IVW-Problem: Warum wir noch nicht so viele Instant Articles sehen

Technische Schwierigkeiten: Facebook Instant Articles holen noch nicht den IVW-Traffic, den sie sollten.
Technische Schwierigkeiten: Facebook Instant Articles holen noch nicht den IVW-Traffic, den sie sollten.

Seit vergangener Woche hat Facebook die Testphase für Facebook Instant Articles auf iOS-Geräten beendet und die ins soziale Netzwerk integrierten Artikel für alle iPhone-Nutzer freigeschaltet. Doch die Anzahl der neuen Artikel bei den deutschen Partnern Bild und Spiegel Online ist noch überschaubar. Der Grund: Es gibt ein IVW-Problem.

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Bei aller anfänglichen Skepsis und bisheriger Kritik an der Offensive von Facebook: Das Ergebnis der Instant Articles ist für die User Experience ein wirklich großer Fortschritt. Facebook kündigte vor mehreren Monaten an, mit Instant Articles die Lesefreundlichkeit und Ladezeiten zu verbessern. Beides ist gelungen. Die Ladezeiten von den integrierten Artikeln geht gegen null. Instant Articles bedeuten Inhalt bei Klick und bieten eine Übersichtlichkeit und Leseführung, wie man sie bei im Vergleich jeder anderen Mobilseite vermisst.

Seit vergangener Woche kann jeder iOS-Nutzer die Instant Articles der bislang ernannten Medienpartner lesen. In Deutschland sind Bild wie Spiegel Online seit Beginn der Initiative dabei und sind deshalb die bisher einzigen deutschen Portale mit Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Facebook. Doch zeigen sich beide Partner in ihrem Publishing-Verhalten der Instant Articles noch beachtlich zurückhaltend. Während Bild laut Online-Chefredakteur Julian Reichelt derzeit zehn bis 30 Artikel pro Tag bei Instant Articles einstellt, nennt Spiegel Online noch keine Zahlen. Es scheinen weitaus weniger zu sein. Beim Scrollen durch die Timeline haben Artikel mit dem Blitz im Beitragsbild Seltenheitswert.

Bild verbreitet derzeit zwischen zehn und 30 Instant Articles pro Tag

Bild verbreitet derzeit zwischen zehn und 30 Instant Articles pro Tag

Den Grund für die Zurückhaltung von Bild und Spiegel Online findet man nicht bei den Medienpartnern selbst. „Wir sind durchaus in der Lage mehr zu publizieren und würden das auch“, erklärt Julian Reichelt. Die Ausspielung der Artikel und die Zusammenarbeit mit Facebook liefen einwandfrei. Es gibt  derzeit noch Schwierigkeiten bei der Verpixelung der Artikel mit IVW-Zählmarken. „Wir stellen mit Blick auf unsere Zahlen fest, dass uns derzeit durch Instant Articles Traffic verloren geht, weshalb wir mehr Beiträge erst via FBIA verteilen wollen, wenn das Problem behoben ist“, so Reichelt weiter. Die IVW bestätigt die Schwierigkeiten. Man sei gemeinsam mit Facebook dabei, der Ursache auf den Grund zu gehen, heißt es.

Abgesehen vom Reichweitenproblem zieht Reichelt ein bislang positives Resumée. Facebook und Bild begegneten sich „auf Augenhöhe“ und arbeiteten konstruktiv zusammen. „Ich bin froh darüber, dass sich die gesamte Debatte um Instant Articles etwas beruhigt hat und nicht mehr von allen Seiten ausschließlich als Bedrohung gesehen wird, sondern vielmehr die Kooperation als Arbeit an einem neuen Verbreitungsweg gesehen wird.“ Tatsächlich scheint die sich die Grundstimmung zwischen Verlagen und Konzernen wie Facebook und Google gelockert zu haben, wie auch FAZ.net-Chef Mathias Müller von Blumencron bei einem Panel auf den Medientagen München bestätigte. Er hat mit Google bei der Digital News Initiative zusammengearbeitet, bei der der US-Konzern journalistische Projekte mit Geld aus einem Innovationsfonds unterstützt.

Von Facebook hört man Ähnliches. In einem Interview mit Niemanlab erklärte Produktchef Michael Reckhow, man habe gemeinsam mit Medienpartner Instant Articles weiterentwickelt und sei auch auf die Bedürfnisse der Redaktionen eingegangen. Zudem erhalte Facebook positives Feedback zur Artikel-Performance. So hätten schnellere Ladezeiten den Effekt, dass Instant Articles mehr geteilt würden als herkömmliche Mobile-Artikel. „Wir glauben, dass das Teilen der Inhalte die größte Bestätigung der Nutzer ist“, so Reckhow.

Reichelts Erfahrungen klingen ähnlich: „Anders als bisherige FB-Linkposts lassen sich FBIAs auch außerhalb der Facebook-Welt verbreiten, zum Beispiel über Twitter. Die geteilten Links verlinken dann nicht auf FBIA, sondern direkt auf unsere Inhalte bei Bild. Damit wird uns Traffic tendenziell eher zugeleitet, nicht entzogen. (…) Niemand wird bestreiten, dass das Leseerlebnis durch FBIA besser geworden ist. Das erhöht logischerweise die Lesequote und damit die Lust am Teilen. Shareability, der ‚viral moment‘, der früher Küchenzuruf hieß, ist für uns eine sehr wichtige Währung, weil Menschen bereit sind, ihren Namen mit unseren Inhalten zu verknüpfen.“

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