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Todesmutig oder lebensmüde? Günther Wallraff wollte als Geisel zum IS

Günter Wallraff und sein Team kassieren eine einstweilige Verfügung
Günter Wallraff und sein Team kassieren eine einstweilige Verfügung

Peter Kassig war gerade einmal 26 Jahre alt, als er im November 2014 von IS-Terroristen enthauptet wurde. Der britische Elitesoldat war die fünfte öffentlich getötete Geisel der Terrormiliz. Doch wie jetzt bekannt wurde, schlug Günther Wallraff dem IS damals einen Tausch vor: Er wollte sich an Stelle von Kassig als Geisel zur Verfügung stellen.

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Am 1. Oktober 2014 war Peter Kassig von Mitgliedern des Islamischen Staats entführt worden. Günther Wallraff hat an diesem Tag Geburtstag und fühlte sich deswegen von der Entführung besonders angesprochen. Dies berichtet der Investigativjournalist im aktuellen SZ Magazin (Paid Content).

„Ein Drittel Überlebenschancen“

Er habe daraufhin Kontakt zur US-Botschaft gesucht und ihnen angeboten, sich gegen Kassig austauschen zu lassen. „Ich traf dann einen dafür Zuständigen aus der Botschaft, der Arabisch sprach und sich auszukennen schien. Der machte mir klar, dass es für mich so gut wie keine Überlebenschancen gebe“, erklärt er. Doch Wallraff sah das anders: „Das würde die doch beschämen, dass einer freiwillig dahin geht, auch noch ein Älterer. Ich habe mir ein Drittel Überlebenschancen gegeben.“

Auf die Frage des SZ-Journalisten, ob er lebensmüde sei, betont Wallraff, er wolle „dem Tod zuvorkommen und dem Leben einen letzten Sinn geben.“ Die öffentliche Tötung seiner Person hätte möglicherweise dazu führen können, muslimische Jugendliche in Deutschland, die sich zum IS hingezogen fühlen, nachdenklich zu stimmen und sie an Ende von ihrem Entschluss abzubringen, glaubt er. Schließlich sei er wegen seiner Initiativen für Einwanderer vielleicht eine Orientierung für diese jungen Leute.

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Wallraff wollte das Lösegeld selber bezahlen

Doch nach zwei Wochen bekam er die Antwort von der US-Regierung: keine Realisierungschance. „Dann habe ich noch mal einen Brief an den US-Botschafter geschickt und bot an, die vom IS in solchen Fällen geforderte Lösegeldsumme über eine Spendensammlung und durch eigene Mittel aufzubringen. Um sie nicht zu kompromittieren, schrieb ich: ‚Durch die Privatinitiative würde das Lösegeld mithin weder von US-offizieller Stelle gezahlt noch auf andere Weise damit in Verbindung gebracht werden können.‘ Aber auch darauf ging man zu meiner Verwunderung nicht ein“, so der Journalist.

Inzwischen habe er erfahren, dass die Amerikaner, wie auch die Briten, aus Prinzip kein Lösegeld zahlen und sogar Angehörige juristisch gezwungen haben, es zu unterlassen, das Lösegeld privat aufzubringen. „Und so ließen sie zu, dass Peter Kassig vor laufender Kamera abgeschlachtet wurde“, klagt Günther Wallraff an.

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Alle Kommentare

  1. Leider – aber auch glücklicherweise – ist der Standpunkt der USA richtig. Er nimmt der Geisenahme die „Geschäftsidee“, macht sie zur Sinnlosigkeit. Es wird also weniger Geiselnahmen mit Lösegeldforderungen geben. – Wallraffs „Opferbereitschaft“ könnte die Geisel retten, die Lösegeldzahlung auch ihn (zu einem Drittel nach seiner Einschätzung). Die „Geschäftsidee“ des IS bekommt eine Variante: „Lösegeld-Finanzierung durch Spenden“.
    Aber das ist nur die einfache Formel. Der IS hat ja nicht primär ein Geldproblem, sondern Macht- und Unterwerfungsansprüche, die er mit Angst und Schrecken vor seinen Horrortaten erlangen will. Gerettete Geiseln erfüllen dieses Ziel nicht. Das führt zur Zunahme von Massenattentaten.
    Ein abschließender Satz hierzu fällt mir nicht ein …

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