Werbung für homophobe Bücher: Börsenblatt entschuldigt sich für diskriminierende Anzeigen

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"Die große Verschwulung" heißt das aktuelle Buch von Akif Pirinçcis. Das Börsenblatt druckte sowohl eine Anzeige für dieses Buch als auch für eines von Andreas Lombard mit dem Titel „Homosexualität gibt es nicht“. Nachdem die Redaktion Protestbriefe erhalten hatte, entschuldigte sich der Chefredakteur für die Werbung und distanzierte sich von "idiotischen Weltbildern".

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Beworben wird Akif Pirinçcis Buch mit der Beschreibung, der Autor kämpfe gegen „Verweichlichung, Gleichmacherei und Gender-Propaganda“. Pirinçci sorgte zuletzt mit ausländerfeindlichen Äußerungen auf einer Pegida-Demonstration in Dresden für Empörung: Fast eine halbe Stunde wetterte er dort gegen Flüchtlinge – und machte sich nicht einmal die Mühe, seinen Rassismus zu verstecken. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem gegen den Autoren und sein Verlag Random House stoppte die Auslieferung der älteren, belletristischen Bücher Pirinçcis.

Das Börsenblatt hatte zuletzt Anzeigen für Pirinçcis neuestes Buch „Die große Verschwulung“ gedruckt sowie für „Homosexualität gibt es nicht“ von Andreas Lombards. Wie der Tagesspiegel berichtet, habe das Magazin daraufhin einen Protestbriefe der Magnus-Hirschfeld-Bundesstiftung erhalten. Darin heiße es, die Anzeigen seien „skandalös“ und auf diese Weise helfe man den Buchautoren dabei, „längst wiederlegte Lügen und Vorurteile“ zu verbreiten. Wie die Berliner Tageszeitung weiter berichtet, soll auch der Quer-Verlag das Börsenblatt aufgefordert haben, sich von den Buchveröffentlichungen zu distanzieren, und seine Mitgliedschaft im Börsenverein in Frage gestellt.

Daraufhin habe der Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir im Editorial der aktuellen Ausgabe unmissverständlich klargestellt, dass es ein Fehler war, die Anzeige zu drucken. „Juristen erklären, die Werbung sei im Sinne der Meinungsfreiheit hinzunehmen. Ein gewichtiges Argument! Wir hätten die Anzeige gleichwohl ablehnen dürfen, der Verlag hätte uns zur Annahme nicht zwingen können. Die Entscheidung war also zurechenbar. Sie war verkehrt“. Nach Pirinçcis Hass-Rede in Dresden wäre ihm außerdem wohler, wenn das Blatt „keine Verbreitungshilfe“ für Pirinçci geleistet hätte, so Casimir. Er distanzierte sich darüber hinaus im Namen der Kollegen von „sexistischen, rassistischen, homophoben oder anderen idiotischen Weltbildern“.

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Alle Kommentare

  1. Bücherverbrennung …. äh …. hatten wir das nicht schon mal? Langsam bekomme ich Angst in diesem Land. Ich bin kein Fan dieses Schriftstellers und finde seine Werke auch überaus „seltsam“ aber ….. Eine Bemerkung, ein Satz, eine freie Meinung die verdreht oder missverstanden wird …. und schwupps ist es vorbei mit dem Leben, der Karriere, dem Job, dem Ruf …. ist Deutschland echt wieder kurz vor 1933? Meinungsdiktatur? Die Geister die ich rief ….

  2. Auf dem Weg in die nächste Diktatur ist Deutschland schon wieder ein gutes Stück vorangekommen. Offenbar war ja weder bei den Nazi- noch bei den Sozi-Massenmördern alles falsch. Wo kommt man schließlich hin, wenn jeder einfach sagen kann, was er will, ganz ohne vorherige Erlaubnis derer, die (durch göttliche Eingebung?) allein wissen, wer ein richtiges und wer ein „idiotisches Weltbild“ hat. Tragisch, dass Goebbels und Mielke das nicht mehr erleben können. Immerhin: Ihre Epigonen vermehren sich rasant.

    Jetzt bilden durchgeknallte Minderleister von der selbsternannten rot-grünen „Elite“ dezentral neue „Reichsschriftumskammern“, die das durch Liberalität, Pluralität, Meinungsfreiheit und ähnliche Plagen an den Rand des Zusammenbruchs geratene Land wieder „auf Zack“ zu bringen. Es wurde auch Zeit (oder „Zeit“?), die „Antifa“-Sicht der Welt („Kein Platz für …“) auch denen zu vermitteln, die noch Diskurse (mit verschiedenen Meinungen! Igitt!) führen statt ganz fest an linke irdische Paradiese zu glauben. Da ist der „Islamische Staat“ schon weiter, der Herrn Casimir und dem „Börsenblatt“ sicher gern mit etwas in Palmyra übrig gebliebenem Sprengstoff aushelfen kann – warum aussperren, wenn man vernichten kann?

    Herr Casimir und die Kameraden von der neuen Gesinnungs-Gestapo/Stasi haben freilich noch viel zu tun bis zum Endsieg. Die Methode Totschweigen, bei Goebbels und Mielke erfolgreich, schwächelt im Internet-Zeitalter doch beträchtlich. Die Zeiten mit „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ und gleich anschließend „Die Partei hat immer recht“, sie sind dahin. Was aus journalistischen „PC“-Fans wird, studiere man bei IVW und AGOF.

    Darf jetzt Herr Pirincci das „Weltbild“ des Herrn Casimir „idiotisch“ nennen? Wenn nein: Warum nicht?

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