Forsa-Umfrage: 44 Prozent teilen „Lügenpresse“-Vorwurf von Pegida

Journalisten sollen in Zukunft während Demonstrationen besser geschützt werden
Journalisten sollen in Zukunft während Demonstrationen besser geschützt werden

Alarmierende Zahl aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins stern: Fast jeder zweite Deutsche (44 Prozent) stimmt ganz oder teilweise dem von der Pegida-Bewegung erhobenen "Lügenpresse"-Vorwurf zu. Die meisten Ansichten der Pegida teilen maximal zehn Prozent der Bundesbürger.

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Die Befragung fand im Rahmen des stern-RTL-Wahltrends für den Monat Oktober statt. Das Forsa-Institut untersuchte dabei das Verhältnis der Bundesbürger zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung. Seit es die Pegida-Demonstrationen in Dresden gibt, wurde immer wieder behauptet, dass die Pegida-Sympathisanten aus der Mitte der Gesellschaft kämen. Diese Einschätzung wurde schon zu Beginn des Jahres von einer Minderheit von 26 Prozent der Deutschen geteilt. Jetzt sind noch 22 Prozent der Meinung, dass Pegida für die Mitte der Gesellschaft stehe. Für die große Mehrheit von 70 Prozent ist Pegida allerdings nur eine kleine Gruppe am rechten Rand des politischen Spektrums.

Um zu prüfen, inwieweit inhaltliche Positionen aus dem Pegida-Umfeld geteilt werden, wurden den 1002 repräsentativ ausgesuchten Bundesbürgern zehn Original-Aussagen vorgelesen – mit der Bitte anzugeben, ob sie der jeweiligen Aussage voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht zustimmen. Eine nennenswerte Zahl von Deutschen, nämlich 44 Prozent, stimmt mehr oder weniger lediglich der kritischen Einschätzung der „Lügenpresse“ zu, nach der die Medien in Deutschland „von ganz oben gesteuert“ würden und deshalb „geschönte und unzutreffende Meldungen“ verbreiteten.

26 Prozent stimmen eher bis voll und ganz zu, dass Muslime nicht in Frieden leben könnten und den Krieg auch hierher brächten – 74 Prozent waren dieser Meinung nicht. 20 Prozent teilten mehr oder weniger die Auffassung, dass die Flüchtlinge ihr Gastland auf verschiedene Weise erpressen, um das zu bekommen, was sie fordern.

Die restlichen sieben Positionen aus dem Pegida-Umfeld finden jedoch nur Zustimmung bei maximal einem Zehntel der Bundesbürger. Beispiel: Der Aussage „Die von Merkel gerufenen Flüchtlinge wollen unsere Geschäfte plündern, unsere Frauen und Töchter vergewaltigen und unsere Wohnungen demolieren, ohne dass sie bestraft werden“ schließen sich nur 2 Prozent der Deutschen voll und ganz und 2 Prozent eher an. Von den Anhängern der AfD dagegen teilten diese Position 34 Prozent (eher bis voll und ganz).

Während diese Meinungen aus dem Pegida-Umfeld von den Anhängern der Union, der SPD, der Grünen, der FDP und der Linken in geringerem Umfang geteilt werden als vom Durchschnitt aller Bundesbürger, stimmen AfD-Anhänger in deutlich höherem Maße als alle anderen Befragten den einzelnen Pegida-Positionen zu.

Die Beunruhigung angesichts der anhaltenden Flüchtlingskrise lässt die Union im Vergleich zur Vorwoche gleich um zwei Prozentpunkte abrutschen. Im stern-RTL-Wahltrend kommen CDU/CSU jetzt nur noch auf 36 Prozent – 5,5 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2013 und ihr schlechtester Wert seit drei Jahren.

Die SPD profitiert vom Sympathierückgang der Union allerdings nicht und liegt weiterhin bei 24 Prozent. Dafür legt die FDP um zwei Punkte zu und wäre nun mit 6 Prozent sicher im Bundestag vertreten. Die Grünen behaupten ihre 11 Prozent, während die Linke einen Punkt verliert auf 9 Prozent.

Auch die AfD büßt wieder einen Punkt ein und steht in dieser Woche wieder bei 6 Prozent, während der Wert der kleineren Splitterparteien von 6 auf 8 Prozent ansteigt. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen beträgt weiterhin 34 Prozent und ist damit deutlich größer als bei der Bundestagswahl 2013.

Der abgesackte Präferenzwert der Union wirkt sich auch bei auf die Kanzlerpräferenz aus. Wenn die Spitze des Kanzleramts direkt gewählt werden könnte, würden sich nur noch 46 Prozent der Wahlberechtigten für Angela Merkel entscheiden. Sie liegt damit aber immer noch 30 Prozentpunkte vor Sigmar Gabriel mit 16 Prozent. Bei der politischen Kompetenz – welche Partei also mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird – büßen sowohl CDU/CSU als auch die SPD jeweils einen Punkt ein auf 24 beziehungsweise 9 Prozent. 8 Prozent trauen anderen Parteien, 59 Prozent allerdings keiner Partei politische Kompetenz zu.

Wo die CDU-Abwanderer geblieben sind, hat Forsa-Chef Manfred Güllner ermittelt: „Von den Abwanderern, die 2013 noch die CDU gewählt haben, ihr derzeit aber nicht mehr ihre Stimme geben würden, sind 15 Prozent zur FDP, 12 Prozent zur SPD, 11 Prozent zur AfD und je 6 Prozent zu den Grünen und den Splitterparteien weitergewandert.“ 50 Prozent allerdings befänden sich im Lager der Nichtwähler und Unentschlossenen – und seien deshalb, so Güllner, auch leichter wieder zur Rückwanderung zur CDU zu bewegen.

Datenbasis Wahltrend: Das Forsa-Institut befragte vom 19. bis 23. Oktober 2015 im Auftrag des Magazins stern und des Fernsehsenders RTL 2501 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

Datenbasis Pegida-Umfrage: Das Forsa-Institut befragte am 22. und 23. Oktober 2015 im Auftrag des Magazins stern 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. An 100 Prozent fehlende Angaben: weiß nicht. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.

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Alle Kommentare

  1. Ich finde es unglaublich, dass uns die meisten wichtigen Informationen von den Medien vorenthalten werden. Wir werden gezwungen Abgaben für eine öffentliche „freie“ Nachrichtenversorgung zu entrichten. Vor ein paar Jahren hätte ich mir diese extreme Situation nicht vorstellen können. Der Rechtsstaat ist komplett unterwandert. Wir müssen Farbe bekennen. Bitte schaue Euch das einmal an: https://www.youtube.com/watch?v=7OFKJUxOwKo

  2. Wenn die Umfrage einen Begriff wie „Lügenpresse“ verwendet, der mit einer Organisation wie Pegida assoziiert wird, oder gar den Begriff explizit mit Pegida verbindet, dann ist ist die Fragestellung von vornherein manipulativ: viele Menschen – mich eingeschlossen – haben durchaus Probleme, den Standpunkt des politischen Feindes zu bestätigen, unabhängig vom Inhalt. Würde die Umfrage einen politisch unbelasteten Begriff nutzen (z.B. „jemand lügt wie gedruckt“), wäre die Zustimmung u.U. viel höher.

  3. wieso sitzen in keiner Talkrunde Vertreter der Bürgerschaft oder noch konkreter gefragt warum werden in solchen Runden nicht auch die Themen besprochen, die Bürger bewegen? Da wollen die Medien nicht rann obwohl das richtig Quote bringen würde.

  4. Ts, ts, dass hätte sich keiner träumen lassen, dass
    – Xing ein Hort und Forum von Pegida-Anhängern wird; dies Forum wird sicher deshalb bald geschlossen.
    – dass selbsternannte Demoskopen und Journalisten, denn mit Sicherheit haben sie diese Felder studiert, denn sonst könnten sie ja nicht hier so süffisant und abwertend urteilen
    – dass sie die Zeit nicht kennen, in der nur Goebbels und deutscher Schlager aus dem „Weltempfänger“ kam; ist noch gar nicht so lange her…

    Macht weiter so! Und demontiert eines der Grundpfeiler unserer Demokratie, die freie Presse. Ihr meint aber die freie Meinungsäußerung – das ist aber etwas anderes. Genießt sie noch…

  5. lt. T-online Umfrage 18.5. sehen 64% keine Zukunft für die SPD. lt. Forsa-bericht sollen 63% eine für die SPD sehen? ich sehe nur, dass wir pausenlos angelogen werden, gell? alle Umfragewerte sind nicht mehr wert, als der Dreck in meiner Aschentonne!

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