Die ernüchternde Zwischenbilanz von „heute plus“: erfolglos – vor allem im jungen Publikum

Die „heute plus“-Moderatoren Eva-Maria Lemke und Daniel Bröckerhoff
Die "heute plus"-Moderatoren Eva-Maria Lemke und Daniel Bröckerhoff

Noch immer dürften viele Zuschauer irritiert sein, wenn sie nach "Markus Lanz" in eine "heute plus"-Sendung geraten. Mit ihren jungen, leicht rotzigen Moderatoren und den oft nicht gerade ZDF-like produzierten Beiträgen ist "heute plus" ein Fremdkörper im ZDF-Programm. Das empfinden auch die Zuschauer so - und schalten ab. MEEDIA zieht eine erste - Daten-basierte - Zwischenbilanz.

Anzeige

Schon der Vorspann dürfte den durchschnittlichen ZDF-Zuschauer nicht so recht an eine Nachrichtensendung erinnern. Und wenn Daniel Bröckerhoff und Eva-Maria Lemke ihr Publikum dann noch mit einem „Tach zusammen“ oder „Tach auch“ begrüßen, könnte der eine oder andere Über-50-Jährige schon wieder abgeschaltet haben. Und dabei die vielleicht ungewöhnlichste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen verpasst haben. „heute plus“ pendelt zwischen nervig und mutig, zwischen innovativ und unangenehm – je nach Tagesform, aber auch je nach Umsetzung der Beiträge. Würden manche der Filme auch in das „heute-journal“ passen, denkt bei anderen selbst ein junger Zuschauer: „WTF?“.

Wobei die Innovationsfreudigkeit der Sendung – subjektiv betrachtet – seit den Anfangstagen schon ein wenig nachgelassen hat. Womöglich auch wegen des Publikumserfolges. Der ist nämlich eher überschaubar. 680.000 Leute sahen die ersten 116 „heute plus“-Sendung vom 18. Mai bis zum 29. Oktober – ein Marktanteil von 8,0%. Der liegt nicht nur deutlich unter dem ZDF-Normalniveau von 12,6% in den jüngsten 12 Monaten, sondern – und das ist wichtiger – auch klar unter den Durchschnittszahlen des Vorgängers „heute nacht“.

„heute nacht“, das nicht zuletzt unter seinem langjährigen Moderator Normen Odenthal allzu verstaubt und spießig daher kam, erreichte in den letzten zehn Jahren seiner Existenz immer einen Jahres-Durchschnitt von 9,1% bis 10,0%, also über einen Marktanteilspunkt mehr als „heute plus“ seit dem Start. Vergleicht man die identischen Tage der Jahre 2014 und 2015, also den 18. Mai bis 29. Oktober, so ging es von 9,7% für „heute nacht“ auf 8,0% für „heute plus“ herab – und von 730.000 auf 680.000 Seher. Noch bitterer: Bei den 14- bis 49-Jährigen, der jungen Zielgruppe also, bei der „heute plus“ punkten soll, erreichte die Sendung bisher nur 4,6%. „heute nacht“ kam im Vergleichszeitraum 2014 noch auf 6,5%. Bei den 14- bis 29-Jährigen ging es sogar von 4,3% auf 2,6% herab.

Nun sind News-Sendungen ja immer auch von Nachrichtenlagen abhängig. Passiert nichts, schalten auch weniger ein. Doch die Nachrichtenlage 2015 – insbesondere mit der Flüchtlingskrise – hält die Deutschen eher in Atem, als dass sie sie langweilt. So stiegen die Zahlen der 19-Uhr-„heute“-Sendung im angesprochenen Zeitraum 18. Mai bis 29. Oktober vom Jahr 2014 zu 2015 sogar von 3,10 Mio. auf 3,35 Mio. Zuschauern und von 15,5% auf 16,7%. Eine Tatsache, die die „heute plus“-Zahlen noch ernüchternder erscheinen lässt. Auch der Einwurf, das junge Publikum würde die Sendung doch im Netz schauen, zieht nicht: Dort kommt „heute plus“ laut ZDF-Quellen an den meisten Tagen auf deutlich weniger als 10.000 Views.

Es liegt noch ein langer Weg vor den „heute plus“-Machern. Sofern die ZDF-Oberen ihnen die Zeit für diesen Weg geben.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Die Attitüde der Moderatoren, ihre Klamotten, die Studioeinrichtung; interessiert jemanden eigentlich Inhalt? Für mich ist die Sendung eher leichte Unterhaltung denn eine Informationssendung. Denn wenn dort zum dreihundertfünfundneunzigsten Mal das parteitaktische, inhaltsleere Geschwätz unserer Politiker breitgetreten wird, kann man auf das Sehen, bzw. Hören dieser Sendung getrost verzichten.. Ich bin übrigens 54.

    1. Also ich finde die Sendung klasse. Schalte sehr gerne ein und ich freue mich immer auf unverkrampfte, moderne und flotte Nachrichtenpräsentationen. Alle meckern immer über die verstaubten Sender ARD und ZDF … bringt man innovativ Neues, ist es auch nicht recht … Ja so sind sie, die Deutschen …

  2. Eva-Maria Lemke ist von einer so erfrischend natürlichen Moderation, dass ich gerne bis spät nach Mitternacht diese Kurznachrichtensendung „heute+“ genieße. Auch der männliche Moderator ist gut, aber wenn ich mit den anderen Nachrichtensprechern vergleiche, steht Eva-Maria Lemke ganz oben, noch dazu bezaubernd hübsch ! Sie gehört natürlich schon längst in die Abendnachrichten und bricht mit den verstaubten, erst in letzter Zeit nicht so oft sitzenden, pult-oder manuskriptklammernden Moderatoren endlich, führt in eine moderne Nachrichtenzukunft. Eva-Maria Lemke ist nahezu perfekt !

    1. Hallo, kann Ihren Artikel nicht verstehen, denn das ist seit langem mal eine Nachrichtensendung die paßt!
      Ein Nachteil wird sein das Sie wieder eingestellt werden soll und der alte Laberfilz wieder eingeführt wird!
      Schade!!

  3. Ich finde die Sendung erfrischend gut.
    Frau Lemke ist nicht nur sehr locker, wie auch IhrKollege,
    sondern auch einfach eine Augenweide.
    Ist oft die Abschlußsendung vorm ins Bett gehen.
    Bin knapp 72 !

  4. Zum Thema „Rundfunkbeitrag“ finde ich es grobst ungerecht, dass die armen
    Haushalte genau so viel RF-Beitrag zahlen müssen wie die wohlhabenden und die reich(st)en Haushalte ! Jeder Haushalt sollte sozial-gerecht ca 0,2% vom netto Haushaltseinkommen zahlen müssen, ungedeckelt ! Insbes. die hochdotierten Politiker/Innen nützen den öff.-rechtl. Rundfunk (TV) für ihre Wahl, bezw. Wiederwahl. In diversen Talkshows führen oft reiche Manager das höchste Wort und machen defacto kostenlose Werbung für ihren Betrieb!
    Aber „HARTZ-fies“-Opfer die einen menschenwürdigen Job suchen, werden nie im TV ausgestrahlt ! Abs. „Waldschrat Hansibärchen“ (75-plus-plus-plus)

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige