Welt-Reporter bei Neonazi-Demo attackiert, Kolumnist auf Straße niedergeschlagen

Welt-Reporter wurden bei NPD-Demo angegriffen
Welt-Reporter wurden bei NPD-Demo angegriffen

Publishing Medienkritik von Rechten wird immer häufiger gewalttätig geäußert. Nach Angriffen auf Journalisten bei einer Demo in Dresden kam es am Montagabend in Berlin erneut zu Übergriffen, dieses Mal auf Reporter der Welt. Am vergangenen Freitag wurde ein Kolumnist des Tagesspiegels zudem offenbar wegen eines kritischen Beitrags auf offener Straße niedergeschlagen.

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In Berlin kam es am Montagabend bei einer NPD-Demo gegen ein Flüchtlingsheim erneut zu Angriffen auf Berichterstatter. Wie Welt-Journalist Martin Heller via Twitter und Periscope dokumentierte, griff mindestens ein Demo-Teilnehmer das Welt-Videoteam bei seinen Dreharbeiten an. Hellers Aussagen zufolge soll auch ein zweiter Demonstrant dabei gewesen sein. Die Männer gingen die Journalisten körperlich an und wollten ihnen das Kamera-Equipment aus den Händen schlagen.

Welt-Reporter Heller beschrieb die Stimmung während seiner Periscope-Übertragung als „aufgeheizt“ und „aggressiver als erwartet“. Die Journalisten wurden von Demonstranten mehrfach angeschrien und angepöbelt. Verletzt wurde vom Welt-Team offenbar niemand.

Stimmung gegen Journalisten wird immer aggressiver

Die aggressive Haltung gegenüber Journalisten und die zunehmenden Übergriffe werden bereits seit Wochen von Gewerkschaften und Verbänden kritisiert. So sprach der bis zu dieser Woche noch amtierende DJV-Chef Michael Konken beispielsweise von einer „neuen Stufe auf der Eskalationsleiter der Journalistenfeinde“. Vor zwei Wochen attackierten Pegida-Anhänger bei einer Kundgebung in Dresden ein Team der Deutschen Welle, schlugen einem Reporter eigenen Aussagen zufolge ins Gesicht. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen sei zudem auch ein russischer Berichterstatter angegriffen worden. Ende September wurde während der Montagsdemonstration in Dresden ein MDR-Reporter getreten und einem Reporter der Dresdner Neuste Nachrichten ins Gesicht geschlagen.

Angriff auf Tagesspiegel-Kolumnist

Opfer von offenbar rechter Gewalt wurde am vergangenen Freitag auch Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann. Er ist nach Veröffentlichung einer kritischen Kolumne auf der Straße niedergeschlagen worden. Schümann sei im Berliner Stadtteil Charlottenburg namentlich und auf den Tagesspiegel angesprochen, als „linke Drecksau“ bezeichnet und von hinten angegriffen worden, erklärte der Journalist auf seiner Facebook-Seite. Er schrieb den Angriff Rechtsradikalen zu und wertete ihn als Reaktion auf seinen Text „Ist das noch unser Land?“, den er am Tag zuvor im Tagesspiegel veröffentlicht hatte.

Nein, Ihr rechstradikalen Idioten, Ihr werdet mich auch mit der heutigen körperlichen Attacke nicht mundtot machen. Ich…

Posted by Helmut Schümann on Friday, October 30, 2015

In seinem Beitrag verurteilte Schümann unter anderem Hetze gegen Flüchtlinge. Pegida und die Alternative für Deutschland (AfD) versuchten, Demokratie und Humanität auszuhebeln, so seine Kritik. Die Chefredaktion des Tagesspiegels zeigte sich entsetzt über den Vorfall. Es sei ein Angriff auf den Kollegen „und zugleich einer auf die Presse- und Meinungsfreiheit“, erklärte sie.

Nach Angaben der Zeitung war der Redakteur von hinten gegen den Oberkörper geschlagen worden und gestürzt. Er erstattete den Angaben zufolge Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) verurteilte am Montag den Vorfall scharf und bezeichnete ihn als „abscheulichen Angriff auf den unabhängigen Journalismus und die Pressefreiheit“. Dies sei zudem kein Einzelfall mehr. Die Gewalt gegen Journalisten durch politische Extremisten nehme derzeit zu. Ihr müsse mit der ganzen Härte des Gesetzes begegnet werden, hieß es.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) nannte in einer Stellungnahme Angriffe auf Journalisten und die Pressefreiheit „völlig inakzeptabel“. Und weiter: „Es gibt eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber einem ganzen Berufsstand, die unerträglich ist. (…) Die Verunglimpfung unserer Medien als ‚Lügenpresse‘, Drohungen und Angriffe gegen Journalisten, Politiker, Ehrenamtliche, das alles sind Symptome einer schleichenden Vergiftung.“

 

(ms, mit Material der dpa)

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Alle Kommentare

  1. Aus (beruflicher) Erfahrung weiß ich, dass die Gewalt bei solchen Demonstrationen zu 90% von der linke Ecke ausgeht. Die sind immer die ersten, die randalieren, Polizei anpöbeln und provozieren, Leute einschüchtern und Steine werfen. Und die blöden Rechten lassen sich dann darauf ein und machen es genauso. Geht doch nur mal auf die Webseiten der einzelnen Antifa Bewegungen. Die stehen den Nazis in nichts nach und sind nicht minder gefährlicher als NPD, Pegida und andere extreme demokratiefeindliche Gruppierungen. Tätliche Angriffe auf Gegendemonstranten, Journalisten, Polizisten und Anwohner dürfen nicht toleriert werden, das geh gar nicht. Verbal sollte jeder das Recht haben seine Meinung zu äußern aber sobald Personen oder auch Sachen dabei angegangen werden sollte die Polizei härter durchgreifen dürfen. In beide Richtungen … nach rechts und auch nach links. Herrn Schürmann wünsche ich gute Besserung und weiterhin den Mut sein Ding durchzuziehen. Ich bin selber ehr kritisch was heutige Pressevertreter anbelangt aber Gewalt geht gar nicht.

    1. Wenn „das Brot“ aus seiner beruflichen Erfahrung heraus eine Behauptung anstellt, dann muß diese natürlich absolut zutreffend sein. Oder wohl eher nicht… Sorry solche subjektiven Eindrücke muß man irgendwo zwischen Elvis lebt und Homöopathie macht gesund einordnen.

      Wir Menschen sind sehr subjektiv und Ihre Erfahrungswerte können nicht durch objektive Zahlen und Fakten untermauert werden.

      So sehr ich auch begrüße, das Sie für Meinungsfreiheit eintreten und die Angriffe verurteilen, so sehr muß ich Sie für ihre Behauptung kritisieren, das XX % der Gewalt von Links ausgehen.

      Gerade bei der aktuelle anhaltenden Gewaltorige von rechts, also etwas das Anzünden von Gebäuden, die Attacken auf Journalisten oder das „anpinkeln“ von kleinen hilflosen Kindern spricht eine absolut eindeutige Sprache.

      So sehr man linke Gewalt verurteilen muß. Die rechte Gewalt ist eindeutig gefährlicher. Alleine schon erkennbar an der Zahl der Gewaltverbrechen.

      MfG

  2. Gewalt bei Demos ist, egal vom wem angezettelt, immer schlecht!
    Allerdings sollte man endlich aufhören, die vermummten, faschistoiden Antifa-Schlägertrupps, die bei so genannten Gegendemonstrationen weder Kinder, Frauen, Alte noch Polizisten schonen, immer wieder auszuklammern.
    Gibt es in „unserem Rechtsstaat“ kein Vermummungsverbot? Immer wieder werden sie angekarrt und offensichtlich auch honoriert, wenn es radikal zugehen soll. Dresden und Leipzig lassen grüßen, Hamburg, Berlin, Frankfurt und, und, und ebenfalls…
    Warum kümmert sich die Justiz nicht auch um linksradikale Straftäter? Eine ehrliche, von Rotgrün nicht gefälschte Statistik dürfte den einen oder anderen aufhorchen und vielleicht vernünftig werden lassen.

    1. Auch dieser Beitrag verfehlt, wie die Vorredner auch an den vorangegangenen Beiträgen bemängelten, leider das Thema des Artikels. Der Artikel thematisiert die rechtsradikale Gewaltwelle, die momentan, begünstigt durch die rechten Ideologen von Pegida, AfD und NPD, über unser Land schwappt.

      Der Rest der „Kritik“ bleibt leider nur eine bloß subjektive Gefühlsäußerung, die ich in ihrem Ansatz zwar sehr schätze (auch ich lehne entschieden die Gewalt auf Demonstrationen ab), aber für deren Wahrheitsanspruch mir einfach die Belege fehlen, jene, die erklären könnten, warum in „unserem Rechtsstaat“ immer nur die Rechten bestraft werden und die Linken nicht.

      Ich habe nämlich den Eindruck, dass unser Rechtssystem da gar keinen Unterschied zwischen links und rechts macht. Und auch in der Berichterstattung finde ich eigentlich sehr viele Artikel, die linke und rechte Gewalttaten gleichermaßen beleuchten.

      Mein Eindruck ist: Weder werden die Gewalttaten von „Antifa-Schlägertrupps“ ausgeklammert, noch werden diese in irgendeiner Form „honoriert“. Wer sich die Mühe macht und eine Suchmaschine seiner Wahl befragt, wird schnell fündig werden, ob der zahllosen Artikel zum Thema. Weiterhin ist es in „unserem Rechtsstaat“ glücklicherweise noch so, dass die Justiz jede Straftat verfolgt, wenn eine Straftat vorliegt. Es gibt keinen Unterschied zwischen „linksradikale[n] Straftäter[n]“ und rechtsradikalen Straftätern vor dem Gesetz. Der letzte Punkt der „Kritik“ erschließt sich mir leider überhaupt nicht: Was ist „[e]ine ehrliche, von Rotgrün nicht gefälschte Statistik“? Und in einem umfassenderen Sinne gefragt: Wie ist es möglich, dass eine Statistik, ob nun gefälscht oder nicht, auf jemanden einen solchen Einfluss ausübt, dass derjenige aufhört kritisch nachzudenken? Wie geht das? Ganz oberflächlich betrachtet, scheint heutzutage doch eher das Gegenteil der Fall zu sein. Die meisten Leute teilen heutzutage doch mehr oder weniger unreflektiert den Ausspruch: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Die Leute scheinen, so mein Eindruck, der Aussagekraft von Statistiken eher skeptisch gegenüber zu stehen und weniger diesen einfach blindlings zu glauben.

      Im übrigen spricht der Vefassungsschutzbericht zum Jahre 2014 eine recht deutliche Sprache bezüglich der linksextremistischen und rechtsextremistischen Gewalttaten (gibts auch als Kurzzusammenfassung auf der Website des Bundesamtes für Verfassungsschutz). Daraus lässt sich eigentlich ziemlich schnell ersehen, dass der Vorwurf, unsere Justiz kümmert sich nicht um „linksradikale Straftäter“, völlig haltlos ist.

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