Huawei: Apples neuer Angstgegner in China

Huawei-Boss Richard Yu
Huawei-Boss Richard Yu

Die Meldung ging im Reigen an Quartalsbilanzen in der vergangenen Woche fast unter: Huawei ist zur Nummer eins auf dem chinesischen Smartphone-Markt aufgestiegen und hat damit nicht nur Apple und Samsung düpiert, sondern vor allem den Emporkömmling des vergangenen Jahres, Xiaomi entthront. Mit seinen preisbewussten Massenmarktprodukten könnte Huawei Apple das Leben ausgerechnet auf seinem wichtigsten Absatzmarkt schwer machen.

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Der Kampf um die Vorherrschaft auf dem wichtigsten Smartphone-Markt ist erbitterter denn je. Die beiden Global Player Samsung und Apple kämpfen gegen ein einheimisches Trio, das die Platzhirsche nach Belieben beim Preis unterbieten kann: Xiaomi, Lenovo und Huawei bieten Highend-Smartphones mit vergleichbaren Spezifikationen wie iPhone und Galaxy an, die jedoch im Reich der Mitte kaum die Hälfte kosten.

Die Folge: Wenn Apple nicht gerade wie unlängst ein neues iPhone auf den Markt bringt, machen die Chinesen die Spitzenpositionen auf dem einheimischen Markt längst unter sich aus. 2014 schoss das als „Apple Chinas“ bekannte Start-up Xiaomi spektakulär empor und konnte sich bis zum iPhone 6-Launch für zwei Quartale den Smartphone-Thron im Reich der Mitte sichern. Nach zwei Quartalen an der Spitze musste Apple im Frühjahr den ersten Platz im Frühjahr wieder an Xiaomi abgeben.

Huawei entthront Xiaomi in China

Im traditionell schwächeren vierten September-Quartal, das dem alljährlichen iPhone-Launch vorausgeht, gab der Kultkonzern aus Cupertino erwartungsgemäß den Spitzenplatz im Reich der Mitte wieder ab – aber nicht an Xiaomi, sondern an einen Herausforderer: Huawei.

Wie der kanadische Marktforscher Canalys ermittelt haben will, ist Huawei nach Zuwächsen von über 80 Prozent die neue Nummer eins auf dem chinesischen Smartphone-Markt. „Huaweis Aufstieg in China ist eine bemerkenswerte Heldentat, vor allem angesichts des reiferen Smartphone-Marktes und des Preisdrucks in China“, erklärte Canalys-Analystin Jessie Ding. „Auf der anderen Seite gerät Xiaomis Jahresverkaufsziel von 80 Millionen Einheiten zunehmend unter Druck.“

100 Millionen Geräte fest im Visier

Xiaomis nachlassendes Momentum ist fraglos der Verdienst des bereits 28 Jahre alten früheren Telekommunikationsausrüsters, der sich anschickt, weltweit als erster chinesischer Konzern mehr als 100 Millionen Geräte in einem Geschäftsjahr abzusetzen.

Im vergangenen Quartal brachte es Huawei bereits auf 27,4 Millionen Einheiten und konnte sich damit weltweit deutlich von den einheimischen Verfolgern Lenovo und Xiaomi absetzen und fast spielend den dritten Platz unter den Smartphone-Herstellern sichern.

Huaweis Wachstum wird Apples neues China-Problem

Vor allem die Dimensionen, in denen sich Huaweis Wachstum vollzieht, können Cupertino kaum gefallen: Mit einem Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal legte Chinas Nummer eins so stark zu wie kein anderer Smartphone-Hersteller – Apples Plus im September lag lediglich bei 31 Prozent; im Weihnachtsquartal befürchten zahlreiche Analysten unterdessen das erste Negativwachstum seit der Einführung des iPhones.

Die entscheidende Schlacht um eine Fortsetzung des iPhone-Wachstums wird unterdessen im Reich der Mitte geschlagen, wo sich Apples Absätze dank der Vertriebsvereinbarung mit China Mobile im jüngsten Quartal zuletzt fast verdoppelten. Kann Huawei mit seinen Flaggschiffen Mate S, dem Ascend P8 und dem Mittelklassegerät Honor 7 Apple nun einige Millionen verkaufte Smartphones stehlen, hat CEO Tim Cook bereits ein empfindliches Wachstumsproblem.

Und es sieht nicht danach aus, als sollte Huaweis Momentum an Dynamik verlieren. „Die Zukunft sieht rosig für Huawei aus“, folgerte entsprechend vergangene Woche das US-Wirtschaftsmagazin Fortune. Tim Cook hat über Nacht einen neuen Angstgegner in China bekommen: Nach Xiaomi  ist vor Huawei.

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Alle Kommentare

  1. Es wäre ganz hilfreich, wenn auch die Gewinne der Unternehmen mit angegeben würden. Geld verdient hat in der Vergangenheit – außer Apple und Samsung – kaum einer der genannten Player. Der Rest hat sich eine verdammt blutige Nase geholt, von daher könnte der Preiskampf auch als Überlebenskampf gedeutet werden.

    Ob damit die Zukunft so rosig aussieht, wie uns das Fortune weismachen will, sei folglich dahingestellt

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