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Sommermärchen-Affäre: DFB verlangt vier Gegendarstellungen vom Spiegel

Nach MEEDIA-Infos hat der Medienanwalt Christian Schertz im Auftrag des Deutschen Fußball Bundes (DFB) am gestrigen Donnerstag insgesamt vier Gegendarstellungsbegehren geschickt. Die Gegendarstellungen beziehen sich auf den angeblichen Kauf von Stimmen bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006. Der Spiegel hält die Gegendarstellungsbegehren des DFB für unbegründet und will sie zurückweisen.

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Eine Gegendarstellung bezieht sich auf die Vorabmeldung zur Spiegel Titelstory „Das zerstörte Sommermärchen“ vom vergangenen Samstag, eine Gegendarstellung bezieht sich auf die Berichterstattung im Heft, eine auf die Berichterstattung bei Spiegel Online und eine auf das Interview mit dem Co-Autoren der Story, Jens Weinreich, das Spiegel Online veröffentlicht hat.

Die Kanzlei Schertz, die den DFB in der Sache vertritt, hat mit dem Zusenden der Gegendarstellungen offenbar bis zum Produktionstag des Spiegel gewartet. In der morgen erscheinenden Spiegel-Ausgabe wird darum auf keinen Fall eine Gegendarstellung zu finden sein. Interessant ist, dass sich die Gegendarstellungen alle auf den vom Spiegel behaupteten Stimmenkauf beziehen, andere Details aus dem Artikel werden vom DFB zumindest derzeit nicht juristisch bestritten.

Und selbst der Stimmenkauf wird vom Spiegel in seiner Story nicht hart behauptet, sondern nur als wahrscheinlich bezeichnet. An mehreren Stellen in dem Spiegel Artikel wird deutlich darauf verwiesen, dass es Verdachtsmomente gibt aber keine Beweise. Diese Einschränkungen fehlen allerdings in der Vorabmeldung, in der Hausmitteilung, bei Teilen der Spiegel-Online-Berichterstattung und im Weinreich-Interview. Darum setzt der Medienanwalt Schertz vermutlich an diesen Stellen an.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der vom Spiegel massiv kritisiert wurde, hat gestern mit einer Pressekonferenz versucht, die Vorwürfe des Spiegel zu entkräften. Niersbachs Version, wo jene ominösen 6,7 Millionen Euro herkamen, die der Spiegel einer „schwarzen Kasse“ zuordnet, warf aber zahlreiche weitere Fragen und Ungereimtheiten auf.

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In der neuen Spiegel-Ausgabe, die am morgigen Samstag erscheint, will die Hamburger Redaktion in Sachen DFB nachlegen. Zur Veröffentlichung von Gegendarstellungen sind Medien aber unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Gegendarstellung prinzipiell verpflichtet.

Darum ist die Gegendarstellung auch das mit Abstand schwächste Mittel des Presserechts. Davon, dass der DFB eine Unterlassung, eine Richtigstellung oder gar Schadensersatzforderungen gestellt hat, wie kurz nach der Veröffentlichung der Spiegel-Story von Schertz in den Raum gestellt wurde, ist bislang nichts bekannt.

Update: Eine Spiegel-Sprecherin teil auf Anfrage mit, dass der Spiegel die Gegendarstellungsbegehren des DFB in allen Fällen für unbegründet hält und sie zurückweisen wird.

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