WM-Pokal in den Himmel von Rio. Gestern durchsuchten Steuerfahnder Ihre Wohnung. Ein Albtraum. Steuerfahnder sind keine Partygäste. Steuerfahnder öffnen bei richterlichem Beschluss jede Schublade. (…) Ich finde es toll, dass Steuerfahnder nicht vor dem Wort Präsident zurückschrecken. (…) Wissen Sie, wie ich mich fühle? Wie auf der Beerdigung unseres WM-Pokals. Steuerfahndung, Hausdurchsuchung. Es ist zum Weinen. Es ist, wie wenn jemand stirbt.“

In der Süddeutschen schreibt Heribert Prantl: „Es sind nicht die Staatsanwälte, die den DFB kaputt machen wollen. Das erledigen Niersbach, Zwanziger und Co. schon selbst. (…) Nun ist Selbstherrlichkeit als solche, auch wenn sie atemberaubend ist, nicht strafbar. Aber wenn diese Selbstüberhebung dazu führt, dass Korruption für notwendig, nützlich und alltäglich gehalten wird – dann ist die Staatsanwaltschaft gefordert.“

 

 

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