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Warum Günther Jauch mit seiner Talkshow sofort aufhören sollte

Günther Jauch
Günther Jauch

Zwei Wochen, zwei Sendungen und zweimal empörte und genervte Zuschauer und Kommentatoren. An den vergangenen Sonntagen wirkte Günther Jauch in seiner ARD-Talkshow nicht mehr nur überfordert, sondern sogar lustlos. Man könnte meinen, der TV-Profi warte nur noch darauf, dass endlich Ende November und er die Gesprächsrunde los ist. Aber warum muss sich Jauch so lange quälen? Vielleicht wäre es für alle besser, wenn er seinen Sendeplatz sofort an Anne Will übergeben würde.

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Die vergangenen Sendungen waren wirklich keine Sternstunden. Vor zwei Wochen durfte der AfD-Mann Björn Höcke weitestgehend ungehindert den Bildschirm kapern, inklusive Schwenk mit einem Deutschland-Fähnchen. Die Kritik an der Performance von Jauch gipfelte in der Frage: „Ist der Moderator nach Hause gegangen?

Im Nachgang sah sich die ARD sogar genötigt, die Einladung des Politikers zu rechtfertigen: „Für den demokratischen Prozess ist es wünschenswert und notwendig, dass in einer aktuellen Diskussion alle Seiten zu Wort kommen“, erklärte die Sprecherin von I&U TV, Simone Bartsch.

Die ganze Aufregung hätte man sich sparen können, wenn es Jauch gelungen wäre, Höcke sowohl argumentativ als auch durch seine Autorität als Gesprächsleiter in die Schranken zu weisen.

Am vergangenen Wochenende wurde es nicht besser. Wieder ging es um Flüchtlinge und wieder hatte der Moderator keinen Zugriff auf das Gespräch. „Zur Zeit erweckt der bald ausscheidende Moderator Günther Jauch den Eindruck, als sei ihm das Gespür für den Unterschied zwischen dieser Haltung und leerem Gerede abhanden gekommen“, kommentierte Hans Hütt in der FAZ. Ähnlich sah es die Welt. Dort beobachtete Ralf Dargent eine „konfuse Debatte ohne klare Richtung“.

Nach zwei Versuchen scheint klar: das Thema Flüchtlinge ist nicht gerade die Paradedisziplin des Talkmasters. Nur leider wird die Debatte noch lange die politische Diskussion bestimmen.

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Möglicherweise lässt die Redaktion Jauch aber auch so langsam im Stich. Niemand würde es den Redakteuren verdenken, wenn sie nicht mehr mit voller Hingabe die jeweiligen Gesprächsrunden vorbereiteten würden. Immerhin ist schon klar, dass auch für sie mit dem Ende des Formates Schluss ist. Sie müssen sich alle einen neuen Job suchen.

An dieser Stelle kommt nun die Jauch-Nachfolgerin Anne Will ins Spiel. Denn anders als ihr Vorgänger, erlebte sie gerade mit dem Thema Flüchtlinge eine echte Sternstunde. Ihr Solo-Talk mit Angela Merkel gehört sichtlich zu den besten TV-Gesprächen der vergangenen Monate.

Wir halten also fest: Auf der einen Seite steht ein von der wichtigsten aktuellen Debatte gelangweilter oder überforderter Moderator und auf der anderen Seite eine Talkerin, die gerade in diesem Thema eine hohe Kompetenz bewies.

Möglicherweise entgleitet Jauch auch deshalb immer häufiger die Gesprächskontrolle, weil seine Gäste den Respekt vor dem scheidenden TV-Dompteur verlieren. Diesen Effekt kennt jeder Fußball-Fan. Trainer, von denen bekannt ist, dass am Saisonende Schluss ist, gelten schnell als Lame Duck. Sie verlieren unweigerlich den Zugriff auf ihr Team. Auch wenn die Kicker gar nicht bewusst nachlassen wollen.

Im Fußball funktioniert eine solche Konstruktion immer nur dann, wenn der Coach und seine Mannschaft noch ein gemeinsames Ziel, die Meisterschaft oder einen anderen Titel, zusammenschweißt und diszipliniert. Diese Aussicht fehlt bei Jauch. In den vergangenen Wochen gibt es für den Talkmaster eigentlich nichts mehr zu gewinnen. Es geht nur noch darum, die Talkshow mit Anstand zu Ende zu bringen. Eigentlich zu wenig für den wichtigsten politischen Gesprächs-Sendeplatz der ARD. Inhaltlich und für die Zuschauer wäre es wohl besser, wenn Anne Will so schnell wie möglich übernehmen würde. Doch solch eine Spontanität ist in der ARD kaum denkbar.

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Alle Kommentare

  1. Und jetzt wird wieder der Unfähige durch die Unfähige ersetzt. Ich mochte Jauch auch nicht, aber die Will ist noch jämmerlicher. Warum nicht Mybritt? Die hat die Runden wenigstens im Griff.

  2. Schade, dass Jauch geht, es war endlich mal eine Politsendung, die auch wir als Zuhörer verstanden haben. Er war moderat, ist den Gästen nicht ins Wort gefallen und war nie beleidigend und hat nie Partei ergriffen, er war Moderator. Die Gesprächsrunden werde ich sehr vermissen.

  3. Wir wollen „Demokratie“ aber Leute, die uns nicht in den Kram passen erst gar nicht zu Wort kommen lassen? Ich glaube ein solches Verhalten nennt man dann nicht mehr „Demokratie“, das hieß anders.

    Wenn Herr Jauch Parolen wie: „Die Russen bringen nun durch Ihre Bomben noch mehr Flüchtlinge zu uns“ in den Äther posaunt, der hat nicht verstanden, dass die USA seit 4 Jahren gegen Assad agieren und den Flüchtlingsstrom erst ermöglicht haben. Der vergisst auch, dass USA und frankreich Libyen so dermaßen toll „befreit“ haben, dass dort wohl jeder einzelne (bis auf ein paar Ausnahmen) froh wäre, denn Gaddafi wieder zurück wäre.

    Die Atlantikbrücke aber macht es möglich, dass der Russe generell böse, die Ukraine den Putsch ohne Fashcisten gemacht haben (die jetzt einige Minister stellen) und die Flüchtline, egal wie viele, ein Segen für uns sein werden. Aus welchem Grund die hierher kommen, wird dabei auch „bewusst?)“ ausgeblendet. Denn an ein wiederseinstezen von Assad denkt keiner. Obwohl das ein Ende für diesen Krieg bedeuten würde. Doch den will doch (leider) gar keiner.

  4. Also ich verstehe die ganze Aufregung nicht…
    kontroverse Diskussionen erfordern nun mal Mut und die Öffentlichen haben sie oft gar nicht.
    Beispiel Frank Plasberg, sobald es zur kontrovers wird, würgt er sofort “IMMER ABSICHTLICH“ die Teilnehmer gnadenlos ab.
    Und was bitterschön soll die ganze sinnlose Aufregung über den AfD Gast Höckle, ich persönlich habe mich gefreut, das auch solche Politiker in die Runde von Jauch & Co finden, denn den Einheitsbrei der etablierten (die übrigens auch keine Lösungen vorbringen können) haben wir schon 1000-mal uns anhören müssen. Schließlich muss eine Demokratie so etwas auch aushalten können!

    Und was das Gespräch zwischen Will & Merkel betrifft, so gibt es hier überhaupt nichts zum jubeln!
    Merkel hatte nämlich überhaupt nichts Neues in der Sendung verkündet und Lösungen hatte sie schon gar nicht mitgebracht. Ja…. auch diese total sinnlose Sendung mussten viele Zuschauer aushalten.

  5. Lieber Alexander Becker,

    an zwei entscheidenden Stellen ihres Textes ist das wichtigste Wort „Möglicherweise“.

    Ich sag´s mal so:

    Möglicherweise ist es weder journalistisch noch diskursiv sinnvoll, die wichtigsten Argumente auf Eventualitäten zu gründen. Da ist zu viel Kaffeesatzleserei im Spiel, und allein das macht ihren Beitrag ziemlich schlecht.
    Dass es darüber hinaus bei jeder (!) politischen Talkshow im TV mitunter drunter und drüber geht und ein(e) Moderator(in) Mühe hat, manche Teilnehmer „sowohl argumentativ als auch durch seine Autorität als Gesprächsleiter in die Schranken zu weisen“, weiß doch jeder Zuschauer. Auch in diesem Punkt also eine äußerst schwache Argumentation.

    Kurzum: Wenn sie Gevatter Jauch schon ans Bein pinken wollen, wofür es – möglicherweise – Gründe gibt, dann machen Sie es bitte gescheiter.

  6. Jetzt wird es auf Jauch abgeladen, dass kein Politiker weiß, wie man den Migrantenansturm aufhalten kann. Wer von den Gästen nie eine konkrete Antwort bekommt, sondern nur den Hinweis auf Europa und den Krieg in Syrien, der endlich beendet werden müsse, kann doch nur resignieren. Auch Anne Will hat keine wirklichen Antworten von der Kanzlerin bekommen.

  7. „Ihr Solo-Talk mit Angela Merkel gehört sichtlich zu den besten TV-Gesprächen der vergangenen Monate.“

    WTF ? Anne Will (aber kann nicht) hat jede kritische Frage ausgelassen und Merkel einfach ihr weltfremdes Geblubber absondern lassen. Die Sendung war nicht besser oder schlechter als der gesamte restliche Propagandadreck.

    „Die ganze Aufregung hätte man sich sparen können, wenn es Jauch gelungen wäre, Höcke sowohl argumentativ als auch durch seine Autorität als Gesprächsleiter in die Schranken zu weisen.“

    Höcke ist es schon in den ersten Sek. der Sendung gelungen mit der Deutschlandfahne zu „provozieren“ (lach). Bei solchen Gesprächspartnern kann er nur gewinnen. Und das ist auch gut so.
    Ich mag Björn Höckes Art mit diesen Leuten zu sprechen. Genauso haben sie es sich verdient. Als Jauch angefangen hat die Brandstifter Nazikeule auszupacken hat er sich mit dem falschen angelegt. Auf diese Steilvorlage hat Höcke nur gewartet. Und Jauch saß nur noch da wie ein begossener Pudel. Bei Anne Will (aber kann überhaupt garnicht) wird es nicht anders laufen.
    4 gegen 1 und trotzdem verloren…..da würde ich mir mal Gedanken machen.
    G. Jauch hätte bei RTL und seiner Quizshow bleiben sollen.

    Obwohl man dazu sagen muss das sogar Oberinquisitor M.Friedmann sich an Höcke die Zähne ausgebissen hat. Die Sendung ist noch auf Youtube zu finden.
    Ich würde ihn sofort zum Kanzler wählen.

    1. Höckes Auftritt war eine Selbstdemontage. Was er da abgesondert hat, konnte man größtenteils für sich sprechen lassen.
      Jauch hat alles richtig gemacht. Was soll man denn noch nachtreten, bei solch einem geistigen Armutszeugnis?

  8. Warum stellt man Günther Jauch in den Senkel? Hier sehe ich ganz klar und deutlich, dass die Redation es gerne so hätte das man sich vollständig nach links orientiert. Wer so nicht spurt, hat verloren?? Klar hat Höcke in seinem Video kein gutes Bild abgegeben, ABER ich finde seine Worte waren gut gewählt und er hat zum Ausdruck bringen wollen, dass hier eine Begrenzung der Aufnahme her muss. Damit hat er recht! Er hat auch recht, wenn er sagt das die sexuellen Übergriffe bei Muslime erheblich häuftiger sind. Denn zu Hause bei denen dürfen die ja nicht………….. Vergewaltigungen an Frauen und KINDERN sind nachweislich in den Aufnahmelagern zu bestätigen. Die Panorama-Tante ist wirklich weltfremd. Klar gibt es auch Deutsche die krank im Kopf sind. Aber hier geht es um etwas anderes. Dem Respekt einer Frau gegenüber. Das akzeptieren die meisten Muslime nicht. Man hat einer schlafenden Frau einfach ins Gesicht gepinkelt. Solche Typnen will ich persönlich nicht in meinen Umfeld haben! Das hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Das geht garnicht. Ausgenommen die, die hier schon seit 20 Jahren leben und integriert sind. Selbst bei denen ist es bis heute so, dass die Frau nur im Haus das Wort hat. Das weiß ich von vielen türkischen „guten“ Freunden die ich habe. So sieht es aus. Jauch hat sich einfach nur zurück gehalten. Das finde ich sehr positiv und gut.

  9. Lieber Alexander Becker,

    eigentlich weiß ich nicht, warum man sich über Jauch aufregt und Will hochleben lässt. Beide Talker laden in ihre Sendungen die übliche Mischpoke aus Politik ein, die recht hübsch ihr Parteiprogramm herunterbrabbeln dürfen, die jeder Zuschauer bereits bis zum Erbrechen kennt. Als klitzekleine Chilischote wird dann meist noch jemand (oooh, vieleicht sogar zwei!) zur Gegenposition eingeladen. Fertig. Überraschungen? Etwas zum Nach- oder sogar Überdenken der eigenen Position? Fehlanzeige. Dabei gibt es so viele kluge Köpfe, die interessantes Wissen haben. Schlimm wird es dann auch noch, wenn die Talkmaster Position zugunsten der Politiker beziehen und damit unkritisch werden.

    Ich frage mich, warum die Sender keine neuen Moderatoren aus dem Hut zaubern und Mut zu wirklich kontroversen Diskussionen haben? Gibt es die nicht? Doch! Mich langweilen diese „politischen“ Talksendungen sehr und freue mich auf Sendungen wie zum Beispiel „Die Anstalt“ im ZDF.

  10. Wenn ein Fußballspieler zweeimal schlecht spielt, sortiert der Trainer ihn aus; wenn ein Lokalredakteur schlampig recherchiert und schlechte Artikel scheibt, schreibt ihm der Chefredaktuer einen Brief und empfiehlt ihm zu gehen. Warum geht das bei der ARD nicht? Warum bläst der öffentlich-rechtliche Rundfunk einem blasierten, unpolitischen, lustlosen als PolitikTalker völlig überfordertem Moderator namen GJ unsere Zwangsgebühren weiter hinterher, statt ihm die rote Karte bei sofortigem Entzug des Gehaltes zu zeigen – immerhin feuert Jauchs TV Produktionsfirma eben 80 Mitarbeiter. Und die können nichts für des Moderators peinliche Sendungen.

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