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Lead Awards-Chef Peichl: „Wir sehen einen Quantensprung bei der Qualität der Tageszeitungen“

Lead Award-Macher Markus Peichl
Lead Award-Macher Markus Peichl

Heute werden in Hamburg die Lead Awards verliehen. Trotz der harten Sparrunden in vielen Verlagen ist Jury-Chef Markus Peichl mit dem aktuellen Jahrgang zufrieden: „Im Gegensatz zu sinkenden Budgets ist der Ideenreichtum hoch“, erklärt er im MEEDIA-Interview. Mit Blick auf die Print-Zukunft warnt der ehemalige Tempo-Macher aber auch: „Die schönsten Pferdekutschen wurden auch zwischen 1905 und 1920 hergestellt“. Gereicht habe es trotzdem nicht dafür, „das Transportmittel Nummer eins“ zu bleiben.

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Wie fällt Ihre grundsätzliche Bilanz für den Jahrgang 2014/15 aus?
Die Kreativität scheint sich mittlerweile entgegengesetzt zur wirtschaftlichen Entwicklung zu verhalten – zumindest bei vielen Verlagen und in vielen Redaktionen. Im Gegensatz zu sinkenden Budgets ist der Ideenreichtum hoch und steigt sogar noch weiter.

Wie erklären Sie sich das?
Offenbar stemmen sich die meisten Macher mit noch mehr Engagement und noch größerer Entschlossenheit gegen die gegenwärtige Entwicklung.

Beim Blick in die Gewinnerlisten der vergangenen Jahre zeigt sich aber auch, dass vor allem Redaktionen die Preise abholen durften, bei denen die Situation nach wie vor als gut gelten muss?
Überall muss gespart werden. Mittlerweile bleibt keine Redaktion mehr von Optimierungszwängen verschont. Das trifft beispielsweise auch für alle Tageszeitungen zu. Dabei müssen wir ganz klar festhalten: Die Tagesspresse ist heute so viel spannender als noch vor fünf Jahren.

Wie kommt das?
Früher haben Tageszeitungen akkuraten Journalismus und gute Recherche geliefert. Mittlerweile übernehmen sie auch die Funktion von Magazinen und kreieren aus sich selbst heraus eigene Ereignisse.

Sind Tageszeitungen also mittlerweile die besseren Magazine?
Sie sind zumindest dynamischer als viele Magazine. Wenn man nur einmal vergleicht. Wie viele Ideen stecken heute in den Tageszeitungen, und wie viele waren es vor fünf Jahren? Dann sehen wir einen Quantensprung. In der Zeitung ist gerade viel Musik drin. Natürlich hat das Magazin aber noch immer viel Kraft und versucht seine Vorreiterrolle zu behaupten. Nehmen sie nur einmal das Zeit Magazin.

Ja?
Die haben schon Monate vor den Tageszeitungen eine Deutsch/Arabische-Ausgabe gemacht.

Wenn man Ihnen zuhört, hört man noch immer die Begeisterung für gute Print-Produkte. Sehen Sie denn gar keine Krise?
Natürlich gibt es eine Krise. Ich sehe aber auch immer wieder herausragende Anstrengungen. Ob es am Ende reicht oder der Print-Journalismus nur eine kleine Nische findet, werden wir erst in ein paar Jahren wissen. Es ist doch so: die schönsten Pferdekutschen wurden auch zwischen 1905 und 1920 hergestellt. Trotzdem hat auch diese herausragende Handwerkskunst nicht gereicht, der Kutsche den Stellenwert als Transportmittel Nummer eins zu erhalten. Bei Print kann es anders kommen. Print kann auch dauerhaft eine herausragende Rolle spielen.

Woran machen Sie das fest?
Schauen Sie sich die Apple-Kampagne „Fotografiert mit dem iPhone 6“ an. Selbst das größte und wichtigste digitale Produkt hat eine Print-Kampagne gebraucht, um sich und seinen Nutzern ein Denkmal zu setzen.

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Haben Zeitungen noch eine Chance?
Früher hat die Tageszeitung den Alltag der Menschen organisiert. Wenn sie wissen wollten, was los ist in der Welt, haben sie zur Zeitung gegriffen. Wenn sie wissen wollten, wie das Wetter wird, haben sie zur Zeitung gegriffen. Wenn sie ein Auto kaufen, eine Wohnung mieten, eine Bekanntschaft suchen oder ins Kino gehen wollten – sie haben’s mit Hilfe der Zeitung gemacht.

Diese Angebote sind alle auf das Smartphone und Computer gewandert.
Genau. Das heißt aber auch, dass die Zeitung sich eine neue Funktion suchen muss.

Wird das gelingen?
Wie gesagt: Das ist noch nicht entschieden. Im Moment sehen wir aber eine Gattung, die sich nochmals neu erfindet.

Wenn es denn so tolle Zeiten für kreative Blattmacher sind. Juckt es Sie dann nicht auch noch einmal ihr Können zu zeigen?
Es wäre nicht so, dass ich nicht immer wieder darüber nachdenken würde. Tatsächlich schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits hatte ich das Glück, in der goldenen Zeit des Magazin-Journalismus eines der spannendsten Hefte überhaupt gemacht haben zu dürfen. Anderseits hat man heute ganz andere Möglichkeiten. Der Nachteil der goldenen Jahre war nämlich, dass eigentlich kaum etwas gewagt wurde. Es gab kaum Experimente. Heute ist es schon eine Notwendigkeit, die Leser immer wieder zu überraschen, sonst verliert man sie ganz schnell.

Machen Sie dann im kommenden Jahr wieder eine neue Tempo-Ausgabe?
Tatsächlich muss eine neue Ausgabe kommen, wenn der Verlag die Rechte behalten will. Ob es aber auch wirklich dazu kommt, ist noch nicht sicher. Es wäre aber die naheligende Lösung.

Dann steht mit Tempo ja schon ein Abräumer der Lead Awards 2016 fest.
Wenn das so einfach wäre. Wir würden die Ausgabe natürlich nicht in den Wettbewerb bringen, das haben wir bei der letzten Ausgabe auch so gemacht. Da mussten wir auf den ADC ausweichen.

Aber auch da räumte damals Tempo ab…
…was uns auch sehr gefreut hat. Mein Tipp für die LeadAwards 2016 lautet aber sowieso anders und hat einen klangvollen Frauennamen: Barbara.

 

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Alle Kommentare

  1. „Im Gegensatz zu sinkenden Budgets ist der Ideenreichtum hoch und steigt sogar noch weiter“?

    Welchen „Gegensatz“ gäbe es denn da? Üblicherweise geht eine dicke Brieftasche mit einem kreativen Hirn einher, nur diesmal ausnahmsweise nicht? Aha.

    Wohl doch eher: Im Gegensatz zum eingeräumten Interview-Raum sind die Logik-Fähigkeiten des Interviewten noch verbesserungsfähig.

  2. Nur der Zeitschriften Name: BARBARA
    ist gut.
    Das Magazin: miserabel.
    Alles was man falsch machen kann ist zu 100% gelungen.
    Barbara Schönberger – die pure Weiblichkeit. Klug, witzig- ein wirkliche
    Superfrau,. Die Magazin Macher: Frauen !!
    …als wollten Sie jede Weiblichkeit verbannen. Layout -gruselig-langweilig.
    Inhalte: x-mal gelesen. Das ist die nächste G+ J Katastrophe.
    Jochen Lüdicke

  3. Qualitätssprung bei Tagesszeitungen??? Ist klar! Deshalb gehen auch die Auflagen immer weiter zurück. Ist es nicht eher so das Tageszeitungen immer beliebiger werden? Eine wie die andere. Mainstream-Meinungen halt.
    Als Leser ist man immer überrascht warum man für sowas Geld ausgeben soll…

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