Weltes Mahnung an die Politik: „Verlage sind die letzte Bastion hochwertiger Inhalte“

Burda-Vorstand Philipp Welte fordert angesichts der Übermacht der US-Digitalkonzerne Lockerungen im Kartellrecht, auch in der Vermarktung
Burda-Vorstand Philipp Welte fordert angesichts der Übermacht der US-Digitalkonzerne Lockerungen im Kartellrecht, auch in der Vermarktung

Philipp, der Große: Burda-Vorstand Philipp Welte wähnt die klassische Medienindustrie Europas in einer "epischen Schlacht" gegen die Konzern-Monster des Digitalzeitalters. Seine aufrüttelnde Rede beim VDZ Publishers' Summit adressierte die Politik: Die solle zügig für faire Rahmenbedingungen sorgen. Staatlichen "Almosen" erteilte der 53-Jährige wie sein Verleger Hubert Burda eine Absage.

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Welte, im fünfköpfigen Burda-Board für Medienmarken National zuständig, verwies darauf, dass „Inhalt noch nie so gefragt“ gewesen sei wie heute, und zwar  „auf allen technologisch möglichen Kanälen“, wo „publiziert und konsumiert“ werde „wie nie zuvor“. Dabei sei es aber zwei Jahrzehnte nach Einführung des Internets zu einer für die Verlagswelt bedrohlichen Schieflage gekommen. Welte: „Wer stellt diese Inhalte her? Facebook ist heute das größte Medienunternehmen der Welt – und beschäftigt keinen einzigen Journalisten!“

Und weiter: „Wir Verlage sind – das mag sich jetzt dramatisch anhören – die letzte Bastion hochwertiger Inhalte. Heute arbeiten in Deutschland etwa 30.000 fest angestellte Journalisten, und mehr als zwei Drittel davon arbeiten hauptberuflich für Zeitschriften und Zeitungen. Wir leisten damit einen fundamentalen Beitrag zur Meinungsvielfalt in unserer Demokratie, zur Freiheit der Information und zur Stabilität unserer Republik.“ Dies könne man von den Weltkonzernen aus dem Silicon Valley nicht behaupten, denn die verdienten Milliarden mit den Leistungen anderer.

Der Burda-Manager zeigte sich überzeugt, dass sich am Kerngeschäft der Verlage durch die digitale Umwälzung nichts verändert habe: „Der Beginn unserer Wertschöpfung ist und bleibt die Herstellung journalistisch hochwertiger Inhalte.“ Dieses Grundprinzip sei existenziell gefährdet: „Wir sehen die deutsche und die europäische Medienlandschaft, diese einzigartige Pluralität an Meinungen, an journalistischen Inhalten, sehr wohl als bedroht an.“

Dafür seien zwei Faktoren verantwortlich: zum einen durch das Marktverhalten von Konzernen wie Amazon, Facebook oder Google, die zusammen bereits fast 1.000 Milliarden Dollar wert seien, zum anderen „von unfairen gesetzlichen Rahmenbedingungen“. Welte: „Heute ist es einfacher in Europa erfolgreich sein, wenn Dein Unternehmen nicht in Europa sitzt, weil dann die gesetzlichen Rahmenbedingungen günstiger sind.“ Daraus folge: „Europa steht vor der ganz grundsätzlichen Frage, ob wir die Digitalisierung als eine Chance für die europäische Wirtschaft sehen, oder ob wir uns einem digitalen Morgenthau-Plan ergeben, der ganz Europa zur landwirtschaftlichen Nutzfläche für die die Giganten der US-Tech-Industrie erklärt.“

In Anwesenheit von Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments und wie die Bundeskanzlerin Keynote-Speaker beim VDZ Publishers‘ Summit, machte Welte unmissverständlich klar, wo aus Sicht der Verlagshäuser die Lösung liegt: „Alles was wir fordern ist ein Regelwerk, das fairen Wettbewerb garantiert und es möglich macht, Journalismus marktwirtschaftlich zu finanzieren. Um das hohe Niveau unserer journalistische Inhalte und unserer verlegerischen Produkte halten zu können, müssen wir Verlage an vielen Stellen aus rein betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit heraus enger zusammenarbeiten können: im Vertrieb, in der Marktforschung, auf technologischem Gebiet, und auch in der Vermarktung unserer Werbeflächen.“

Dies gefährde nicht den publizistischen Wettbewerb, im Gegenteil: „Wir sichern die wirtschaftliche Basis, aus der heraus wir in die Qualität unserer Produkte und unserer Inhalte investieren. Leider sind uns solche Lösungen durch das geltende Kartellrecht häufig verbaut.“ Welte untermauerte seinen Appell mit drastischen Zahlen: „Alle Magazine zusammen machen 2015 in Deutschland etwa 1,3 Milliarden Euro Werbeumsatz – allein Google wird in Deutschland deutlich über 3 Milliarden Euro umsetzen. Vor dieser Realität ist es richtig, dass die Koalition in Berlin betriebswirtschaftliche Kooperationen von Presseverlagen erleichtern möchte – so steht es im Koalitionsvertrag. Aber dieses Vorhaben muss jetzt auch zügig und mutig umgesetzt werden, und es darf nicht auf regionale Kooperationen begrenzt bleiben.“

Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Digitalzeitalters sei die Situation im Medienbusiness besonders alarmierend: „Wir Verlage waren und sind dieser Disruption früher und härter ausgesetzt, als jede andere Industrie. Wir erleben seit 20 Jahren nicht weniger als die totale Erschütterung all unserer Gewissheiten. Wenn Europa jetzt nicht faire Rahmenbedingungen für seine eigene Industrie schafft, haben wir diese Zukunft verspielt.“ Damit seien aber keineswegs Subventionen für Medienhäuser gemeint: „Wir wollen keine staatlichen Almosen, aber faire Rahmenbedingungen in einer epischen Schlacht.“

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Alle Kommentare

  1. Das liest sich wie die Laudatio für den „Comical Ali-Gedächtnispreis für vollständigen Realitätsverlust“ und ich befürchte, dass der das wirklich ernst meint.

  2. Alles gut und schön blos:

    ES GLAUBT EUCH FAST KEINER MEHR!!

    CHECKSTE DAS?!?!

    1989 all over again

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