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Nach WamS-Story über Gammel-Pasta: erneuter PR-Ausnahmezustand bei Vapiano

Vapiano-CEO Jochen Halfmann kontert noch vor Veröffentlichung WamS-Bericht
Vapiano-CEO Jochen Halfmann kontert noch vor Veröffentlichung WamS-Bericht

Die Welt am Sonntag berichtet über Gammel-Lebensmittel bei der Restaurantkette Vapiano. In Filialen der Systemgastronomie seien interne Haltbarkeitsdaten neu etikettiert und ungenießbare Lebensmittel verarbeitet worden. Das Unternehmen reagierte noch vor Veröffentlichung, sei "schockiert" und ist zugleich in der Sache skeptisch.

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Es war ein Insekt, das den Social-Media-Redakteuren der PR-Agentur Achtung zu Beginn des vergangenen Jahres arbeitsintensive Stunden beschert hatte. Restaurantgäste hatten gefilmt, wie eine Raupe durch einen Salat des Achtung-Kunden Vapiano krabbelt und das Video ins Netz gestellt. Ein Tier im Salat eines Qualitäts-Restaurants: Da braucht es keine Vorhersage für einen Shitstorm, der ist programmiert. Doch Vapiano holte das Beste daraus. Das Insekt wurde zum Zeichen für frische Produkte – auch dank der richtigen PR-Strategie. Gut anderthalb Jahre später ist Vapiano für die PR-Spezialisten immer noch eine Herausforderung. Doch diesmal geht es nicht um frische Ware, sondern um das Gegenteil.

Wie die Welt am Sonntag berichtet, nimmt man es mit der Frische von Lebensmitteln in den Filialen offenbar nicht mehr so genau. In einigen Restaurants der Kette seien Haltbarkeitsdaten umetikettiert worden, auch hätten die Köche abgelaufene Lebensmittel serviert. Die WamS beruft sich auf derzeitige und ehemalige Mitarbeiter, die ihre Aussagen eidesststattlich versichert hätten. Restaurantmanager stünden unter solch enormen Kostendruck, dass sie keine anderen Möglichkeiten fänden, als an der Qualität zu sparen.

Ein Dorn im Auge der Restaurant-Betreiber dürfte es sein, dass erneut die Welt-Zeitungsgruppe über Missstände berichtet. Deren Journalistin Anette Dowideit hatte bereits mehrfach Skandalstories publiziert, im Sommer etwa über Manipulationen bei Arbeitszeiten und Betrug gegenüber den eigenen Mitarbeitern. Wenige Monate zuvor, im Mai dieses Jahres, schrieb Dowideit schon einmal von schlechtem Essen, „schlimmen Arbeitsbedingungen“ und „chaotischen Zuständen“ bei Vapiano.

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Wie besorgt das Bonner Unternehmen um sein Image ist, zeigt die Krisen-PR des Restaurantbetreibers. So beschrieb Dowideit parallel zur Berichterstattung im Mai, wie Vapiano an sie herangetreten ist und die Offenlegung ihrer Quellen forderte. Wenig später schaltete das Unternehmen eine renommierte Rechtsanwaltskanzlei ein, die Medien darüber informierte, dass man den Springer-Datenschutzbeauftragten darum gebeten habe, eventuelle Verletzungen der Datenschutzbestimmungen zu überprüfen. Für die Welt Anlass, die Story weiterzudrehen.

Im aktuellen Fall befeuert Vapiano – zwischen den Zeilen – Spekulationen über die Seriosität der neuerlichen Enthüllungen. Einen Tag vor Erscheinen des Berichts meldete sich Vapiano mit einer umfassenden Stellungnahme zu Wort. Man sei  „schockiert“ und „entsetzt“ über den „erneuten kritischen Beitrag der Welt am Sonntag“ – man fragt sich, was das Unternehmen meint: die aufgezeigten angeblichen Verstöße gegen Lebensmittelgesetze oder die Tatsache, dass wieder einmal die Welt-Gruppe kritisch berichtet?

Vapiano ging in die Vorwärtsverteidigung, bevor der WamS-Artikel erschienen war. Die Standards seien jüngst vom TÜV sowie dem Fresenius-Institut attestiert worden, erklärte Vapiano-CEO Jochen Halfmann: „Wir hätten nicht 60.000 Gäste täglich – allein in Deutschland, die immer wieder gern zu uns kommen, wenn es bei Vapiano so zuginge wie es der Artikel glauben lassen will.“ Man verurteile es aufs „Allerschärfste“, sollte „es diese Fälle aber trotz der strengsten internen Bestimmungen tatsächlich gegeben haben“. Man werde die Vorwürfe überprüfen, „auch wenn sie zum Teil absurd erscheinen“. Und erneut stellte Vapiano die Forderung, „sämtliche Informationen mit Vapiano zu teilen“ – der Aufklärung wegen. Das aber hat die Zeitung schon in der Vergangenheit abgelehnt. Die Restaurantkette wird ihre PR-Spezialisten wohl noch häufiger brauchen.

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